Der Donnerer des Pantheons
Golganneth erwachte wie die anderen Titanen aus einer Weltseele in der Großen Dunkelheit. Im Pantheon verkörperte er Himmel, Sturm und das tosende Meer. Seine Ordnung war keine starre Stille. Wind wechselt Richtung, Wellen schlagen gegen Küsten, und Gewitter reinigen die Luft mit Gewalt. Golganneth liebte gerade diese Kraft der Natur, obwohl er Welten in eine bewohnbare Form bringen sollte.
Der Titel Donnerer beschreibt deshalb mehr als eine Waffe. In ihm liegt eine Art von Ordnung, die Bewegung nicht beseitigt. Ein Meer wird nicht sicher, indem man es zu Stein macht, und ein Himmel lebt durch Strömung. Golganneths Bereich erinnert daran, dass die Titanen nicht nur Hallen, Maschinen und geometrische Anlagen hinterließen. Auch Flüsse, Wolken und die langen Wege des Wassers gehörten zu ihrer Vorstellung einer geordneten Welt.
Segen für Himmel und Sturm
Vor dem Krieg gegen das Schwarze Imperium gab Golganneth den Hütern Thorim und Hodir Macht über Stürme und Himmel. Durch solche Bevollmächtigten wirkte der Pantheon auf Azeroth, ohne selbst ständig auf der Oberfläche zu stehen. Thorims Donner und Hodirs Herrschaft über Frost trugen einen entfernten Nachhall des Titanen, dessen Bereich beide miteinander verband.
Die Bewohner Azeroths begegneten Golganneth meist durch diese Spuren. Meeresriesen verehrten ihn und bliesen Hörner zu seinen Ehren. Sterbliche fanden seinen Namen in Tafeln, Relikten und Anlagen. So wurde aus einem kosmischen Wesen eine Gegenwart in Wetter und Wasser. Ein Fischer musste Golganneth nicht gesehen haben, um in einem plötzlich aufziehenden Sturm zu verstehen, warum alte Völker dem Himmel eine Persönlichkeit gaben.
Der Gezeitenstein
Der Gezeitenstein Golganneths gehörte zu den Säulen der Schöpfung, welche die Hüter bei der Ordnung Azeroths verwendeten. Mit seiner Macht wurden Flüsse und Meere geformt. Später gelangte das Artefakt in die Hände der Nachtelfen. In Azsuna zerbrach es während des Krieges der Ahnen, als Azsharas Zorn die Region verwüstete und ihre Bewohner als Geister zurückließ.
Jahrtausende danach wurden die Teile erneut zusammengefügt. Der Stein half, das Grabmal des Sargeras zu öffnen und die Legion zurückzuschlagen. Azshara stahl ihn später und riss damit das Meer über Nazjatar auseinander. Jaina und Thalyssra nutzten dieselbe Macht, um den Weg in den Ewigen Palast zu öffnen. Der Gezeitenstein trägt damit Golganneths Widerspruch weiter: Wasser kann Wege schaffen und verschließen, Leben tragen und ganze Armeen in einer trockengelegten Tiefe fangen.
Der zerstreute Geist
Bei Nihilam stellte sich der Pantheon Sargeras entgegen. Der gefallene Titan zerstörte ihre Körper, doch Norgannon rettete die Geister im letzten Augenblick und schleuderte sie durch den Kosmos zu den Hütern Azeroths. Die Seelen fanden keinen dauerhaften Halt. Später fing Sargeras Golganneth und mehrere Geschwister ein und ließ sie auf Argus durch die Shivarra foltern, um ihren Willen wie den Aggramars zu brechen.
Für den Herrn der offenen Himmel war diese Gefangenschaft eine besondere Umkehr. Ein Wesen, dessen Macht Ozeane umspannte, wurde auf wenige Augenblicke aus Schmerz und Zwang reduziert. Dennoch brach er nicht vollständig. Azeroths Streiter befreiten die Titanen in Antorus und brachten ihre Geister wieder am Sitz des Pantheons zusammen. Die Ordnung, die einst aus der Ferne über Welten entschieden hatte, verdankte ihr eigenes Fortbestehen nun sterblichen Bewohnern einer dieser Welten.
Himmel und Meer gegen den Zerrütter
Im Kampf gegen Argus den Zerrütter schenkte Golganneth den Streitern Kraft des Himmels und des Meeres. Er reinigte tödlichen Nebel und half, die gequälte Weltseele von der Legion zu lösen. Nach Argus' Fall vereinte der Pantheon seine Macht, um Sargeras am Sitz zu binden. Golganneth lebt dort weiter, Teil des Gefängnisses, das den einstigen Bruder festhält.
Seine Geschichte ist weniger von persönlichen Intrigen geprägt als die vieler sterblicher Helden. Ihr Zusammenhang liegt in der Bewegung von Macht. Golganneth gibt sie an Hüter, ein Artefakt trägt sie durch fremde Hände, seine Seele wird zerstreut und schließlich durch Sterbliche wieder gesammelt. Himmel und Meer gehören keinem Besitzer dauerhaft. Sie verbinden ferne Küsten und erinnern selbst einen Titanen daran, dass Ordnung nur fortbesteht, wenn Kraft fließen darf und Verantwortung weitergegeben wird.