Die Hauptstadt fällt
Wo heute Nazjatar liegt, stand einst Zin-Azshari am Brunnen der Ewigkeit. Von dort regierte Königin Azshara das Kaldorei-Imperium, umgeben von Hochgeborenen, die ihre Macht für den natürlichen Mittelpunkt der Welt hielten. Als der Brunnen im Krieg der Ahnen zusammenbrach, versank die Hauptstadt mit ihren Palästen und Bewohnern in den Fluten.
Im Augenblick des Ertrinkens sprach N'Zoth zu Azshara. Er bot Rettung gegen Dienst. Die Königin akzeptierte keine einfache Unterwerfung; sie handelte um eine Stellung an seiner Seite. N'Zoth verwandelte sie und ihre Getreuen in Naga. Aus Beinen wurden Schwänze, aus der Hofgesellschaft ein Volk der Tiefe, und aus dem Untergang der alten Hauptstadt der Anfang eines neuen Reiches.
Eine Stadt aus Ruinen und Korallen
Die Naga bauten Nazjatar auf und in die Reste Zin-Azsharis. Nachtelfische Bögen standen neben Korallen, Muscheln und Formen, die nur unter Wasser sinnvoll waren. Die Stadt bewahrte Azsharas alten Palast und veränderte ihn zugleich. Wie die Naga selbst war sie weder bloßes Überbleibsel noch vollständiger Neubeginn.
Unter dem Mahlstrom wurde Nazjatar zum Zentrum eines weiten Imperiums. Naga zogen zu Küsten auf allen Kontinenten, versklavten Meeresvölker und suchten Artefakte. Lady Vashj führte einen Teil von ihnen zu Illidan, andere kämpften in Vashj'ir gegen Kvaldir und Neptulons Kräfte. Alle Wege führten politisch zurück zu einer Königin, die den Verlust ihres ersten Reiches nie als Ende ihres Anspruchs akzeptiert hatte.
N'Zoths Gefängnis
Unter Nazjatar lag N'Zoth gefesselt. Azshara diente seinen Plänen und bereitete zugleich ihren eigenen Verrat vor. Zehntausend Jahre lang lebten Königin und Alter Gott in einem Bündnis, in dem beide glaubten, den anderen im entscheidenden Augenblick benutzen zu können. Die Naga bauten ihre Größe daher buchstäblich über dem Gefängnis ihres vermeintlichen Schöpfers.
Azshara sammelte Macht, während N'Zoth ihren Stolz nährte. Er brauchte ihre Armeen und ihren Hof; sie brauchte seine Verwandlung und die Möglichkeit, an kosmische Macht zu gelangen. Kein Vertrag in Nazjatar beruhte auf Vertrauen. Die Tiefe hielt ihn nur deshalb zusammen, weil jeder Verräter auf den Augenblick wartete, in dem Verrat endlich Gewinn versprach.
Das Meer wird geteilt
Nach der Schlacht von Dazar'alor lockte Azshara Flotten der Horde und Allianz in einen Hinterhalt. Das Meer öffnete sich und ließ die Schiffe in Nazjatars Tiefe stürzen. Hohe Wasserwände standen um das freigelegte Land, während die Überlebenden zwischen Naga, Ruinen und unbekannten Verbündeten festsaßen.
Die Horde arbeitete mit den Entfesselten um Neri Scharfflosse, die Allianz mit den Ankoan. Beide Gruppen kannten Azsharas Unterdrückung aus eigener Erfahrung. Während die Fraktionen noch gegeneinander misstrauisch waren, halfen jene Meeresvölker ihnen, in einer Welt zu überleben, die für Lungen und Füße nie gebaut worden war.
Der Palast und die gebrochene Kette
Im Ewigen Palast stellte sich Azshara ihren Angreifern. Der eigentliche Zweck des Kampfes lag jedoch tiefer: Das Herz von Azeroth setzte genug Energie frei, um N'Zoths letzte Fesseln zu brechen. Azshara verlor die Schlacht, doch der Alte Gott kam frei und nahm sie mit sich. Das scheinbare Ziel der Helden war zum Schlüssel seines Plans geworden.
Nazjatar bleibt als Ort die fortgesetzte Biografie Azsharas. Jede Säule behauptet, ihr Reich habe den Weltbruch überlebt; jede ertrunkene Straße erinnert daran, dass es ihn überhaupt erst herbeiführte. Die Stadt ist schön, weil ihre Bewohner selbst in der Tiefe Kunst schufen, und schrecklich, weil diese Kunst auf Sklaverei und unstillbarem Anspruch ruht. Über ihr drückt das ganze Meer. Unter ihr lag ein Gott. Dazwischen baute eine Königin zehntausend Jahre lang an der Behauptung, niemals gefallen zu sein.