Der erste unter den Hütern
Odyn war der oberste Beauftragte der titanischen Hüter. Er führte Heere gegen das Schwarze Imperium und verstand Schutz als eine Aufgabe, die Mut, Opfer und klare Rangordnung verlangte. Als die Titanen die fünf Drachen zu Aspekten erheben wollten, widersprach er. Für ihn sollten titanengeschmiedete Hüter, nicht unabhängige Drachen, Azeroths stärkste Verteidiger sein.
Die Aspekte wurden dennoch erhoben. Odyn löste einen Teil Ulduars aus der Erde und schuf die Hallen der Tapferkeit. Damit gab er seine Stellung als oberster Beauftragter auf, nicht aber den Anspruch, der bessere Beschützer zu sein. Seine neue Festung sollte beweisen, dass ausgewählte Krieger verlässlicher waren als die Entscheidung der Titanen.
Ein Auge für den Blick ins Jenseits
Odyn wollte gefallene Vrykul in sein Heer aufnehmen. Um die Wege des Todes zu verstehen, handelte er mit Mueh'zala und opferte ein Auge. Der Loa gab ihm Einblick in die Schattenlande und lieferte das Auge heimlich an Zovaal weiter. Aus Odyns Preis wurde das Auge des Kerkermeisters.
In den Kyrianern sah Odyn ein Vorbild für seelenführende Diener. Helya half ihm bei der Gestaltung der Hallen, lehnte aber seinen Plan ab, Vrykulgeister gewaltsam zu binden. Odyn verwandelte sie gegen ihren Willen in die erste Val'kyr. Er wollte eine Armee freiwillig tapferer Seelen und begann sie mit einer Tat, die den freien Willen seiner engsten Helferin brach.
Helyas Gefängnis wird seines
Loken nutzte Helyas Zorn und half ihr, sich gegen Odyn zu wenden. Mit derselben Art von Magie, die Elementarebenen gebunden hatte, schloss sie Odyn und seine Valarjar in den Hallen ein. Sie gründete Helheim und beanspruchte selbst Vrykulgeister.
Odyn blieb Herr einer prächtigen Festung und war dennoch Gefangener der Ordnung, die sein Zwang hervorgebracht hatte. Jahrtausende lang prüfte er Kämpfer und ließ Val'kyr würdige Tote sammeln. Seine Hallen feierten Ehre, während ihr verschlossenes Tor daran erinnerte, dass der Richter über Würdigkeit nie bereit gewesen war, Helyas Nein als ehrenhafte Entscheidung anzuerkennen.
Prüfungen gegen die Legion
Während der dritten Legioninvasion suchte Odyn eine sterbliche Führung für die Valarjar. Er stellte Prüfungen, ließ Schlachten schlagen und verlangte Beweise von Mut. Gemeinsam mit den neuen Verbündeten wurde Helya in den Tiefen von Helheim besiegt, und Odyn konnte die Hallen wieder verlassen.
Seine Hilfe gegen die Legion war bedeutend. Sie machte seine früheren Taten nicht gerecht. Odyn ist weder heimlicher Diener der Verderbnis noch gütiger Großvater aller Krieger. Er kann Azeroth schützen und zugleich überzeugt bleiben, dass sein Urteil über das Leben anderer aus höherer Einsicht stammt.
Die Grenze heldischer Gewissheit
Später kämpfte Odyn erneut an der Seite Azeroths und musste erleben, wie sich die Wahrheit über Mueh'zalas Handel und Zovaals Pläne entfaltete. Sein geopfertes Auge war Teil einer Kette geworden, die der Kerkermeister gegen alle Reiche des Todes richtete. Selbst ein Preis, den Odyn freiwillig gezahlt hatte, konnte Folgen besitzen, die er nicht kontrollierte.
Odyn verkörpert die Stärke und Gefahr heldischer Ordnung. Er ehrt Mut, hält Versprechen gegenüber erprobten Kämpfern und stellt sich kosmischen Feinden entgegen. Doch er erkennt zu selten, dass andere ebenso entschlossen widersprechen können. Tapferkeit wird unter ihm zum Maß, das er selbst anlegt. Die schwierigste Prüfung, die ihm bleibt, ist nicht der nächste Gegner, sondern die Möglichkeit, dass Schutz ohne Zustimmung bereits eine Form von Herrschaft ist.