Bruchstücke eines gefallenen Riesen
Bevor Orcklans Draenors Geschichte bestimmten, kämpften Pflanze und Stein um die ganze Welt. Aggramar formte den Bergkoloss Grond, damit er das ungebremste Immergrün zurückdrängte. Aus Teilen des gefallenen Grond entstanden Kolossale, und aus deren Körpern gingen später die Magnaron hervor. Sie waren keine von einem Volk gebaute Rasse. Draenors gewaltiger Urkrieg selbst hatte ihnen Form gegeben.
Magnaron standen an der Spitze einer Linie, die mit jeder späteren Generation kleiner und zahlreicher wurde. Aus ihnen entwickelten sich Gronn, daraus Ogron, Oger und schließlich Orcs. Diese Abstammung bedeutet keine gleichbleibende Kultur und keinen bewussten Familienbund. Zwischen einem Magnaron und einem Orc liegen Zeitalter, Verwandlungen und ganz verschiedene Arten zu denken. Gemeinsam ist ihnen ein fernes Erbe aus Stein, Widerstand und der Welt, die Grond schützen sollte.
Die Sporen nach Botaans Tod
Die Kolossalen opferten sich, um Botaan zu vernichten, den größten Erben des pflanzlichen Immergrüns. Bei der Explosion verteilten sich Sporen voller Lebensgeist über Draenor. Sie setzten sich auf den Magnaron fest und schwächten ihre steinernen Körper. Manche Nachkommen wurden zu Gronn, und ein Teil dieser Linie wandelte sich über weitere Stufen bis zu den sterblichen Völkern Draenors.
Das Leben besiegte den Stein damit nicht in einer letzten Schlacht. Es drang in ihn ein und veränderte, was aus ihm hervorging. Für die Brecher war diese Entwicklung keine friedliche Verbindung, sondern ein fortgesetzter Angriff. Magnaron, Gronn und Ogron bekämpften die Primals, während Botani, Genesaurier und andere Pflanzenwesen jede freie Fläche wieder dem Wachstum unterwerfen wollten. Beide Seiten strebten nach einer Welt, in der für den anderen kaum Platz blieb.
Herrscher ohne Reich
Magnaron errichteten keine Städte und schrieben keine Chroniken, die aus ihrer eigenen Sicht erhalten wären. Ihre Herrschaft lag in körperlicher Gegenwart. Ein einzelnes Wesen konnte Täler verwüsten, Felsen brechen und kleinere Brecher um sich sammeln. Kormrok beherrschte lange Teile Gorgronds; Drov der Verheerer und andere uralte Magnaron blieben Gefahren, denen selbst große Heere nur mit Vorbereitung begegneten.
Ihre Macht sollte nicht mit Gedankenlosigkeit verwechselt werden. Manche Magnaron trafen eigene Bündnisse oder ließen sich aus Gründen führen, die Außenstehenden verborgen blieben. Kromog unterstützte auf dem alternativen Draenor freiwillig die Schwarzfelsorcs, nachdem deren Bergbau seine Kammer geöffnet hatte. Dass sein Motiv nicht erklärt ist, gehört zur Wahrheit. Nicht jedes alte Wesen muss in die einfache Rolle eines wilden Tieres oder einer kontrollierten Belagerungsmaschine gezwungen werden.
Die Jagd der alten Horde
In der Hauptzeitlinie befahl Schwarzfaust Frostwolf-, Donnerfürsten- und Weißklauenclan, Gronn, Ogron und Magnaron zu vernichten, die sich der Horde nicht unterwarfen. Frostwölfe und Weißklauen hielten sich weitgehend zurück, weil sie in der Jagd keine Ehre sahen. Fenris und seine Donnerfürsten nahmen den Auftrag dagegen mit Begeisterung an. Ein jüngerer Zweig der alten Steinlinie begann, seine riesigen Verwandten systematisch auszulöschen.
Der Feldzug zeigt, wie wenig Abstammung vor Gewalt schützt. Die Orcs kannten die ganze uralte Verbindung wahrscheinlich nicht, doch auch Wissen allein hätte den Machtkampf kaum beendet. Die Horde wollte Draenor für ihren Krieg ordnen und duldete keine unabhängigen Kolosse in ihrem Rücken. Was Aggramar einst als Waffe gegen überwucherndes Leben geschaffen hatte, wurde nun selbst als Hindernis behandelt, das einer anderen Eroberungsmaschine weichen sollte.
Gefesselte Riesen des alternativen Draenor
Auf dem alternativen Draenor versuchte die Eiserne Horde, Gronn und Magnaron als lebende Waffen zu versklaven. Das Herz der Magnaron konnte selbst ihren Willen beugen, wurde aber zerstört, bevor die Orcs seine Macht dauerhaft sicherten. Kormrok widerstand allen gewöhnlichen Versuchen der Unterwerfung. Erst Gul'dans Teufelsenergie lockte und band ihn an die Legion in der Höllenfeuerzitadelle.
Diese Ereignisse gehören zur alternativen Zeitlinie und dürfen nicht rückwirkend als Schicksal jedes Magnaron der Hauptwelt erzählt werden. Sie verdichten jedoch ein wiederkehrendes Motiv: Jeder neue Herrscher Draenors sieht in den uralten Riesen zunächst eine Waffe. Die Magnaron selbst stammen aus genau einer solchen Schöpfung, denn Grond wurde für einen kosmischen Krieg geformt. Ihr Dasein stellt deshalb eine unbequeme Frage an jede Macht, die sie fesseln will: Wann endet ein Werkzeug des Weltbaus, und wann beginnt ein Wesen, dessen Wille nicht deshalb geringer ist, weil seine Sprache wie berstender Stein klingt?