Eine Wunde, die älter ist als Karazhan
Der Pass war nicht immer das graue, leblose Tal, das Reisende heute durchqueren. In sehr früher Zeit trug Sataiel, Azeroths erste bekannte Nekrolytin, die Sense Ulthalesh. Sargeras hatte ihr die Waffe gegeben, damit sie Seelen erntete. Zahllose Trolle wurden in der Region getötet, ihre Geister von der Sense verschlungen. Schließlich wandten sich die Mächte, die Sataiel gedient hatten, gegen sie; Ulthalesh nahm auch ihre Seele auf.
Diese Ereignisse hinterließen eine magische Verletzung im Land. An dem Ort, an dem später Karazhan stehen sollte, kam es zu einer arkanen Explosion. Der Pass wurde damit lange vor Medivhs Geburt zu einem Punkt, an dem Tod, Felmagie und verdrehte Zeit ungewöhnlich nahe beieinanderlagen.
Medivh baut seinen Turm
Medivh, der letzte Wächter von Tirisfal, ließ Karazhan über dieser Wunde errichten. Er glaubte, der Ort sei für ihn bestimmt. Im Turm sammelte er Wissen, empfing Gäste und beobachtete die Welt. Doch in Medivh lebte seit seiner Geburt ein Teil von Sargeras. Der Wächter wurde dadurch zugleich Beschützer Azeroths und Werkzeug seines größten Feindes.
Von Karazhan aus half Medivh Gul'dan, das Dunkle Portal zu öffnen. Die Katastrophe des Ersten Krieges begann daher nicht nur in den Sümpfen oder auf Draenor. Einer ihrer entscheidenden Ursprünge lag in diesem abgelegenen Pass, in einem Turm, dessen Bewohner nach außen wie ein gelehrter Einsiedler wirkte.
Der Tod des Wächters
Khadgar, Garona und Anduin Lothar entdeckten Medivhs Verrat. Im Kampf wurde der Wächter getötet. Sein Tod beendete Sargeras' unmittelbare Kontrolle, setzte jedoch Kräfte frei, die Karazhan und die Umgebung weiter verdarben. Geister erschienen, Räume folgten keiner verlässlichen Zeit, und der Pass verlor fast alles natürliche Leben.
Die Ruinen des Dorfes am Totenwind lagen unter einem bleigrauen Himmel. Dämonen, Untote und andere Wesen fanden in der Nähe des Turms einen Ort, an dem die Grenzen der Wirklichkeit schwach waren. Karazhan blieb verschlossen, aber die Magie darin ruhte nie.
Karazhan nach Medivh
Jahre später untersuchten der Violette Zirkel und andere Gruppen den Turm. Prinz Malchezaar und zahlreiche dämonische Bewohner hatten Teile Karazhans an sich gerissen. Die Expeditionen stießen auf Echos früherer Gäste, verzauberte Bedienstete und Räume, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinandergriffen.
Während der dritten großen Invasion der Legion wurde Karazhan erneut wichtig. Khadgar suchte dort nach Wissen, und die Legion versuchte, den Turm als Zugang nach Azeroth zu nutzen. Der Ort, an dem Medivh einst den ersten großen Einfall ermöglicht hatte, drohte wieder zum Tor zu werden.
Ein Pass ohne Zufall
Der Gebirgspass der Totenwinde ist nicht bloß die Landschaft um Karazhan. Die ältere Seelenernte Sataiels, Medivhs Besessenheit und die späteren dämonischen Angriffe gehören zu derselben Linie. Immer wieder wird der Pass von Mächten gewählt, die Grenzen öffnen oder Seelen beherrschen wollen.
Gerade seine Leere macht den Ort bedeutsam. Es gibt hier kaum ein Volk, das Anspruch auf das Land erhebt, und keine Stadt, die Normalität zurückbringt. Der Pass bleibt das Umfeld eines Turms, dessen Geschichte die Umgebung so vollständig geprägt hat, dass selbst Wind und Himmel wie Teile von Karazhans Fluch erscheinen.