Eine Abtei am Rand eines jungen Königreichs
Als die Kirche des Heiligen Lichts von Lordaeron aus nach Süden wuchs, zogen Geistliche über die Gebirge in das noch junge Königreich Sturmwind. Im geschützten Tal am Nordrand des Waldes von Elwynn gründeten sie eine Gemeinschaft, aus der der Orden der Kleriker von Nordhain hervorging. Die Abtei diente nicht allein dem Gebet. In ihren Hallen wurden Verwundete versorgt, Schriften bewahrt und jene ausgebildet, die das Licht in Zeiten des Krieges nicht nur predigen, sondern auch verteidigen sollten.
Für Sturmwind lag Nordhain nahe genug an der Hauptstadt, um Teil ihres täglichen Lebens zu sein, und weit genug entfernt, um Ruhe und Vorräte zu bieten. Bauernhöfe versorgten die Abtei, Reisende fanden Schutz, und junge Menschen lernten dort, was Dienst am Königreich bedeutete. Aus dieser Verbindung von Glauben, Heilkunst und Waffenpflicht entstand eine Tradition, die später in den Paladinen des Silbernen Handwerks weiterlebte.
Der Erste Krieg erreicht Nordhain
Mit der Öffnung des Dunklen Portals endete die Abgeschiedenheit des Tals. Orcische Truppen drangen durch den Wald von Elwynn vor, und Nordhain wurde zu einem frühen Ziel des Krieges. Die Abtei und ihre Umgebung wurden verwüstet. Für Sturmwind war das mehr als der Verlust eines Gebäudes: Ein Ort, an dem Verwundete geheilt und Soldaten gestärkt wurden, fiel an einen Feind, dessen Herkunft und Ziele noch kaum jemand verstand.
Der Untergang Nordhains gehörte damit zu jener Kette von Niederlagen, die schließlich im Fall Sturmwinds mündete. Die Überlebenden flohen nach Norden oder schlossen sich den versprengten Truppen des Königreichs an. Der Orden verlor seinen Sitz, doch seine Vorstellung vom Licht als Trost und Verpflichtung überdauerte die Zerstörung.
Wiederaufbau und neue Bedrohungen
Nach dem Zweiten Krieg kehrten die Menschen nach Elwynn zurück. Mit Sturmwind wurde auch Nordhain wiedererrichtet. Die neue Abtei bewahrte die Erinnerung an den alten Orden, war nun aber zugleich Ausbildungsstätte für eine Generation, die in einem wiedergewonnenen Königreich aufwuchs. Priester, Paladine, Soldaten und Magier fanden dort erste Lehrer, während die Höfe des Tals erneut bewirtschaftet wurden.
Die Ruhe blieb brüchig. Kobolde drangen in die Minen ein, Banditen nutzten abgelegene Wege, und die Schwarzfelstrolle versuchten zeitweise, im Tal Fuß zu fassen. Nordhain zeigt deshalb im Kleinen, was Sturmwinds Wiederaufbau bedeutete: Die Mauern standen wieder, doch Sicherheit musste jeden Tag neu hergestellt werden.
Ein Ort des Anfangs
Nordhain wurde über die Jahrhunderte wiederholt zerstört, verteidigt und erneuert. Sein Wert liegt nicht in politischer Macht, sondern in der Fähigkeit, Menschen nach einer Niederlage wieder aufzunehmen. Wer von dort nach Goldhain und Sturmwind aufbricht, verlässt keinen unberührten Frieden, sondern einen Ort, dessen Bewohner bereits gelernt haben, dass Glaube und Schutz nur bestehen, wenn jemand Verantwortung für sie übernimmt.