Der Tod vor Bwonsamdi
Mueh'zala trug Namen wie Vater des Schlafs, Sohn der Zeit und Freund der Nacht. Lange galt er als einziger großer Loa des Todes. Seine Gestalt wechselte zwischen Troll, Schatten, Tier und schwarzer Flamme, als könnte selbst ein Körper ihm keine Grenze setzen. Die Farraki bewahrten seine Verehrung, als andere Trollvölker seinen Namen nur noch in alten Tafeln kannten.
Er verlangte Blut und Opfer. Für Mueh'zala sollte ein Gott herrschen, nicht um Anhänger werben oder mit Sterblichen handeln. Gerade diese Forderung trieb viele Gläubige fort. Ein Loa lebt von Beziehungen zu seinem Volk, und Mueh'zala verwechselte Furcht mit einer Bindung, die ewig tragen würde. Je größer er sich machte, desto leerer wurden seine Schreine.
Der Schüler mit den vielen Geschäften
Einst erhob Mueh'zala einen sterblichen Priester namens Bwonsamdi selbst zum Loa. Der Schüler wurde ebenfalls ein Führer der Toten, aber er wählte einen anderen Umgang. Bwonsamdi schloss Pakte, feilschte, spottete und bewahrte die Seelen derjenigen, die ihm vertrauten. Seine Nähe war gefährlich, doch sie ließ den Lebenden eine Stimme im Handel.
Mit der Zeit wandten sich mehr Trollseelen Bwonsamdi zu. Für Mueh'zala war dessen Erfolg kein Hinweis auf die eigene Grausamkeit, sondern Auflehnung. Er sah im Schüler einen Bettler, der göttliche Würde gegen Beliebtheit tauschte. Dass Sterbliche lieber einem Loa folgten, der ihre Namen kannte, erschien ihm als Fehler der Verehrer, nie als Urteil über den Herrn.
Odyns Auge
Der Titanenhüter Odyn wollte in die Schattenlande blicken und suchte Mueh'zala auf. Er opferte ein Auge für dieses Wissen. Der Loa gab ihm den Blick, überbrachte das Auge jedoch seinem verborgenen Herrn Zovaal. Im Schlund wurde daraus das Auge des Kerkermeisters, mit dem Zovaal sein Gefängnis überwachen konnte.
Mueh'zala gewann auch Helya für Zovaals Pläne. So verband ein alter Handel den Stolz Odyns, den Zorn Helyas und die Geduld des Kerkermeisters. Der Loa musste keine Reiche im offenen Krieg erobern. Es genügte, Wünsche zu bedienen und den Preis an eine Macht weiterzugeben, die lange genug warten konnte, bis aus jeder Entscheidung eine Kette wurde.
Die Stimme am Sterbebett der Horde
Als Vol'jin tödlich verwundet wurde, flüsterte Mueh'zala ihm zu, Sylvanas Windläufer zur Kriegshäuptling zu ernennen. Vol'jin glaubte, die Loa hätten gesprochen. Tatsächlich half die Wahl Zovaal, denn Sylvanas' Krieg und die vielen Toten nährten den Schlund. Ein einziger Satz, im richtigen Augenblick an einen Sterbenden gerichtet, veränderte den Weg ganzer Völker.
Später prahlte Mueh'zala damit vor Vol'jins Geist. Er hielt den Betrug für den Beweis, dass Herrschaft über Beziehung siegt. Doch Vol'jin war nicht mehr allein, und Bwonsamdi hatte begonnen, Trollseelen vor dem Schlund zu verbergen. Was Mueh'zala als Schwäche verspottet hatte, gab seinem Schüler Verbündete.
Der gestürzte Gott in der Anderen Seite
Mueh'zala griff Bwonsamdis Reich, die Andere Seite, an und wollte die dort geschützten Seelen ernten. Im Kampf riss er seine Gegner durch Tore zu alten Schuldnern Bwonsamdis. Jede Verbindung des Schülers sollte zur Belastung werden. Stattdessen kamen aus diesen Beziehungen die Mittel, Mueh'zalas Macht zu brechen.
Bwonsamdi und seine Verbündeten besiegten den alten Loa und banden ihn. Der frühere Meister musste fortan demjenigen dienen, den er verachtet hatte. Diese Umkehr macht aus Bwonsamdi keinen selbstlosen Gott und aus Pakten keine reine Güte. Sie zeigt etwas Schlichteres: Wer nur Opfer fordert, steht am Ende allein. Mueh'zala verlor nicht, weil er zu wenig göttliche Macht besaß, sondern weil er jede Beziehung außer Unterwerfung für unwürdig gehalten hatte.