Der Tod im Geschenk
Als Aman'Thul Nozdormu zum Aspekt der Zeit erhob, zeigte er ihm auch den Augenblick seines eigenen Todes. Das Wissen sollte den Drachen Demut lehren. Wer sein Ende kennt, kann sich nicht für unsterblich halten und die Zeit mit dem eigenen Leben verwechseln. Doch dieselbe Gewissheit legte einen Schatten über jeden Weg, den Nozdormu bewachte.
Murozond ist die Gestalt, die aus diesem Schatten hervorgehen kann. Durch die Alten Götter verdorben, wendet sich Nozdormu gegen den Auftrag des bronzenen Schwarms. Er will die Zeit nicht mehr hüten, sondern in eine vermeintlich vollkommene Form zwingen. Aus dem Zeitlosen wird der Herr der Ewigen, und aus Kenntnis wird der Anspruch, allein entscheiden zu dürfen, welche Geschichte bestehen soll.
Eine bessere Vergangenheit mit fremden Opfern
Der Ewige Drachenschwarm greift Schlüsselmomente an: Thralls Flucht aus Durnholde, die Öffnung des Dunklen Portals und die Schlacht am Hyjal. Jeder Eingriff wird als Rettung vor einer schlimmeren Zukunft gedacht. Für die Personen in diesen Augenblicken bedeutet er dennoch, dass ihr Leben zu Material einer Rechnung wird, deren Ergebnis nur Murozond zu kennen behauptet.
Darin liegt die Verführung seiner Lehre. Geschichte ist voller Leid; wer einen einzigen Moment verändern könnte, fände leicht einen guten Grund. Murozond kennt aber keine Grenze, an der Hilfe in Herrschaft übergeht. Er betrachtet Freiheit als Fehlerquelle. Seine ideale Zeitlinie soll nicht deshalb friedlich sein, weil ihre Bewohner bessere Entscheidungen treffen, sondern weil nur noch Entscheidungen erlaubt sind, die in seinen Plan passen.
Das Ende der Zeit
In einer möglichen Zukunft hat die Stunde des Zwielichts Azeroth verwüstet. Todesschwinges Leichnam hängt über dem Wyrmruhtempel, und zwischen den Trümmern treiben verzerrte Echos der Vergangenheit. Dort hält Murozond das Stundenglas der Zeit und verhindert, dass Streiter in frühere Zeitalter reisen, um die Drachenseele gegen Todesschwinge zu holen.
Er behauptet, selbst diese tote Welt sei ein Segen gegenüber dem wahren Ende, das er gesehen habe. Die Aussage macht seine Furcht größer als die gezeigte Verwüstung und entzieht ihr zugleich jede Überprüfung. Nozdormu und die Streiter töten Murozond in dieser Zukunft. Im Sterben ruft er Aman'Thul an; sein früheres Selbst glaubt noch immer, damit nur den Tod vollzogen zu haben, den es eines Tages selbst wählen werde.
Ein Aufstieg, der rückgängig wurde
Auf den Dracheninseln versuchte Chronolord Deios, die Verwandlung herbeizuführen. Während Iridikron Galakronds Essenz suchte, griff Deios in die Vergangenheit und verdarb den jungen Nozdormu. Für einen Augenblick entstand Murozond tatsächlich, und die Gegenwart formte sich um einen Ewigen Drachenschwarm, der auch Tyr beherrschte.
Chromie musste ihren Sieg über Iridikron preisgeben, um weiter zurückzugehen und Deios aufzuhalten. Sie rettete Nozdormu, während Iridikron mit dem Dunklen Herzen entkam. Dieser Preis verhindert eine bequeme Erzählung: Die richtige Zeitlinie wurde nicht kostenlos wiederhergestellt. Ein Freund wurde vor einem Schicksal bewahrt, und gerade dadurch erhielt ein anderer Feind seine Waffe.
Keine Zukunft ist nur ein Urteil
Nach Deios' Niederlage dankte Nozdormu für seine Rettung. Zum ersten Mal behandelte er den Fall zu Murozond nicht mehr als vollkommen unvermeidlich. Ob jede Möglichkeit seiner Verwandlung beseitigt ist, bleibt ungewiss. Doch Eternus und andere Ewige begannen zugleich, mit dem bronzenen Schwarm zu sprechen und ihren eigenen starren Weg zu hinterfragen.
Murozond ist tot und kann dennoch als Zukunft Angst auslösen. Seine wichtigste Spur ist deshalb keine abgeschlossene Biografie, sondern eine Warnung an Nozdormu. Eine Vision zeigt, was geschehen kann; sie gibt niemandem das Recht, es herbeizuzwingen oder sich ihm kampflos zu ergeben. Chromie rettete ihren Anführer, weil sie in der Zeit nicht nur feste Ereignisse sah. Sie sah eine Person, deren nächste Entscheidung noch nicht geschrieben sein musste.