Eine Insel, an der schon einmal alles hing
Quel'Danas war lange vor diesem Marsch mehr als eine kleine Insel vor der Küste von Quel'Thalas. Hier lag der Sonnenbrunnen, aus dessen Licht die Hoch- und später die Blutelfen ihre Kraft, ihre politische Einheit und einen großen Teil ihrer Identität bezogen. Als der Brunnen im Krieg gegen die Geißel zerstört und später mit der Essenz des Naaru M'uru erneuert wurde, verwandelte sich sein Plateau in einen Ort, an dem arkane und heilige Macht nebeneinander bestanden. Jede Bedrohung der Quelle traf daher nicht nur ein Bauwerk. Sie berührte die Erinnerung eines Volkes an Untergang, Abhängigkeit und mühsame Heilung.
Xal'atath verstand diese Bedeutung. Nach ihrem Angriff auf Quel'Thalas richtete sich die Dunkelheit über der Insel ein, und der Himmel über Silbermond verlor sein vertrautes Licht. Der Sonnenbrunnen war nicht bloß ein mächtiges Ziel, sondern ein Hebel. Wer ihn verdarb, konnte die Blutelfen erneut ihrer Sicherheit berauben und zugleich eine Quelle öffnen, die weit über ihr Reich hinaus wirkte. Der Marsch begann deshalb unter Zeitdruck: Die Verteidiger mussten den Brunnen erreichen, bevor aus einer Belagerung ein dauerhafter Wandel wurde.
Arator führt, während seine Familie zerbricht
An der Spitze stand Arator der Erlöser, Sohn von Alleria Windläufer und Turalyon. Seine Herkunft verband mehrere Teile des Krieges in einer Person. Von seinem Vater hatte er den Glauben an das Licht, von seiner Mutter die Nähe zu einer Leerenmacht geerbt, die sie beherrschte, aber niemals ganz abschütteln konnte. In der Leerenspitze hatte Arator erlebt, wie Xal'atath genau diese Spannungen gegen seine Familie richtete. Alleria und Turalyon waren verloren, der Sonnenbrunnen verdunkelt, und aus dem Sohn zweier berühmter Helden wurde derjenige, der ohne ihre Führung handeln musste.
Arator marschierte nicht allein. Blutelfen, Nachtelfen, Leerenelfen und andere elfische Gruppen stellten ihre alten Gegensätze für den Angriff zurück. Das Bündnis war nicht selbstverständlich. Zwischen diesen Völkern lagen Verbannungen, Kriege, unterschiedliche Quellen der Magie und die Frage, wer Quel'Thalas überhaupt als Heimat beanspruchen durfte. Gerade deshalb war der gemeinsame Vormarsch bedeutsam: Die Insel sollte nicht von einer einzelnen Fraktion gerettet werden, sondern von Völkern, die verstanden hatten, dass Xal'atath ihre Trennung als Waffe benutzte.
Belo'ren bewacht, was ihn selbst vergiftet
Vor dem Sonnenbrunnen wartete Belo'ren, eines der letzten Gelege des Phönix Al'ar. Er war auf Quel'Danas aufgezogen worden, um die Insel mit seinem Leben zu schützen. Dieser Auftrag blieb auch bestehen, nachdem die Leere ihn durchdrungen hatte. Verwirrt, frisch aus seinem Ei geschlüpft und von fremder Energie erfüllt, konnte er nicht mehr unterscheiden, wer den Brunnen retten und wer ihn zerstören wollte. Für Belo'ren waren alle Eindringlinge dieselbe Gefahr.
Sein Fall war daher kein Sieg über einen freiwilligen Diener Xal'ataths. Die Verteidiger mussten einen Wächter bezwingen, dessen Treue gerade gegen das gerichtet worden war, was er schützen sollte. Darin lag die Grausamkeit der Belagerung: Xal'atath ersetzte Loyalität nicht, sie verdrehte sie. Erst als Belo'ren überwunden war, öffnete sich der Weg in das Zentrum der Insel und zu der Macht, die aus Allerias Verwundung freigesetzt worden war.
Am Brunnen wartet L'ura
L'ura war einst eine Naaru des Lichts. Auf Argus fiel sie der Leere anheim und wurde im Sitz des Triumvirats gebunden. Alleria nahm ihre dunkle Essenz in sich auf, weil sie glaubte, diese Macht kontrollieren und gegen die Legion wenden zu können. Jahre später riss Xal'atath genau diese Essenz aus Alleria heraus. Was in ihr gebunden gewesen war, erhielt wieder eine eigene Gestalt und wurde zum dunklen Mittelpunkt des Sonnenbrunnens.
Die Begegnung wurde als Anbruch der Mitternacht bezeichnet. Der Name beschrieb keinen gewöhnlichen Gegner, sondern den Augenblick, in dem Lichtquelle und Leerenwesen ineinandergriffen. L'uras Energie drohte den Sonnenbrunnen in einen Dunkelbrunnen zu verwandeln. Arators Heer musste sie aufhalten, während über jedem Schritt die Unsicherheit lag, was von der alten Quelle noch zu retten war und welchen Preis Alleria bereits für diesen Moment bezahlt hatte.
Ein Sieg, der die Wunde nicht schließt
Der Marsch erreichte den Brunnen, doch er konnte die vorangegangenen Verluste nicht rückgängig machen. Arator hatte Führung übernommen, weil Alleria und Turalyon nicht mehr an seiner Seite standen. Die elfischen Völker hatten gemeinsam gekämpft, aber ihre alten Unterschiede waren nicht verschwunden. Quel'Danas blieb ein Ort, an dem die Frage nach Licht, Leere und Zugehörigkeit offenstand.
Gerade dadurch schließt der Schlachtzug Midnight nicht mit einer einfachen Rückkehr zur alten Ordnung. Der Sonnenbrunnen konnte nicht behandelt werden, als wäre nichts geschehen. Seine Verteidiger hatten gesehen, wie leicht eine Quelle, ein Wächter und selbst eine Familie gegen ihre eigene Geschichte gewendet werden konnten. Der Marsch rettete die Möglichkeit einer Zukunft; er entschied noch nicht, wie diese Zukunft aussehen würde.