Eine Stadt unter dem Vulkan
Undermine liegt nicht einfach auf einer Karte. Die Goblinstadt zieht sich unter Kezan durch Kavernen, Schächte und Hallen, als hätte jemand einen Handelsplatz tief in einen Vulkan getrieben und anschließend vergessen, wo die letzten Wände stehen sollten. Rohre kreuzen Straßen, Reklamen überstrahlen Warnschilder, und hinter jeder Werkstatttür kann eine Erfindung warten, die den Besitzer reich macht oder das Nachbargebäude neu belüftet.
Über der Stadt liegt der Berg Kajaro, in dessen Tiefen Kaja'mit gefunden wurde. Dieses Erz wurde zum Anfang fast jeder Geschichte, die Undermine über sich selbst erzählt. Es brachte den Goblins Reichtum, vor allem aber hatte es einst ihren Geist geschärft. Wo andere nur Arbeitssklaven gesehen hatten, entstand ein Volk, das Pläne zeichnete, Verträge las und sehr genau verstand, wer am Gewinn beteiligt war.
Kaja'mit und Aufstand
Die Zandalari hatten frühe Goblins versklavt und in den Minen nach Kaja'mit graben lassen. Der regelmäßige Kontakt mit dem Erz steigerte ihre Intelligenz. Sie bauten Werkzeuge, verfeinerten alchemistische Verfahren und erkannten schließlich, dass ihre Herren von ihrer Unwissenheit abhängig waren. Der Aufstand begann nicht mit einer fremden Rettung, sondern mit der Erkenntnis der Versklavten, dass sie längst klüger geworden waren als das System, das sie klein hielt.
Aus Lagern und Stollen wuchs über Generationen Undermine. Das Erz wurde knapper und seine unmittelbare Wirkung ließ nach, doch die entstandene Kultur blieb. Goblins ersetzten die verlorene Abkürzung zur Genialität durch Ausbildung, Konkurrenz und den festen Glauben, jedes Problem müsse sich in Teile, Preise und Möglichkeiten zerlegen lassen. Die Stadt wurde zum Gedächtnis dieses Wandels: eine Freiheit, die sich selbst ständig verkaufen zu müssen drohte.
Die Herrschaft der Kartelle
Undermine wurde von Handelsprinzen und Kartellen geprägt. Dampfdruckkartell, Bilgewasserkartell, Schwarzmeer AG und Venture Company verbanden Handel mit Politik, private Armeen mit Geschäftsinteressen. Ein Vertrag konnte Schutz bedeuten, eine Anstellung oder den Augenblick, in dem jemand bemerkte, dass das Kleingedruckte auch seine Zukunft umfasste.
Diese Ordnung machte die Stadt erfinderisch und grausam zugleich. Wer eine Idee hatte, konnte aufsteigen; wer keine Rücklagen besaß, wurde leicht zum Rohstoff einer fremden Idee. Undermine besaß keine ruhige Trennung zwischen Markt und Regierung. Macht sprach dort die Sprache von Anteilen, Lieferwegen und Schulden, und selbst eine Freundschaft klang manchmal, als müsse sie am Quartalsende neu verhandelt werden.
Der Chromkönig
Jastor Gallywix verstand dieses System besser als fast jeder andere und hielt lange genug die günstigste Stelle darin. Nach der Verwüstung Kezans führte er das Bilgewasserkartell in die Horde, behandelte die eigenen Leute jedoch weiterhin wie Besitz. In Undermine erhob er sich schließlich zum Chromkönig. Mit Dunkelfusionskräften, Schwarzem Blut und einer Herrschaft aus Angst versuchte er, die Kartelle gegeneinander auszuspielen und die Stadt endgültig in sein persönliches Unternehmen zu verwandeln.
Gallywix' Glanz bestand aus dem, was er anderen abnahm. Selbst seine Krone konnte nicht verbergen, dass sein Reich auf Verträgen beruhte, denen nur eine Seite zugestimmt hatte. Als seine Pläne Undermine bedrohten, schlossen sich Rivalen zusammen. Die Befreiung der Stadt war deshalb mehr als der Sturz eines einzelnen Goblins. Sie war die seltene Entscheidung konkurrierender Kartelle, dass ein gemeinsames Zuhause nicht bloß der wertvollste Besitz dessen sein durfte, der gerade die meisten Waffen hielt.
Freiheit mit offenem Ausgang
Nach Gallywix' Niederlage wurde Undermine nicht plötzlich still, ehrlich oder ungefährlich. Goblins handeln weiter, streiten weiter und bauen Geräte, deren Sicherung vermutlich als teures Zusatzmodul angeboten wird. Eine Revolution löscht keine Kultur aus, und sie muss es auch nicht. Die Frage ist vielmehr, ob Witz, Ehrgeiz und Gewinn nur den Mächtigen dienen oder auch denen, die die Maschinen tatsächlich am Laufen halten.
Undermine verkörpert damit den größten Widerspruch der Goblins. Die Stadt entstand aus einem Aufstand gegen Ausbeutung und wurde später selbst zu einem Ort, an dem Ausbeutung als Geschäftsmodell galt. Unter Neonlicht und Vulkangestein bleibt die alte Erinnerung dennoch erhalten: Goblins waren nie deshalb frei, weil ein Handelsprinz es erlaubte. Sie wurden frei, als sie begriffen, dass der Wert ihrer Arbeit und ihrer Gedanken ihnen selbst gehörte.