Der Krieg beginnt mit einem Flüstern
Auf der Welt Navane standen Völker, die einander lange bekämpft hatten, schließlich gemeinsam gegen die Brennende Legion. Kathra'natir ging in der Gestalt eines einfachen Soldaten unter ihnen. Er trug Apocalypse, eine Klinge, die Vernunft trübte, und flüsterte jedem Lager zu, das andere plane Verrat.
Die alte Feindschaft brach durch das dünne Vertrauen. Noch bevor die Legion ihre vereinte Macht einsetzen musste, töteten sich die Verteidiger gegenseitig. Bei Sonnenaufgang blieb niemand übrig, der Navane schützen konnte. Dieses Werk beschreibt Kathra'natir besser als jede Größe seiner Klauen. Er sucht die Stelle, an der eine Gemeinschaft sich selbst misstraut, und gibt der Angst nur so viel Nahrung, dass seine Opfer die Zerstörung für ihre eigene Entscheidung halten.
Alodi und die erste Wacht
Nach einem früheren Fall im Krieg der Ahnen kehrte der Nathrezim zurück. Mehr als zweieinhalb Jahrtausende vor dem Ersten Krieg drang er in Dalaran ein. Krankheiten breiteten sich aus, Bürger wandten sich gegen die Magierherrschaft, und Kathra'natir stahl das Amulett der Wasser. Mit ihm verdarb er den Lordameresee.
Alodi, der erste Wächter von Tirisfal, stellte sich ihm mit dem Rat entgegen und verbannte ihn. Apocalypse blieb zurück und wurde zum Zeugnis einer Gefahr, die nicht endgültig vernichtet war. Der erste große Sieg des Wächteramtes zeigte damit auch seine Grenze. Ein Dämon konnte aus Azeroth gedrängt werden; die Risse, durch die er gesellschaftlich eingedrungen war, mussten die Menschen selbst schließen.
Valeera und Meryls Falle
Jahrhunderte später belegte Vendellin Seelenfeuer die Blutelfe Valeera Sanguinar mit Kathra'natirs Mal. Der Nathrezim nutzte ihre Abhängigkeit von Magie und übernahm ihren Körper. In Augenblicken äußerster Gefahr bot seine Teufelskraft eine verführerische Abkürzung. Jede Annahme gab ihm zugleich tieferen Zugriff auf ihren Willen.
Meryl Wintersturm lockte den Dämon aus Valeera, indem er ihm einen vermeintlich stärkeren Wirt anbot. Kathra'natir nahm die Herausforderung an und geriet in Meryls Körper in ein Gefängnis aus Willenskraft. Die Lösung rettete Valeera, verurteilte Meryl aber zu einem inneren Krieg. Als der Dämon zeitweise entkam und Dalynnia Zornesnarbe tötete, zog sich Meryl aus dem Rat zurück. Er wollte nicht, dass seine Freunde den Preis seiner Gefangenschaft zahlten.
Die Jagd der Tirisgarde
Während der dritten Legionsinvasion brach Kathra'natir frei, kämpfte an der Verheerten Küste und griff später das Violette Gefängnis an. Meryl und Alodis Geist vertrieben ihn, konnten ihn jedoch nicht vernichten. Weil der Dämon nun Geheimnisse aus Meryls Erinnerungen kannte, wurde seine Freiheit zur Gefahr für jede verborgene Verteidigung Dalarans. Die Tirisgarde formierte sich neu, um ihn zu jagen.
Kathra'natir besetzte Erzmagier Vargoth und benutzte einen nachtgeborenen Seelenstein sowie die Macht des Nexus, um Meryl aus der Ferne auszusaugen. Seine Methode blieb dieselbe: eine vertraute Gestalt, gestohlene Autorität und Zweifel an einem bis dahin loyalen Verbündeten. Erst als die Magier Vargoth befreiten, zogen sie den Nathrezim in den Seelenstein und schlossen ihn darin ein.
Eine Waffe unter den Trümmern
Die Kirin Tor ließen Kathra'natirs Energie nicht ungenutzt. Sie verbanden den Seelenstein mit den Verteidigungsanlagen Dalarans. Der Gefangene, der die Stadt seit Alodis Tagen bedroht hatte, wurde zum Brennstoff ihrer Waffen. Das war wirksam und gefährlich zugleich. Seine Macht blieb im Herzen der Stadt, gehalten von Schilden, deren Versagen niemand erleben wollte.
Als Xal'atath Dalaran zerstörte und die Trümmer auf die Insel von Dorn stürzten, wurde der Seelenstein nicht wiedergefunden oder sein Schicksal zumindest nicht bekannt. Kathra'natir gilt deshalb nicht sicher als tot. Vielleicht liegt sein Zorn weiter gebunden unter Stein, vielleicht wechselte das Gefäß den Besitzer. Für einen Nathrezim ist diese Ungewissheit beinahe ein letzter Sieg: Solange niemand weiß, ob er frei ist, kann jeder unerklärliche Verrat erneut wie sein Flüstern klingen.