Chronormu und die Gestalt Chromies
Chromie gehört zum bronzenen Drachenschwarm, dem Nozdormu die Bewahrung der Zeitwege anvertraute. Ihr Drachenname lautet Chronormu. Im Umgang mit Sterblichen erscheint sie meist als Gnomfrau. Diese Gestalt passt zu ihrer neugierigen, direkten Art und lässt leicht vergessen, dass sie eine uralte Drachin mit einem Blick auf mögliche Vergangenheiten und Zukünfte ist.
Die Bronzedrachen betrachten Zeit nicht einfach als Erinnerung. Sie sehen Wege, Abzweigungen und Angriffe auf Ereignisse, deren Veränderung die Gegenwart zerreißen könnte. Chromie reist deshalb zu Augenblicken, an denen der Ewige Drachenschwarm oder andere Mächte in den Verlauf eingreifen. Ihre Freundlichkeit ist dabei keine Unwissenheit. Sie ist eine bewusste Haltung gegenüber einer Aufgabe, die leicht jede Begegnung auf Ursache und Wirkung reduzieren könnte.
Andorhal und die Jagd auf Veränderungen
In den westlichen Pestländern untersuchte Chromie Störungen bei Andorhal. Die Stadt war durch die Geißel und den Krieg verwüstet worden, doch im Geflecht der Zeit blieb sie ein empfindlicher Knoten. Chromie bat Sterbliche um Hilfe, weil ihre Feinde häufig dort angriffen, wo ein scheinbar kleines Ereignis viele spätere Entscheidungen beeinflusste.
Diese Zusammenarbeit wurde typisch für sie. Chromie behandelte Sterbliche nicht nur als kurzlebige Werkzeuge. Sie erklärte ihnen, was auf dem Spiel stand, und vertraute darauf, dass Menschen, Orcs oder andere Völker in einer entscheidenden Stunde mehr sein konnten als Figuren in einem festgelegten Ablauf.
Der eigene Tod als Rätsel
Mehrfach entdeckte Chromie Hinweise darauf, dass jemand sie ermorden wollte. Weil ein Drache der Zeit möglichen Todesmomenten auf ungewöhnliche Weise begegnen kann, untersuchte sie verschiedene Orte und Augenblicke ihres eigenen Endes. Gemeinsam mit Verbündeten folgte sie Anschlägen durch den Drachenschrein und andere bedrohte Zeitpunkte.
Die Suche zeigte, wie viele Feinde eine einzelne Bronzedrachin haben konnte und wie schwer es war, eine Verschwörung zu verstehen, wenn Täter aus unterschiedlichen Zeitwegen handelten. Chromie reagierte darauf nicht mit Rückzug. Sie machte aus dem Wissen um den möglichen Tod eine Aufgabe, die gemeinsam gelöst werden konnte.
Nozdormu, Murozond und die Grenzen der Ordnung
Über dem bronzenen Schwarm liegt die Gewissheit, dass Nozdormu eines Tages zu Murozond wird, dem Anführer des Ewigen Drachenschwarms. Lange galt jede Abweichung von der einen wahren Zeitlinie als Bedrohung. Chromie verteidigte diese Ordnung, musste aber zunehmend erleben, dass auch der Wunsch nach einer vollkommen kontrollierten Geschichte gefährlich werden kann.
Auf den Dracheninseln arbeitete sie mit Nozdormu, Eternus und anderen Zeitwanderern. Dort wurde deutlich, dass nicht jede alternative Möglichkeit vernichtet werden muss, nur weil sie anders verläuft. Morchie, eine verzerrte andere Version Chromies, führte ihr vor Augen, was aus denselben Fähigkeiten unter anderen Entscheidungen werden konnte. Chromie blieb Wächterin, doch ihre Vorstellung von Schutz wurde beweglicher.
Zeit als Verantwortung gegenüber Menschen
Chromies Bedeutung liegt nicht allein in Zeitreisen. Sie stellt die Frage, wie viel Ordnung eine Geschichte verträgt. Wenn jede Abweichung ausgelöscht wird, werden auch die Menschen in diesen Zeitwegen zu Fehlern erklärt. Wenn dagegen jede Veränderung erlaubt ist, können ganze Welten verschwinden. Chromie sucht zwischen diesen Extremen nach Entscheidungen, die konkrete Leben berücksichtigen.
Ihre gnomische Gestalt und ihr Humor machen sie zugänglich, doch dahinter steht eine schwierige Erkenntnis: Geschichte ist nicht wertvoll, weil sie einem abstrakten Plan folgt. Sie ist wertvoll, weil in ihr Menschen leben, erinnern und wählen. Chromie schützt die Zeit deshalb am stärksten, wenn sie nicht nur den Ablauf bewahrt, sondern versteht, für wen dieser Ablauf überhaupt Bedeutung besitzt.