Der Berg, in dem ein Hüter schwieg
Bevor ein Palast auf seinem Gipfel stand, galt der Donnernde Berg den Mogu als Wohnsitz ihres geheimnisvollen Meisters. Tief im Inneren wachte Ra über die Maschine von Nalak'sha und über einen Rest der Macht Aman'Thuls. Als der junge Kriegsherr Lei Shen den Berg betrat, fand er keinen lenkenden Gott, sondern einen Hüter, den die Nachricht vom Tod des Pantheons in Verzweiflung gestürzt hatte.
Lei Shen nahm Ra-den gefangen und raubte seine Macht über Sturm und Ordnung. Danach erklärte er den Berg zu seinem Thron. Der Palast entstand somit über einer verborgenen Gewalttat. Jede Säule, jeder Blitzableiter und jedes Tor verkündete die Göttlichkeit des Herrschers, während unter ihnen derjenige in Ketten lag, von dem diese Macht stammte.
Eine Hauptstadt der erzwungenen Ordnung
Vom Thron des Donners aus beherrschte Lei Shen sein Mogureich. Die Festung war Regierungssitz, Tempel, Labor und Waffe. Auf den Höhen sammelte sich der Sturm um den Herrscher; in den Tiefen wurden Lebewesen umgeformt. Der Palast zeigte, wie Lei Shen Ordnung verstand: Alles hatte einen bestimmten Zweck, und was keinen passenden Platz fand, wurde gebrochen, neu geformt oder eingesperrt.
Nach seinem Tod konnte kein Nachfolger den Berg in derselben Weise halten. Die Stürme gehorchten keinem anderen, und der Regierungssitz wurde ins Tal der Ewigen Blüten verlegt. Bei der Großen Teilung versank ein Teil des Berges im Meer. Nur die Insel und der Palast ragten noch empor. Für viele Bewohner Pandarias wurde der Ort zur Legende, aber seine Maschinen, Kreaturen und Gefangenen warteten weiter.
Der zurückgekehrte Donnerkönig
Zandalari erweckten Lei Shen Jahrtausende später und brachten ihre Truppen auf die Insel. Sie hofften auf ein erneuertes Bündnis, in dem Mogumacht und trollische Heere Pandaria wieder unterwerfen würden. Der Palast erwachte mit seinem Herrn. Blitze liefen erneut durch die Anlagen, und vergessene Räume wurden zu Werkstätten eines zweiten Reiches.
Allianz und Horde errichteten getrennte Landeköpfe, während der Shado-Pan-Angriff den Sturz Lei Shens zum gemeinsamen Ziel machte. Selbst vor dem Tor des Palastes blieb der Fraktionskrieg spürbar. Der Thron zog damit zwei Konflikte an: den Kampf gegen eine alte Tyrannei und den jüngeren Streit darum, welche Gegenwart nach ihrem Fall über Pandaria verfügen durfte.
Vom Zandalaritor in die Fleischformerhallen
Die äußeren Verteidigungen verbanden Zandalari-Krieger, versklavte Bestien und den Rat ihrer Loa-Priester. Tiefer lagen Höhlen mit Tortos, Megaera und Ji-Kun, Wesen, die in der abgeschlossenen Finsternis zu eigenen Schrecken geworden waren. Der Weg nach oben führte zuerst hinab, als müsse jeder Eindringling durch die verdrängten Folgen des Reiches gehen.
In den Hallen der Fleischformer betrieben die Mogu Versuche mit Anima, jener blutähnlichen Lebenskraft, mit der sie Körper verändern konnten. Primordius war das Ergebnis unkontrollierter Mutation, der Dunkle Animus ein Gefäß für konzentrierte Macht. Lei Shens Palast bewahrte nicht bloß alte Waffen. Er bewahrte eine Wissenschaft, die Leben nur danach beurteilte, ob es dem Entwurf des Herrschers entsprach.
Der Gipfel und die verborgene Zelle
Auf dem Gipfel bewachten Eisen Qon und die Zwillingskonkubinen den Weg zu Lei Shen. Der auferstandene Kaiser fiel inmitten der Stürme, mit denen er einst sein Reich begründet hatte. Sein Tod beendete den unmittelbaren Versuch einer Wiederherstellung, doch erst die verborgene Zelle unter dem Palast enthüllte die älteste Wahrheit des Ortes.
Dort fanden die Streiter Ra-den, nach Jahrtausenden der Haft ohne Hoffnung. Er griff sie an, weil ihm Azeroth unrettbar verdorben erschien, und ließ ihnen am Ende dennoch das Recht, das Gegenteil zu versuchen. Der Thron des Donners verlor damit seine beiden Herren: den Tyrannen über den Mauern und den verzweifelten Hüter darunter. Zurück blieb eine Festung, deren Pracht nie wieder von den Ketten getrennt werden kann, auf denen sie errichtet worden war.
Quellen
Warcraft Wiki: Throne of Thunder
Warcraft Wiki: Lei Shen
Warcraft Wiki: Ra