Die Kornkammer des Schattenmondtals
Nordwestlich von Karabor lag Elodor zwischen bewirtschafteten Feldern, Wasserläufen und den violetten Wäldern des Schattenmondtals. Die Stadt versorgte nicht nur ihre eigenen Bewohner. Ihre Äcker und Viehbestände trugen dazu bei, Karabor, kleinere Dörfer und reisende Rangari zu ernähren. Wer nur die kristallenen Tempel der Draenei betrachtet, sieht leicht über diese Grundlage hinweg. Ohne Orte wie Elodor hätte die gelehrte und religiöse Kultur der Draenei keinen sicheren Alltag besessen.
Elodor war zugleich die Heimat des Rates der Exarchen. Unter Prophet Velen führten fünf Exarchen wichtige Bereiche der draenischen Gesellschaft. Akama stand für die Verteidigung, Naielle führte die Rangari, Hataaru beaufsichtigte die kunstfertigen Konstrukte und Handwerker, Maladaar hütete die Toten, und Othaar gehörte als Socrethar zu den angesehenen Geistlichen. Ihre Ämter sollten Macht verteilen und verhindern, dass eine einzelne Person alle Entscheidungen an sich zog.
Ein Mord im Rat der Exarchen
Der größte Angriff auf Elodor begann nicht vor den Toren. Othaar hatte sich der Legion zugewandt und half beim Aufbau der Sargerei, einer Gemeinschaft draenischer Abtrünniger. Diese betrachteten Velens langen Widerstand nicht mehr als Rettung, sondern als Ursache endloser Flucht und wiederholter Verluste. Sie glaubten, Sicherheit und Größe nur durch jene Macht gewinnen zu können, vor der ihr Volk seit Argus davongelaufen war.
Auf Othaars Befehl ermordete die Seelenbinderin Nyami den Exarchen Hataaru. Der Tod traf Elodor in einem Augenblick, in dem die Eiserne Horde bereits Druck auf das Schattenmondtal ausübte. Misstrauen entstand im Rat, Anschuldigungen wurden ausgetauscht, und die Führung verlor Zeit, während der eigentliche Verräter weiterhin unter ihnen saß. Erst als Othaar entlarvt wurde, floh er nach Shattrath und trat offen als Socrethar auf.
Vom Verrat in Elodor zum Fall Shattraths
Socrethars Flucht war kein abgeschlossenes Verbrechen. In Shattrath arbeiteten die Sargerei daran, die Stadt von innen zu öffnen. Nyami verriet später auch Auchindoun und erlaubte Teron'gor, in das Mausoleum einzudringen. Der Mord an Hataaru war damit der sichtbare Anfang eines größeren Netzes. Die Legion musste die draenischen Städte nicht allein mit Dämonen belagern; sie fand Verbündete unter jenen Draenei, die ihre Angst vor einer weiteren Niederlage in Unterwerfung verwandelten.
Elodor blieb während des Krieges bestehen, doch seine politische Unschuld war verloren. Der Rat der Exarchen hatte erfahren, dass Rang und Frömmigkeit keinen Schutz vor Verrat boten. In der Hauptzeitlinie wurde der größte Teil der Stadt später durch die Zerstörung Draenors vernichtet. Der Altar von Sha'tar überdauerte in der Scherbenwelt und wurde von den Aldor als Stützpunkt gegen Illidans Truppen genutzt. Die Felder und Wohnviertel verschwanden, aber ein Teil Elodors blieb erneut ein Ort des Widerstands gegen jene Mächte, denen Socrethar einst die Tore geöffnet hatte.