Das alte Herz der Zandalari
Zuldazar bildet den südlichen Teil der Insel Zandalar. Seine Tempel und Terrassen steigen aus dichtem Dschungel zu den goldenen Pyramiden von Dazar'alor auf. Von dort regierten die Könige der Zandalari ein Reich, das älter war als die meisten menschlichen Königreiche. Andere Trollvölker blickten auf Zandalar als geistiges Zentrum, selbst wenn sie den Befehlen seines Thrones längst nicht mehr folgten. Priester pflegten die Verbindung zu den Loa, mächtigen Wildgöttern und Geistern, die Schutz gewährten, dafür aber Verehrung und Treue verlangten.
König Rastakhan hatte sehr lange regiert. Seine Autorität stützte sich auf Abstammung, auf die Hauptstadt und besonders auf Rezan, den Loa der Könige. Doch die Länge seiner Herrschaft machte ihn nicht unfehlbar. Er hielt an Beratern fest, unterschätzte die wachsende Unruhe in seinem Reich und behandelte die Warnungen seiner Tochter Talanji oft als Ungeduld einer Erbin. Während Dazar'alor noch immer Größe ausstrahlte, zerfielen an den Grenzen alte Sicherheiten.
Zuls Verrat und der Fall Rezans
Der Prophet Zul hatte den Untergang der alten Trollreiche vorausgesehen und jahrelang versucht, Zandalar durch immer radikalere Bündnisse zu retten. Als Rastakhan ihm nicht mehr vertraute, entschied Zul, dass der König selbst zum Hindernis geworden war. Er verband sich mit den Bluttrollen von Nazmir und half, das künstlich erschaffene Blutwesen G'huun zu befreien. Sein Verbündeter Mythrax durchbrach die Verteidigung Zuldazars und griff den Thron an.
Im Kampf wurde Rezan getötet. Mit ihm verlor Rastakhan nicht nur einen mächtigen Beschützer, sondern die sichtbare Grundlage seines königlichen Anspruchs. Der Loa des Todes, Bwonsamdi, bot ihm Hilfe an. Rastakhan nahm den Pakt an, weil sein Reich unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Er gewann die Kraft, Zuls Aufstand niederzuschlagen, band aber seine Blutlinie an einen Loa, dessen Hilfe niemals ohne Preis blieb.
Talanji, die Horde und ein bedrohtes Reich
Talanji hatte Zandalar verlassen, um Verbündete gegen die Bluttrolle zu suchen. Die Allianz nahm sie gefangen, doch die Horde befreite sie aus Stormwind und brachte sie nach Hause. Damit begann keine sofortige Unterwerfung der Zandalari unter die Horde. Rastakhan sah sein Reich als älter und größer an und erwartete Unterstützung, ohne seine Unabhängigkeit aufzugeben. Talanji erkannte dagegen, dass Zandalar die Kriege in Nazmir, Vol'dun und im eigenen Palast nicht allein überstehen würde.
Gemeinsam wurden Zuls Anhänger in Atal'Dazar besiegt und G'huun in Uldir vernichtet. Talanji erwies sich dabei als politische und religiöse Führerin, während Rastakhan noch immer versuchte, die alte Ordnung zu bewahren. Vater und Tochter wollten beide Zandalar retten, doch sie verstanden seine Zukunft verschieden: Rastakhan hoffte auf die Wiederherstellung vergangener Größe, Talanji auf ein Bündnis, das den veränderten Kräfteverhältnissen gerecht wurde.
Die Schlacht um Dazar'alor
Die Allianz griff Dazar'alor an, um die Flotte der Zandalari zu zerstören und das Bündnis mit der Horde zu brechen. Während ein Ablenkungsangriff im Norden Kräfte band, drangen Soldaten in die Hauptstadt ein. Rastakhan weigerte sich zu kapitulieren. Bwonsamdis Macht stärkte ihn, doch der Loa rettete ihn nicht um jeden Preis. Der König fiel im Kampf. Für die Allianz war sein Tod Teil einer militärischen Strategie; für die Zandalari war er ein Angriff auf das Zentrum ihrer Geschichte.
Talanji bestieg den Thron und führte Zandalar offiziell in die Horde. Sie tat dies nicht aus Dankbarkeit allein, sondern weil das Reich nach innerem Verrat und äußerem Angriff verlässliche Verbündete brauchte. Zuldazar blieb prächtig, aber seine goldenen Terrassen konnten den Verlust Rezans und Rastakhans nicht verdecken. Die Region bewahrte danach zwei Wahrheiten zugleich: die außergewöhnliche Dauer der zandalariischen Kultur und die Erkenntnis, dass selbst ein uraltes Reich sich verändern muss, wenn seine bisherigen Grundlagen zerbrechen.