Ein Gott ohne geklärten Ursprung
Hakkars Herkunft liegt außerhalb der bekannten Titanenaufzeichnungen. Die Trolle kannten ihn als Loa des Blutes und Seelenschinder, einen geflügelten Gott, dessen Versprechen immer schon nach Hunger klang. Ein früher Versuch, ihn auf Zandalar zu beschwören, wurde verhindert, löste aber eine Seuche verdorbenen Blutes aus. Tausende starben, und die Zandalari schufen Schutz gegen eine Macht, die noch gar nicht vollständig in ihrer Welt stand.
Hakkar wird bisweilen der Gesichtlose genannt, doch er ist kein Gesichtsloser und darf nicht mit einem Diener der Alten Götter gleichgesetzt werden. Er ist ein Loa, wenn auch einer, dessen Beziehung zu seinen Verehrern besonders zerstörerisch wurde. Blut ist in seiner Hand zugleich Leben, Preis und Kette. Wer ihm opfert, gibt nicht bloß eine Sache fort. Er öffnet dem Gott einen Weg in die Kraft, von der jeder Körper abhängig ist.
Der Retter, der täglich Seelen verlangte
Etwa anderthalb Jahrtausende vor der Öffnung des Dunklen Portals litt das zersplitterte Gurubashireich unter Hunger und Angst. Priester riefen Hakkar um Hilfe an, und seine Macht gab den Dschungeltrollen neue Stärke für Eroberungen. In einer verzweifelten Zeit konnte dies wie Rettung erscheinen. Der wachsende Einfluss des Reiches bestätigte scheinbar jeden, der vor dem Altar gekniet hatte.
Doch Hakkar verlangte täglich Seelen. Je mehr Blut floss, desto näher rückte seine vollständige Ankunft in der sterblichen Welt, wo er alles Leben hätte verschlingen können. Das Reich, das durch ihn wachsen wollte, wurde zur Nahrung seines Wachstums. Schließlich verstanden viele Gurubashi, dass ein Gott, dessen Gabe nur durch ständig größere Opfer erhalten bleibt, kein Schutzpatron ist. Er macht den Erfolg selbst zu einer Schuld, die niemals bezahlt werden kann.
Aufstand und versunkener Tempel
Zandalari warnten die Gurubashi, und mächtige Stämme erhoben sich gegen die Atal'ai und andere treue Diener Hakkars. Der Bürgerkrieg zerriss das Reich, doch die Beschwörung wurde verhindert. Die Atal'ai flohen in die Sümpfe des Elends und errichteten einen Tempel, um ihren Gott eines Tages zurückzubringen. Ysera ließ das Bauwerk im Sumpf versinken und stellte grüne Drachen als Wächter darüber.
Jahrhunderte später verdarb der Smaragdgrüne Alptraum diese Wächter. Die Nachkommen der Atal'ai kehrten zurück und fanden den Weg zu ihren Ritualen erneut offen. Sterbliche verhinderten zunächst nur die Ankunft eines Avatars. Der Troll Yeh'kinya täuschte sie anschließend und ließ ein Ei mit Hakkars Essenz füllen. Die vermeintlichen Helfer gegen den Blutgott trugen damit selbst das Werkzeug seiner Wiedergeburt nach Zul'Gurub.
Der Gott in Zul'Gurub
Jin'do und die Hakkari unterwarfen Hohepriester anderer Loa und riefen Hakkar in die Hauptstadt. Zandalari baten Horde und Allianz um Hilfe, denn diesmal drohte nicht nur ein Trollreich zu fallen. Die gebundenen Priester und ihre Loa wurden Teil des Kampfes, bis Hakkars körperliche Gestalt besiegt werden konnte. Wieder zeigte sich, dass seine Macht von Beziehungen lebte, die in Zwang verwandelt worden waren.
Später versuchte Jin'do, den Seelenschinder selbst mit Geisterketten zu halten und dessen Kraft abzusaugen. Um Jin'do zu besiegen, mussten Eindringlinge ausgerechnet Hakkar befreien. Der Loa vernichtete seinen einstigen Priester und verschwand mit einer Drohung. In diesem Augenblick wurde das Muster vollkommen: Jin'do hatte geglaubt, Verehrung hinter sich zu lassen und Gotteskraft als Rohstoff zu behandeln. Am Ende brach das Werkzeug die Hand, die es zu besitzen meinte.
Blut und Tod nach dem Tod
Hakkars Seele gelangte nach Ardenwald und ruhte dort in einem Wildsamen. Diener Mueh'zalas stahlen den Samen, um ihn für dessen Heer zu erwecken. Hakkar kehrte jedoch nach Zul'Gurub zurück und wollte nicht länger nur über Blut, sondern auch über den Tod herrschen. Bwonsamdi erinnerte ihn an einen Handel und ließ Sterbliche die Schuld eintreiben. Der Seelenschinder wurde erneut geschlagen, aber nicht endgültig vernichtet.
Noch immer hinterlassen Gurubashi Blutopfer, und andere Loa versuchen, seine Rückkehr zu verzögern. Hakkars Geschichte besteht deshalb nicht aus einer Reihe gleicher Beschwörungen, sondern aus einer Versuchung, die jede Generation neu formuliert. Hunger verspricht Sieg, Priester versprechen Kontrolle und Feinde glauben, seine Kraft gegen ihn wenden zu können. Das Blut erinnert jedoch an jeden früheren Preis. Solange jemand meint, nur dieses eine Opfer werde die Macht beherrschbar machen, findet der Seelenschinder erneut einen Pulsschlag, dem er folgen kann.
Ein gestohlener Wildsamen
Als Hakkar in die Schattenlande gelangte, nahm Ardenwald seine Seele in einen Wildsamen auf. Dort hätte selbst der Seelenschinder durch den Kreislauf der Erneuerung gehen können. Doch Hohepriester Rakazodu und andere Diener Mueh'zalas stahlen den Samen. Sie wollten Hakkar und Dambala für das Heer ihres Herrn erwecken. Der Blutgott kehrte jedoch nach Zul'Gurub zurück und folgte keinem Banner, das ihn nur als Untergebenen behandelte.
Bwonsamdis Rechnung in der Anderen Seite
Hakkar wollte nun nicht mehr allein Loa des Blutes sein. Er griff nach Herrschaft über Blut und Tod und rief die Seelen seiner Atal'ai-Ergebenen zum Krieg. Für seine Rituale hatte er Mojo von Bwonsamdi erhalten. Als Mueh'zala die Andere Seite angriff, forderte der Todesloa diese ausgelagerte Macht zurück und schickte die Schlundgänger als Eintreiber nach Zul'Gurub.
Der Seelenschinder machte Blutbarrieren, verdorbene Essenz und die Geister seiner Anhänger zu einer Verteidigung gegen die Schuld. Doch jede gerufene Seele erinnerte zugleich daran, wie lange Hakkars Herrschaft schon von Opfern lebte. Nach seiner Niederlage floss das Mojo zu Bwonsamdi zurück. Hakkar war nicht endgültig vernichtet; selbst der Todesloa rechnete damit, dass der Blutgott eines Tages erneut einen Weg in die Welt finden würde.