Der Sohn eines einfachen Kriegers
Zekhan wuchs mit den Erzählungen seines Vaters Hekazi auf. Hekazi hatte an Varok Saurfangs Seite gekämpft und sprach von dem Orc nicht nur als berühmtem Heerführer, sondern als einem Krieger, der die Last seiner Entscheidungen kannte. Für Zekhan waren diese Geschichten zunächst größer als sein eigenes Leben. Er war ein junger Schamane der Dunkelspeere, begabt im Umgang mit Blitzen und den Elementen, aber ohne Rang, der ihm automatisch Gehör verschafft hätte.
Gerade diese Herkunft ist wichtig. Zekhan trat nicht auf die Bühne, weil eine Prophezeiung ihn ausgewählt hatte. Er meldete sich zum Krieg, weil die Horde für sein Volk Heimat bedeutete und weil er glaubte, die Ideale der älteren Generation verteidigen zu müssen. Wie viele junge Soldaten kannte er die vergangenen Kriege zuerst aus den Worten anderer. Erst vor Lordaeron lernte er, wie anders eine Legende aussieht, wenn sie müde, verletzt und voller Zweifel vor einem sitzt.
Die Schlacht um Lordaeron
Nach der Verbrennung Teldrassils marschierte die Allianz gegen Unterstadt. Zekhan begegnete Saurfang kurz vor der Schlacht. Der alte Orc erwartete seinen Tod und sah in der kommenden Verteidigung keinen Weg mehr, seine Ehre zurückzugewinnen. Zekhan erkannte den Helden aus den Geschichten seines Vaters und sprach ihn an. Seine Bewunderung war ehrlich, aber sie verlangte zugleich etwas von Saurfang: Wenn dessen Handlungen anderen als Beispiel dienten, durfte er sich nicht einfach dem Tod überlassen.
Während der Schlacht kämpfte Zekhan mit der Kraft der Elemente. Er sah, wie Sylvanas die Stadt mit Seuche opferte und selbst ihre eigenen Truppen als Material behandelte. Saurfang blieb zurück und geriet in Gefangenschaft. Für Zekhan zerbrach damit nicht die Horde, wohl aber die Vorstellung, ihr Oberhaupt verkörpere automatisch ihren moralischen Kern.
Die Suche nach Saurfang
Als Saurfang aus Sturmwind entkam und sich verborgen hielt, half Zekhan, ihn zu finden. Der junge Troll begegnete dem alten Krieger nun nicht mehr als Fan. Er sah dessen Scham, seine Trauer um den eigenen Sohn und die Überzeugung, an jeder Wendung versagt zu haben. Zekhan widersprach, ohne diese Schuld kleinzureden. Er erinnerte Saurfang daran, dass Aufgeben die Horde jenen überlassen würde, die keinerlei Zweifel kannten.
Aus dieser Beziehung entstand keine einfache Meister-Schüler-Geschichte. Zekhan brachte Saurfang nicht neue Kriegskunst bei. Er gab ihm einen Grund, wieder unter Lebende zu treten. Saurfang wiederum zeigte Zekhan, dass Ehre kein fester Besitz ist. Sie muss in Entscheidungen immer neu behauptet werden, besonders dann, wenn Gehorsam leichter wäre.
Der Aufstand gegen Sylvanas
Zekhan schloss sich dem Widerstand an, der Horde und Allianz schließlich vor Orgrimmar zusammenführte. Für einen Dunkelspeertroll trug dieser Augenblick eine besondere Erinnerung. Schon Vol'jin hatte sich gegen einen Kriegshäuptling erhoben, der die Horde seinem eigenen Machtbild unterwerfen wollte. Zekhan stand nun vor derselben Frage: Bedeutete Treue, die Herrscherin zu schützen, oder die Gemeinschaft vor ihr?
Saurfang forderte Sylvanas zum Mak'gora. Zekhan musste mit ansehen, wie sein Vorbild fiel, aber auch, wie dessen Tod Sylvanas dazu brachte, die Horde öffentlich zu verachten und zu verlassen. Der junge Schamane verlor den Mann, den sein Vater verehrt hatte. Zugleich begriff er, dass Saurfangs letzter Sieg nicht in einem gewonnenen Zweikampf lag, sondern darin, den Soldaten vor den Toren eine Wahl sichtbar zu machen.
Eine Stimme zwischen den Generationen
Nach dem Krieg wurde Zekhan als Botschafter nach Zandalar entsandt. Dort konnte er nicht von Rang oder jahrzehntelanger Erfahrung leben. Er musste zuhören, Beziehungen aufbauen und ein Trollvolk vertreten, das lange im Schatten der Zandalari gestanden hatte. Seine Schamanenkräfte blieben Teil seiner Identität, doch wichtiger wurde seine Fähigkeit, Erinnerung nicht mit blinder Wiederholung zu verwechseln.
Zekhan trägt die Geschichten Hekazis und Saurfangs weiter, ohne zu versuchen, einer von beiden zu werden. Er kennt die Wärme, die ein Vorbild geben kann, und die Gefahr, einen Namen über seine Entscheidungen zu stellen. Damit verkörpert er eine jüngere Horde: nicht unschuldig, nicht frei von den Fehlern ihrer Vorgänger, aber bereit, deren Vermächtnis zu prüfen, bevor sie es übernimmt.