Das Land, in das man Verbannte schickte, um sie zu vergessen
Vol'dun liegt im Westen Zandalars, eine Wüste aus Dünen, Salz, ausgedörrten Schluchten und Ruinen. Für lange Zeit war sie im Reich vor allem als Strafe bekannt. Verbrecher und politische Gegner wurden dorthin verbannt, damit Hitze, Hunger oder die Bewohner der Wildnis das Urteil vollstreckten. Doch Vol'dun war nie leer. Wer es nur als Ödnis sah, übersah die Völker, heiligen Orte und alten Kriege, die unter dem Sand weiterlebten.
Vor etwa sechzehntausend Jahren lebten Zandalari und die schlangenartigen Sethrak in der Region. Gemeinsam verehrten sie Sethraliss. Als die Aqir angriffen, führte Mythrax der Auflöser den Krieg nach Vol'dun und tötete Troll wie Sethrak. Sethraliss opferte sich, um ihn zu bezwingen. Ihre Anhänger schlossen Mythrax in einer großen Pyramide ein. Der Sieg rettete das Land, verwandelte es aber in einen heiligen Wachtposten über einem Feind, der nie vollständig vergessen werden durfte.
Die Gläubigen und die Treulosen
Über Generationen bewahrten die Sethrak das Gefängnis. Dann ließ Korthek Machtgier über Pflicht siegen. Er nannte sich Kaiser, sammelte die Treulosen und plante, Mythrax zu befreien, um Zuldazar zu erobern. Vorrik und seine Ergebenen hielten am Bund mit Sethraliss fest. Aus einem Volk wurden zwei Lager, und jeder Tempel, jede Quelle und jede Karawane musste entscheiden, welcher Zukunft sie dienen wollte.
In diese Spaltung gerieten Verbannte aus Zuldazar, darunter jene, die sich gegen Verrat am Königshaus stellten. Vol'dun machte aus ihnen keine hilflosen Opfer. Sie trafen auf die Vulpera, kleine Karawanenleute, die jede Wasserstelle, Abkürzung und Gefahr kannten. Die Treulosen hatten Vulpera versklavt und ihre Wagen verbrannt. Doch ein Volk, das in einer Wüste lebt, lernt, wie viel Widerstand in einem verborgenen Vorrat, einer reparierten Achse und einem rechtzeitig gelösten Seil liegen kann.
Mythrax erhebt sich
General Jakra'zet und Korthek arbeiteten zusammen. Durch Blut, Verrat und alte Schlüssel wurde Mythrax aus seinem Gefängnis befreit. Der C'Thraxxi zog nach Zuldazar und öffnete den Weg zu G'huun. In Vol'dun fiel Kortheks Herrschaft, während die Ergebenen mit Verbündeten Sethraliss' Tempel zurückgewannen. Die Loa kehrte nicht zurück, als wäre nichts geschehen. Ihre Kraft musste aus den Folgen eines jahrtausendealten Opfers neu gesammelt werden.
Nach dem Krieg rief Königin Talanji viele Verbannte heim. Die Ergebenen und ehemalige Treulose mussten lernen, nach der Spaltung weiterzuleben. Vulpera bauten dauerhaftere Stützpunkte und Märkte auf. Alte Baue wurden erneuert. Vol'dun blieb heiß und gefährlich, aber es war nicht länger bloß die Kante, über die Zandalar unerwünschte Angehörige stieß.
Die Wüste bewahrt eine eigene Form von Wahrheit. In fruchtbaren Ländern kann Macht ihre Abfälle hinter Mauern verstecken. In Vol'dun liegt alles offen: Knochen, zerbrochene Wagen, Tempel und die Spuren einer Karawane im Morgenlicht. Wer dort überlebt, tut es selten allein. Wasser muss geteilt, eine Wache abgelöst und ein Weg erinnert werden.
Darum erzählt Vol'dun nicht nur von Verbannung. Es erzählt von denen, die an einem Ort Wurzeln schlagen, den andere für das Ende halten. Sethrak bewachten dort die Welt vor Mythrax, Vulpera machten aus Wegen eine Heimat, und Verstoßene fanden Verbündete, die keine Krone brauchten, um ihren Wert zu erkennen. Der Sand löscht viele Spuren. Die wichtigsten trägt man deshalb gemeinsam weiter.