Vom Internierungslager in die Reihen der Horde
Nazgrim gehörte zu den Orcs, die nach dem Zweiten Krieg in den Internierungslagern der Allianz festgehalten worden waren. Nach seiner Befreiung trat er in die Horde ein und schlug eine Soldatenlaufbahn ein. Die frühen Quellen zeichnen keinen großen Redner, sondern einen Offizier, der über Feldzüge und Rangstufen sichtbar wird: In den Grizzlyhügeln diente er als Sergeant, nach dem Krieg in Nordend stieg er zum Legionär auf und wurde während des Kataklysmus nach Vashj’ir entsandt.
In Pandaria trug Nazgrim bereits den Rang eines Generals. Er führte Hordenkräfte in den Auseinandersetzungen mit der Allianz und begegnete dabei wiederholt Admiral Taylor. Seine Laufbahn war die eines Mannes, der die Horde zuerst als Schutzraum und später als militärische Ordnung erlebt hatte. Gerade deshalb wurde die Frage, wem diese Ordnung am Ende dienen sollte, für ihn so schwer.
Garroshs General
Als Garrosh gegen die Darkspear-Rebellion vorging, stellte sich Nazgrim auf die Seite des Kriegshäuptlings. Kurz vor der Belagerung ließ er Thrall und Varok Saurfang trotz des Widerstands der Kor’kron nach Orgrimmar hinein, machte jedoch keine Zusage, dass Garrosh auf ihre Worte hören würde. Diese Szene zeigt einen Offizier, der Respekt vor früheren Anführern bewahrte, aber seinen Eid nicht aufkündigte.
Während der Belagerung verteidigte Nazgrim mit seinen Truppen den Haupteingang der Stadt. Der Eiserne Koloss wurde als seine Waffe gegen die Rebellen eingesetzt; nach dessen Zerstörung zog sich Nazgrim mit der verbliebenen Kor’kron-Brigade zurück, um den Zugang zum Untergrund zu halten. Dort standen ihm Vol’jin, Baine und schließlich die angreifenden Helden gegenüber.
Die letzte Wache
Nazgrim blieb bis zu seinem Tod bei Garrosh. Die Quellen schildern ihn dabei nicht als einen Mann, der jede Entscheidung seines Kriegshäuptlings feierte, sondern als Soldaten, der seinen Eid über die eigene Neubewertung der Lage stellte. Er kämpfte gegen Hordenangehörige, mit denen er zuvor auf denselben Schlachtfeldern gestanden hatte, und gegen Gegner, deren Fähigkeit er kannte.
Sein Tod vor dem Untergrund Orgrimmars macht diese Loyalität tragisch, ohne sie folgenlos zu verklären. Pflicht kann Halt geben; in Nazgrims Geschichte wurde sie jedoch zu einem Grund, an einer Führung festzuhalten, die die Horde zerstörte. Nach seinem Fall blieb nicht die Frage, ob er mutig gewesen war, sondern ob Mut ohne Urteil noch der Horde diente, die er zu schützen glaubte.
Ein zweiter Dienst
Während der dritten Invasion der Brennenden Legion wurde Nazgrim von den Rittern der Schwarzen Klinge als Todesritter erhoben. Er gehörte zu den neuen Vier Reitern des Ordens und kämpfte fortan als einer seiner stärksten Champions. Das nimmt seiner letzten Entscheidung in Orgrimmar nichts von ihrem Gewicht. Es stellt ihr nur eine zweite, düsterere Aufgabe gegenüber: Ein Soldat, dessen Gehorsam ihn einst spaltete, dient nun einem Orden, der Azeroth gegen eine Bedrohung verteidigt, die keine Fraktion verschont.