Der Preis eines Kekses
Jastor Gallywix lernte früh, dass auf Kezan selbst eine Kindheit einen Marktwert besitzt. Sein Vater Luzik war ein Tüftler aus den armen Straßen von Drudgetown, reich an gefährlichen Ideen und arm an allem, was sich sicher verkaufen ließ. Als eine Bande den Vater misshandelte und sogar den seltenen Keks stahl, den er seinem Sohn geschenkt hatte, zog Jastor keine romantische Lehre über Gerechtigkeit daraus. Er begriff, dass in seiner Welt nur derjenige nicht bestohlen wurde, vor dem die Diebe Angst hatten. Aus dem verletzten Jungen wurde ein Straßenkämpfer, aus dem Kämpfer ein Händler, und aus jedem Händel ein Schritt nach oben.
Gallywix baute seine Macht nicht auf Vertrauen, sondern auf Schulden, Abhängigkeit und der Kunst auf, jede Schwäche in einen Vertrag zu verwandeln. Er vernichtete Konkurrenten, kaufte Gefolgschaft und behandelte Freundschaft wie eine Ware mit kurzer Garantie. Schließlich wurde er Handelsprinz des Bilgewasserkartells, eines der mächtigsten goblinischen Kartelle Kezans. Sein Reichtum war sichtbar, sein Misstrauen ebenso. Villen, Yachten und Leibwachen sollten beweisen, dass er gewonnen hatte; zugleich verrieten sie, wie sehr er fürchtete, jemand könne die Regeln so gegen ihn verwenden, wie er sie gegen alle anderen verwendet hatte.
Flucht gegen Vorkasse
Der Kataklysmus bot Gallywix die größte Gelegenheit seines Lebens. Als der Kajaro ausbrach und Kezan dem Untergang entgegenging, besaß er das Schiff, das die Goblins retten konnte. Er hätte in dieser Stunde zum Anführer seines Volkes werden können. Stattdessen verlangte er ihre Ersparnisse, verkaufte die Flucht als Luxus und machte jene, die nicht zahlen konnten, zu Sklaven. Selbst vor dem eigenen Kartell kannte seine Gier keine Grenze. Thrall ließ ihn nach seiner Niederlage dennoch Handelsprinz bleiben und nahm das Bilgewasserkartell in die Horde auf. Darin liegt eine der bittersten Ironien seiner Laufbahn: Gallywix galt nicht trotz seines Verrats als nützlich, sondern wegen der Rücksichtslosigkeit, mit der er einer belagerten Horde dienen konnte.
Unter Garrosh Höllschrei lieferte er Maschinen, Geld und jene Art von Loyalität, die immer erst den möglichen Gewinn berechnet. Als sich die Horde gegen Garrosh erhob, zauderte Gallywix fast bis zum Ende. Danach verbeugte er sich vor Vol'jin und sprach von einer sicheren Zukunft für sein Volk. Vielleicht glaubte er sogar daran. Sein Begriff von Sicherheit bedeutete jedoch stets, dass Jastor Gallywix oben saß und alle anderen für den Preis bezahlten.
Das Blut der Welt als Ware
Nach Sargeras' Schlag gegen Azeroth erkannte Gallywix früher als fast jeder andere, was Azerit werden konnte. Wo Magni Bronzebart das Blut einer verwundeten Welt sah, sah Gallywix Energie, Waffen und einen Markt ohne bekannte Obergrenze. Er führte Sylvanas Windläufer die Substanz vor und half, aus einer kosmischen Verletzung den Brennstoff des nächsten Krieges zu machen. Minen wurden geöffnet, Erfinder unter Druck gesetzt und ganze Feldzüge nach den Vorkommen ausgerichtet. Gallywix musste den Hass zwischen Allianz und Horde nicht erschaffen; es genügte ihm, dafür zu sorgen, dass jeder neue Funke in einer seiner Maschinen landete.
Als Sylvanas am Ende des Vierten Krieges ihre Horde verließ, verschwand auch Gallywix. Gazlowe übernahm das Bilgewasserkartell und vertrat eine andere, für Goblins keineswegs selbstverständliche Idee: Gewinn musste nicht bedeuten, die eigenen Leute zu verschlingen. Für Gallywix war diese Entwicklung keine Niederlage, sondern vorerst nur ein verlorenes Geschäft. Er tauchte später als Herr der Dunkelschmelze wieder auf, schloss einen Handel mit Xal'atath und brachte weite Teile Lorenhalls unter seine Kontrolle. Schwarzes Blut, Zwang und Attentate sollten ihm geben, was Kezan allein nie gewesen war: eine Stadt, in der kein anderer Handelsprinz ihm widersprechen konnte.
Unter dem eigenen Gewicht
Doch eine Herrschaft, die nur aus Furcht und gekauften Gefallen besteht, wird in dem Augenblick einsam, in dem die Rechnung fällig ist. Gazlowe vereinte die Kartelle gegen ihn. Renziks Tod machte aus Widerstand Entschlossenheit, und selbst Gallywix' Geschäft mit Xal'atath erwies sich als Ware, deren Bedingungen er nie verstanden hatte. Nachdem er das Dunkle Herz an die falschen Hände gegeben hatte, ließ die Heroldin ihn fallen. Jastor reagierte, wie er immer reagiert hatte: Er rief Gefallen ein, versprach Beute und verschanzte sich hinter einer noch größeren Maschine.
Sein Ende war beinahe zu passend für einen Mann, der jedes Warnzeichen für eine Verhandlungstaktik hielt. Als sein gewaltiger Mech zusammenbrach, wollte Gallywix nicht weichen. Er trat gegen die beschädigte Maschine, verlangte, dass sie wieder funktionierte, und ignorierte Gazlowes Warnung. Dann begrub sie ihn unter sich. Der Handelsprinz, der Menschen, Goblins, Kriege und sogar das Blut Azeroths zu Betriebsmitteln gemacht hatte, starb unter dem teuersten Werkzeug in seinem Besitz. Zurück blieb keine Dynastie von Bewunderern, sondern eine Stadt, die zum ersten Mal seit Langem darüber nachdenken konnte, welchen Preis sie nicht mehr zu zahlen bereit war.