Ein Land aus Eis und Feuer
Im Nordwesten Draenors treffen zwei Naturgewalten unmittelbar aufeinander. Eisstürme ziehen über weite Hochflächen, während in den Bergen Vulkane glühen und heiße Quellen die gefrorene Erde aufbrechen. Der Frostfeuergrat ist deshalb kein stilles Winterland. Wer hier lebt, muss Kälte, Raubtiere und plötzliche Ausbrüche gleichermaßen überstehen. Für den Frostwolfclan wurde diese Härte zu einem Teil seiner Lebensweise. Die Orcs jagten gemeinsam, folgten ihren Schamanen und betrachteten Stärke nicht nur als Gewalt, sondern als Pflicht gegenüber Familie und Clan.
Durotan führte die Frostwölfe in einer Zeit, in der sich das Gleichgewicht Draenors verschob. Sein Clan war weder der größte noch der reichste, doch er hing an den alten Bindungen zu den Elementen. Gerade deshalb begegnete Durotan den Versprechen der Eisernen Horde mit Misstrauen. Grommash Höllschrei bot den Clans Waffen, Industrie und einen gemeinsamen Feldzug an. Durotan erkannte darin jedoch eine Ordnung, die Unterwerfung verlangte. Er wollte sein Volk nicht erneut in den Dienst eines fremden Plans stellen, selbst wenn die Verweigerung den Frostwölfen mächtige Feinde schuf.
Zwischen Donnerfürsten und Ogern
Im Frostfeuergrat lebten die Frostwölfe nicht allein. Der Donnerfürstenclan jagte die riesigen Gronn und machte aus ihrer Bezwingung ein Zeichen politischer Macht. Unter Fenris Wolfsbruder schloss er sich der Eisernen Horde an und wandte sich gegen Durotans Clan. Gleichzeitig erhoben die Oger der Klingenwehrfestung Anspruch auf das Land. Ihre Zitadelle gehörte zu den nördlichen Stützpunkten einer Kultur, die lange vor dem Aufstieg der Eisernen Horde über große Teile Draenors geherrscht hatte. Ogerüberfälle und Versklavung waren für die Frostwölfe daher keine neue Bedrohung, sondern eine alte Erfahrung.
Als die aus Azeroth kommende Horde nach der Zerstörung des Dunklen Portals aus dem Tanaandschungel floh, fand sie im Frostfeuergrat Zuflucht. Thrall begegnete dort Durotan und Draka, seinen Eltern aus einer anderen Zeitlinie. Für ihn war diese Begegnung persönlich, doch für Durotan blieb er zunächst ein fremder Schamane mit ungewöhnlichem Wissen. Vertrauen entstand erst im gemeinsamen Kampf. Ga'nar, Durotans ungestümer Bruder, drängte zum Angriff auf die Oger. Mit Hilfe der Neuankömmlinge wurden Gefangene befreit, die Klingenwehrfestung erstürmt und König Gorr'thog getötet. Der Sieg gab den Frostwölfen Raum zum Atmen und der Horde einen festen Stützpunkt auf Draenor.
Der Preis des Widerstands
Die Sicherung der Festung beendete den Krieg im Norden nicht. Der Donnerfürstenclan griff weiter an, und die Eiserne Horde versuchte, Durotan von Verbündeten und Vorräten abzuschneiden. Ga'nar opferte sich schließlich, um einen Angriff der Eisernen Horde aufzuhalten. Sein Tod zeigte, dass der Widerstand der Frostwölfe nicht aus sicherer Entfernung geführt wurde. Durotan bewahrte die Unabhängigkeit seines Clans, verlor dabei aber Angehörige, Krieger und einen Teil jener Zukunft, die er für sein Volk schützen wollte.
Jahrzehnte später wurde das ursprüngliche Draenor durch die Öffnung zahlreicher Portale zerrissen. Der Frostfeuergrat und Gorgrond wurden gegeneinander geschoben; aus ihren Resten entstanden die Schergratberge der Scherbenwelt. Die Landschaft, die Reisende dort später vorfanden, war deshalb keine unveränderte Fortsetzung des alten Nordens. Sie war das zerbrochene Ergebnis einer Katastrophe. Der Frostfeuergrat bewahrt das Bild der Welt davor: eine Heimat, in der Durotans Entscheidung gegen die Eiserne Horde nicht abstrakt blieb, sondern in Dörfern, Jagdgründen und Familien verteidigt werden musste.