Der Wächter hinter den Nebeln
Taran Zhu erbte von seinem Vater die Führung der Shado-Pan. Der Orden lebte nicht von öffentlichem Ruhm. Seine Kämpfer bewachten Pandaria gegen die zyklischen Schwärme der Mantiden, gegen Mogu und gegen die Sha, die aus starken Gefühlen Körper gewannen. Jeder Sieg musste leise bleiben, damit Dörfer ihren Alltag fortsetzen konnten, ohne ständig auf die Dunkelheit unter ihren eigenen Gedanken zu starren.
Disziplin wurde für Taran zur Lebensgrundlage. Shado-Pan meißelten Abbilder ihrer Mitglieder aus dem Gebein des Kun-Lai; beim Tod löste sich die Figur und ging in die Erinnerung des Ordens ein. Pflicht bedeutete daher nicht abstrakte Härte. Hinter ihr standen konkrete Verstorbene und die Gewissheit, dass jeder unbeherrschte Zorn eine Gefahr für das Land nähren konnte.
Fremde bringen ihren Krieg
Als die Nebel fielen, landeten Allianz und Horde an Pandarias Küsten und setzten ihren Krieg fort, als sei das neue Land nur weiterer Boden für alte Ansprüche. Taran warnte sie. Er sah, wie Angst, Gewalt und Hass die Sha stärkten, und betrachtete die Ankommenden als unbeherrschte Gefahr. Seine Schärfe war begründet, doch sie verwandelte Vorsicht zunehmend in Verachtung.
Der Sha des Hasses fand gerade in diesem Urteil Zugang zu ihm. Taran wurde von jener Macht überwältigt, die er sein Leben lang bekämpft hatte. Ausgerechnet Fremde halfen, ihn zu befreien. Die Erfahrung widerlegte nicht seine Warnungen; sie zeigte, dass Kenntnis der Gefahr niemanden über sie erhebt. Ein Wächter kann den Abgrund täglich sehen und dennoch fallen, wenn er den eigenen Hass nur für berechtigte Klarheit hält.
Verbündete wider Willen
Nach seiner Befreiung arbeitete Taran mit Kämpfern beider Fraktionen zusammen. Er führte den Angriff gegen die zurückgekehrten Mogu und Lei Shens Herrschaft. Vertrauen kam nicht plötzlich. Es wuchs aus gemeinsam getragenen Risiken und aus der Beobachtung, dass manche Fremde Pandaria verteidigten, obwohl sie hier keinen Thron beanspruchen konnten.
Der Gegensatz zu Lehrensucher Cho blieb bestehen. Cho öffnete Türen mit Neugier, Taran prüfte, was durch sie trat. Pandaria brauchte beide Haltungen. Grenzenlose Gutgläubigkeit konnte ebenso gefährlich werden wie vollständige Abschottung. Taran lernte nicht, alle willkommen zu heißen; er lernte, Urteil an Handlungen zu binden, statt Herkunft bereits für ein Urteil zu halten.
Vor den Toren Orgrimmars
Garrosh Höllschrei ließ das Tal der Ewigen Blüten verwüsten und das Herz Y'Shaarjs bergen. Für Taran war dies die Erfüllung seiner schlimmsten Befürchtungen. Er stellte Garrosh, wurde schwer verwundet und sah doch, wie Horde und Allianz gemeinsam gegen den Kriegshäuptling zogen.
Nach Garroshs Niederlage verlangte Taran, ihn nicht in einem Augenblick der Rache zu töten. Der Gefangene sollte in Pandaria vor Gericht stehen und sich den Zeugnissen seiner Opfer stellen. Diese Entscheidung war keine Milde aus Vergessen. Sie war Disziplin in ihrer schwersten Form: dem Hass keinen neuen Körper zu geben, obwohl Zorn und Schmerz jedes Recht auf sofortige Vergeltung zu besitzen schienen.
Stärke, die sich selbst bewacht
Taran unterstützte später den Orden des Zerbrochenen Tempels gegen die Legion. Der Mann, der Fremde einst aus Pandaria fernhalten wollte, verteidigte nun eine größere Welt an ihrer Seite. Er blieb streng, misstrauisch und tief an seine Heimat gebunden. Entwicklung löschte seine Eigenheiten nicht; sie gab ihnen ein breiteres Ziel.
Seine Geschichte macht ihn weder zum heimlich immer weisen Lehrer noch zum bloßen Hindernis für Ankommende. Taran hatte recht mit der Gefahr des Fraktionskriegs und irrte, als er sich außerhalb derselben Gefühle glaubte. Gerade diese Verbindung verleiht seiner Disziplin Gewicht. Die Shado-Pan bewachen Mauern und Klöster, doch ihr schwierigster Posten liegt im eigenen Inneren. Taran Zhu führt sie, weil er nicht nur weiß, wie ein Sha bekämpft wird, sondern wie es sich anfühlt, ihm die eigene Stimme zu leihen.