Das Herz einer bewohnten Welt
Talador lag im Zentrum Draenors, dort, wo die Zuflüsse des Zangarmeeres fruchtbare Ebenen schufen. Straßen verbanden draenische Siedlungen, Handelsposten und heilige Orte. Über allem erhob sich Shattrath, eine der bedeutendsten Städte der Draenei. Südlich davon lag Auchindoun, eine große Totenstadt, in der die Seelen verstorbener Draenei bewahrt wurden. Talador war deshalb zugleich politisches Zentrum, religiöser Erinnerungsort und Verbindung zwischen den Regionen der Welt.
Die Draenei hatten auf Draenor Zuflucht gesucht, nachdem Kil'jaeden und die Brennende Legion ihre Heimat Argus unterworfen hatten. Unter dem Propheten Velen vermieden sie lange offene Eroberung. Städte wie Shattrath sollten Bestand schaffen, ohne die Orcclans zu beherrschen. Diese Zurückhaltung bewahrte den Frieden jedoch nicht. Als die Eiserne Horde entstand, betrachtete Blackhand Talador als Schlüssel zum Süden und zum Tanaandschungel. Wer Shattrath kontrollierte, konnte Truppen, Wege und Vorräte im Zentrum Draenors beherrschen.
Zwei Angriffe auf dieselbe Heimat
Blackhands Truppen nahmen den Norden Taladors ein und stießen bis Shattrath vor. Die Belagerung traf eine Bevölkerung, die nicht auf einen Krieg dieser Größe vorbereitet war. Gleichzeitig arbeitete Gul'dans Schattenrat im Verborgenen. Der Hexenmeister Teron'gor drang in Auchindoun ein, weil die dort bewahrten Seelen für ihn eine Quelle ungeheurer Macht waren. Die Angriffe gehörten zu verschiedenen Plänen: Die Eiserne Horde wollte Land und strategische Kontrolle, der Schattenrat wollte die Toten selbst zu Brennstoff für die Legion machen.
Velen, die Verteidiger von Shattrath und die Auchenai konnten diese Fronten nicht allein halten. Aus Azeroth eingetroffene Kämpfer halfen ihnen, während Lady Liadrin und ihre Blutritter ebenfalls in Talador Stellung bezogen. Für Liadrin war die Verteidigung der Draenei mehr als ein militärischer Auftrag. Blutelfen und Draenei hatten beide erfahren, wie der Verlust einer Heimat den Glauben verändern konnte. In Auchindoun wurde Teron'gors Vormarsch gestoppt, doch die Totenstadt blieb verwundet und viele ihrer Hüter fielen.
Was aus Talador wurde
Der Kampf um Shattrath und Auchindoun zeigte, wie eng offene Eroberung und heimliche Verderbnis zusammenwirkten. Blackhand band Armeen, während Gul'dans Anhänger an Orten zuschlugen, deren Wert sich nicht in Mauern oder Straßen messen ließ. Talador wurde verteidigt, aber nicht in seinen früheren Zustand zurückversetzt. Jeder gerettete Bezirk stand neben Ruinen, und jeder Sieg erinnerte daran, dass Draenors Zukunft gleichzeitig von der Eisernen Horde und der Legion bedroht war.
Als das ursprüngliche Draenor später zerbrach, wurde Talador auseinandergerissen. Seine überlebenden Reste bildeten den Wald von Terokkar in der Scherbenwelt. Shattrath und Auchindoun bestanden weiter, doch die offenen Flüsse und zusammenhängenden Ebenen verschwanden. Wer Terokkar kennt, sieht daher nur den verwundeten Nachfolger Taladors. Das alte Land erklärt, weshalb beide Orte so dicht beieinanderliegen und warum ihr Verlust für die Draenei weit mehr bedeutete als die Aufgabe zweier Festungen.