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Zin-Azshari
Welt

Zin-Azshari

Zin-Azshari war die Hauptstadt des Kaldorei-Reiches am Brunnen der Ewigkeit, zuerst Elun'dris und später zu Ehren Azsharas umbenannt. Schönheit, Magie und blinde Verehrung machten sie zum Tor der Legion und zum versunkenen Kern Nazjatars.

Das Auge Elunes am Brunnen

Bevor die Stadt den Namen einer Königin trug, hieß sie Elun'dris, das Auge Elunes. Sie lag am Brunnen der Ewigkeit, jener gewaltigen Quelle arkaner Macht, um die sich das Reich der Kaldorei formte. Türme, Tempel, Gärten und Straßen spiegelten den Glanz eines Volkes, das Magie nicht nur benutzte, sondern seine Vorstellung von Schönheit aus ihr baute. Von hier aus blickte die Hauptstadt auf ein Kalimdor, das noch ein einziger Kontinent war.

Der Brunnen machte die Stadt reich und gefährlich. Seine Energie schien jede Grenze weiter hinausschieben zu können, und aus dieser Erfahrung wuchs der Glaube, das Zentrum der Macht müsse auch das Zentrum der Welt sein. Elun'dris sammelte Künstler, Priesterinnen, Gelehrte und die hochgeborene Oberschicht. Je heller die Stadt leuchtete, desto leichter konnte sie die Regionen außerhalb ihres Blicks für bloße Ränder halten.

Als eine Stadt ihrer Königin gehörte

Mit Azsharas Thronbesteigung wurde Elun'dris in Zin-Azshari umbenannt, die Herrlichkeit Azsharas. Die Bewohner liebten ihre Königin mit einer Verehrung, die über politische Zustimmung hinausging. Ihre Schönheit und magische Begabung galten als sichtbarer Beweis, dass sie zur Herrschaft bestimmt sei. Selbst der Name der Hauptstadt sagte nun, dass ihre höchste Leistung nicht ein Tempel, ein Volk oder der Brunnen war, sondern Azshara selbst.

Die Königin nahm diese Hingabe nicht bescheiden an. Um sie sammelten sich Xavius und die mächtigsten Hochgeborenen, während andere Nachtelfen immer weniger Zugang zu den Entscheidungen im Palast erhielten. Die Stadt blieb prächtig, doch ihre Schönheit wurde zur Kulisse einer geschlossenen Macht. Wer durch ihre Straßen ging, konnte Glanz mit Gesundheit verwechseln. Ein Reich kann äußerlich vollkommen wirken, während in seinem Mittelpunkt niemand mehr wagt, der bewunderten Person zu widersprechen.

Das Tor im Brunnen der Ewigkeit

Sargeras erreichte Azshara durch das Versprechen, die Welt nach ihrer Vorstellung zu vollenden. Xavius und die Hochgeborenen zapften den Brunnen an und öffneten ein Portal für die Brennende Legion. Dämonen strömten nicht von einer fernen Grenze nach Kalimdor. Sie marschierten aus der Hauptstadt selbst. Zin-Azsharis Straßen, die den Triumph kaldoreischer Kultur zeigen sollten, wurden zum Ausgangspunkt ihrer Vernichtung.

Viele Bewohner verstanden zu spät, was im Palast geschah. Widerstand formte sich außerhalb der höfischen Kreise, während Malfurion, Tyrande, Illidan und ihre Verbündeten versuchten, das Portal zu schließen. Im Inneren hielt Azshara weiter an der Vorstellung fest, Sargeras werde sie über eine erneuerte Welt setzen. Der Krieg der Ahnen war deshalb nicht nur eine Invasion. Er war ein Bürgerbruch zwischen denen, die im kommenden Vernichter noch die Bestätigung ihrer Größe sahen, und denen, die bereit waren, ihr eigenes Reich zu bekämpfen, um die Welt zu bewahren.

Die Hauptstadt sinkt

Als das Portal zusammenbrach, implodierte der Brunnen der Ewigkeit. Die Große Teilung riss Kalimdor auseinander, Meere stürzten in die Wunde, und Zin-Azshari versank. Türme brachen, Plätze füllten sich mit Wasser, und aus dem geordneten Mittelpunkt einer Welt wurde ein Trümmerfeld am Meeresgrund. Keine Mauer der Hauptstadt konnte die Kräfte aufhalten, die ihre Herrscher selbst entfesselt hatten.

Azshara und viele Hochgeborene überlebten durch einen Pakt mit N'Zoth. Ihre Körper wurden zu Naga umgeformt, und aus den versunkenen Resten entstand das Reich Nazjatar. Die alte Stadt verschwand nicht vollständig unter der neuen. Statuen, Arkaden und Straßenzüge blieben zwischen Korallen und den Bauten der Naga sichtbar. So lebte Zin-Azshari als Fundament einer Kultur weiter, die ihren Untergang nicht als Widerlegung Azsharas, sondern als Beginn einer neuen Herrschaft deutete.

Ruinen, die noch immer verehren

Als das Meer sich über Teilen Nazjatars öffnete, betraten Fremde die Ruinen erneut. Geister wandelten durch Plätze, als sei der letzte Tag nie vergangen, und Azsharas Bild stand noch über zerbrochenen Wegen. Für Nachtelfen wie Shandris war dies keine gewöhnliche Ausgrabung. Sie sahen den Ort, an dem die größte Leistung ihres alten Volkes und sein tiefstes Versagen denselben Stein teilten.

Zin-Azshari verdient daher weder bloße Bewunderung noch eine einfache Verdammung. In der Stadt lebten unzählige Kaldorei, die nicht über Sargeras' Portal entschieden hatten, und ihre Kunst war mehr als der Hochmut des Palastes. Doch ihre Umbenennung erzählt, wie bereitwillig ein Gemeinwesen sein eigenes Gesicht gegen das Gesicht einer geliebten Herrscherin tauschen kann. Die Ruinen warnen nicht vor Schönheit oder Magie. Sie warnen vor einer Pracht, in der Widerspruch als Makel gilt und Verehrung jede offene Tür zum Tor für einen Gott macht.