Eine Welt, die schon verwundet ist
Draenor ist vor Ner'zhuls letztem Ritual keine gesunde Welt mehr. Gul'dans Hexenmeister haben Leben aus dem Boden gezogen, Mannoroths Blut hat die Orcs verändert, und der Krieg gegen die Draenei hat ganze Regionen verwüstet. Nach der Niederlage der Horde auf Azeroth bleiben Clans zurück, deren alte Ordnung zerbrochen ist. Ner'zhul sieht in dieser Lage nicht die Aufgabe, Draenor zu heilen. Er sieht ein Gefängnis, aus dem er fliehen will.
Der Schamane sammelt die Horde von Draenor und verspricht neue Welten. Dafür benötigt er Artefakte von Azeroth, darunter das Buch Medivhs und das Auge von Dalaran. Todesritter und Krieger stehlen sie, während die Allianz erkennt, dass hinter den Überfällen ein größerer Plan steht.
Portale als Fluchtweg und Versprechen
Ner'zhul will nicht ein einzelnes Tor öffnen. Er sucht mehrere Welten zugleich und bietet seinen Anhängern Land, Beute und einen Ausweg aus den Folgen früherer Entscheidungen. Dieses Versprechen macht ihn glaubwürdig. Viele Orcs haben erlebt, wie ihre Heimat unter ihnen stirbt; sie verlangen nicht nach einer weiteren moralischen Warnung, sondern nach einem Ort, an dem ihre Kinder leben könnten.
Doch Ner'zhul hält die Macht eng bei sich. Nicht alle Clans sollen gemeinsam gerettet werden. Das Ritual dient seiner Herrschaft und dem Kreis um ihn. Die Hoffnung eines Volkes wird erneut zum Werkzeug eines Anführers, der den Preis auf andere verteilt.
Der Himmel reißt auf
Als die Portale entstehen, beginnt Draenors Wirklichkeit zu zerbrechen. Magische Ströme ziehen in verschiedene Richtungen. Erdbeben öffnen Spalten, Landmassen lösen sich, und der Wirbelnde Nether dringt an Stellen ein, an denen zuvor Himmel war. Ner'zhul und ausgewählte Gefolgsleute entkommen durch eines der Tore. Die Mehrheit bleibt zurück.
Die Söhne Lothars erkennen, dass die Verbindung nach Azeroth die Katastrophe weitertragen könnte. Khadgar schließt das Dunkle Portal von Draenors Seite. Damit retten die Gestrandeten eine Welt, die sie nicht mehr erreichen können, während ihre eigene Umgebung auseinanderfällt.
Aus Draenor wird die Scherbenwelt
Draenor wird nicht vollständig vernichtet. Teile des Planeten bleiben als Schollen und Landschaften bestehen, zusammengehalten von Magie und umgeben vom Nether. Die Höllenfeuerhalbinsel, Nagrand, der Wald von Terokkar und andere Regionen überleben in veränderter Form. Dieses Überleben macht die Scherbenwelt nicht weniger tragisch. Berge, Flüsse und Wege enden plötzlich dort, wo Teile der Welt fehlen.
Für Draenei, Orcs, Oger, Arakkoa und die Allianzexpedition beginnt ein Leben in den Resten. Einige bewahren alte Namen, andere schließen sich neuen Mächten an. Die Legion erkennt bald, dass eine zerbrochene Welt ein nützlicher Stützpunkt sein kann.
Die Verantwortung hinter der Katastrophe
Ner'zhul trägt die unmittelbare Verantwortung für das Ritual, aber Draenors Zerstörung beginnt nicht erst in dieser Nacht. Kil'jaedens Täuschung, Gul'dans Machtgier, der Krieg gegen die Draenei und der Verbrauch der Welt durch Felmagie haben die Grundlage geschaffen. Das letzte Ritual macht aus langem Raubbau einen plötzlichen Untergang.
Später wird Ner'zhul von Kil'jaeden gefangen und zum Lichkönig gemacht. Die zerstörte Heimat bleibt der erste Beweis dafür, was sein Versuch kostete, einer Verantwortung durch ein neues Tor zu entkommen.