Ehre und StärkeBlackmoore
Gezeitenstein von Golganneth
Gegenstand

Gezeitenstein von Golganneth

Der Gezeitenstein formte einst Azeroths Flüsse und Meere. Farondis' Widerstand ließ ihn und Azsuna zerbrechen; wiederhergestellt diente er erst dem Schutz, dann Azsharas Falle bei Nazjatar.

Ein Werkzeug für die Wasser der Welt

Der Gezeitenstein von Golganneth gehört zu den Säulen der Schöpfung, jenen titanischen Werkzeugen, mit denen die Hüter Azeroth ordneten. Seine Macht half, Flüsse und Meere in ihre Bahnen zu legen. Damit war er nie nur ein kostbares Relikt. In ihm lag die Erinnerung an eine Zeit, in der Wasser nicht als Grenze einer Landschaft galt, sondern als Kraft, deren Lauf ganze Kontinente, Küsten und Lebensräume bestimmen konnte.

Wie die anderen Säulen verschwand der Stein später aus dem unmittelbaren Zugriff der Hüter. Die Hochgeborenen fanden die Relikte und lagerten sie in Suramar. Während des Krieges der Ahnen benutzten Elisande und ihre Verbündeten die Säulen, um am Tempel der Elune ein weiteres Portal der Legion zu schließen. Danach gelangte der Gezeitenstein aus nicht überlieferten Gründen in die Akademie von Nar'thalas. Dort wurde aus einem Werkzeug der Weltordnung ein gehüteter Schatz eines elischen Fürstentums.

Farondis entscheidet sich gegen die Königin

Prinz Farondis erkannte, dass Azsharas Bund mit der Brennenden Legion nicht der Aufstieg seines Volkes, sondern dessen Untergang war. Er plante, den Gezeitenstein gegen den Brunnen der Ewigkeit zu richten. Dessen Zerstörung sollte das große Portal schließen und Sargeras den Weg nach Azeroth nehmen. Der Plan war verzweifelt, denn der Brunnen trug die Macht und den Stolz des gesamten Reiches. Farondis war dennoch bereit, seine eigene Stellung und die Gunst der Königin dafür aufzugeben.

Ein Adeliger aus seinem Hof verriet ihn. Azshara zerschmetterte den Gezeitenstein aus der Ferne und sandte eine Welle dunkler Magie durch Azsuna. Land und Leylinien brachen, die Bewohner starben und blieben als Geister an ihre Heimat gebunden. Farondis verlor sein Reich, ohne den Brunnen erreicht zu haben. Viele seiner Untertanen gaben ihm die Schuld an ihrem Fluch. Der Stein wurde damit zum Mittelpunkt einer bitteren Frage: War sein Widerstand falsch, weil Azsharas Vergeltung Unschuldige traf, oder bewies gerade die Vergeltung, weshalb Schweigen keine Rettung gewesen wäre?

Die Scherben von Nar'thalas

Zehntausend Jahre lagen die Teile des Gezeitensteins in der zerfallenen Akademie. Die Geister wiederholten alte Lektionen, Streitigkeiten und Gewohnheiten, während die Küste um sie herum das Ausmaß der Katastrophe bewahrte. Farondis blieb unter ihnen und widersetzte sich Azshara weiter, obwohl er weder lebte noch auf Vergebung hoffen konnte. Das zerbrochene Relikt und das verfluchte Volk waren zwei Seiten derselben unvollendeten Tat.

Während der dritten Legioninvasion drangen Azsharas Naga nach Azsuna vor. Gezeitenherrin Athissa und Kriegsherr Parjesh brachten die Teile in ihre Gewalt, und der Stein wurde wiederhergestellt. Im Auge Azsharas speiste seine Macht den Zorn Azsharas, eine gewaltige Verkörperung aus Sturm und Wasser. Nach deren Niederlage fiel das Relikt an die Verteidiger Azeroths. Was Farondis einst nicht vollenden konnte, stand nun erneut für den Kampf gegen dieselbe Königin bereit.

Siegel am Grabmal

Der Gezeitenstein wurde nach Dalaran gebracht und anschließend zusammen mit den übrigen Säulen am Grabmal des Sargeras eingesetzt. Naga versuchten, ihn dort wieder für Azshara zu gewinnen. Nachdem ihre Anführer gefallen waren, aktivierten die Streiter Azeroths den Stein im Abyssischen Thron. Seine Macht half, das große Legionsportal zu versiegeln. Ein Werkzeug, dessen Zerbrechen Azsuna verflucht hatte, schloss nun eine Wunde, die den ganzen Planeten bedrohte.

Nach dem Ende der Legion blieb der Stein am Grabmal und hielt das Siegel aufrecht. Doch die Bewachung versagte. Azsharas Kräfte stahlen ihn, ohne dass sein Verlust rechtzeitig verhindert wurde. Diese Wiederholung war kein Zufall der Geschichte. Ein Relikt, das Meere bewegen konnte, war für jeden Sieg zu wichtig, um danach bloß als erledigter Schlüssel behandelt zu werden. Wer den Gezeitenstein besaß, konnte nicht nur Wasser beherrschen, sondern den Weg ganzer Flotten und Heere bestimmen.

Das geöffnete Meer von Nazjatar

Azshara benutzte den Stein im Vierten Krieg, um das Meer um Nazjatar auseinanderzureißen. Schiffe von Horde und Allianz stürzten auf den freigelegten Grund, während Wände aus Wasser ringsum standen. Später durchbrachen Jaina Prachtmeer und Thalyssra mit seiner Macht den Weg zum Ewigen Palast. Der Gezeitenstein diente damit innerhalb derselben Falle erst der Königin, dann ihren Gegnern. Seine Gewalt gehorchte keiner moralischen Seite, sondern der Hand und dem Zweck, die sie lenkten.

Später wurde der Gezeitenstein wieder in Dalaran verwahrt. Nach der Zerstörung der Stadt durch Xal'atath ist sein Schicksal nicht bekannt; Berichte über vernichtete Artefakte erlauben keinen sicheren Schluss, dass auch er zerbrochen wurde. Diese offene Spur passt zu seiner Geschichte. Der Stein wurde verborgen, zerschmettert, erneuert, gestohlen und zurückgewonnen. Jede Generation glaubte kurz, seine Macht unter Kontrolle gebracht zu haben. Das Wasser in ihm erinnert daran, dass Besitz nicht dasselbe ist wie dauerhafte Herrschaft.