Der Herr der steinernen Riesen
Gruul gehörte zu den Gronn, jenen gewaltigen Nachkommen der steinernen Riesen Draenors, vor denen selbst Oger den Blick senkten. Er war größer, stärker und listiger als die meisten seiner Art. In Gorgrond sammelte er Gronn und Oger um sich, nicht durch milde Führung, sondern durch eine Macht, die kaum Widerspruch kannte. Seine Söhne zogen über Ebenen und Berge, während in Gruuls Höhlen Opfergaben und Furcht denselben Zweck erfüllten.
Als die alte Horde Draenor unterwarf, wurden auch die Riesen gejagt. Der Donnerfürstenklan kannte keine Ehrfurcht vor Gronn, Ogron oder Magnaron und machte ihre Tötung zum Beweis orcischer Stärke. Gruul überlebte. Er hielt sich in den Bergen, schlug Angriffe zurück und bewahrte einen Rest jener Macht, die andere bereits für gebrochen hielten. Damals war er noch kein Held irgendeines Volkes. Er war ein Herrscher, der sein Revier verteidigte, weil alles darin ihm gehörte.
Als die schwarzen Drachen kamen
Todesschwinge brachte Eier und schwarze Drachen nach Draenor. Die neue Welt sollte seiner Brut als Zuflucht und Herrschaftsraum dienen. Doch in den Bergen trafen die Drachen auf Gruul. Ogerzauber rissen sie aus der Luft, Gronn zerschmetterten ihre Körper, und die steinernen Spitzen wurden zu Pfählen, an denen schwarze Drachen verendeten. Die Landschaft bewahrte den Kampf in ihrer Silhouette: Knochen und Leiber zwischen scharfen Felsen, als hätte der Berg selbst Zähne bekommen.
Khadgar, Turalyon und Alleria Windläufer suchten auf Draenor den Schädel Gul'dans und stießen dabei auf denselben Feind. Für kurze Zeit verband ein gemeinsamer Gegner sehr verschiedene Verbündete. Gruul kämpfte gegen Todesschwinge, während Khadgar die Adamantitplatten am Körper des wahnsinnigen Aspekts mit Magie löste. Gruul konnte Todesschwinge nicht allein besiegen, doch seine Angriffe und der Rückzug des Drachen machten seinen neuen Namen unausweichlich: Drachentöter.
Der Sieg, der keine Güte brachte
Draenors Zerbrechen verwandelte die Heimat in die Scherbenwelt. Die scharfkantigen Berge wurden noch unwirklicher, Gruuls Macht über die dortigen Oger jedoch größer. Viele verehrten ihn wie einen Gott. Seine Söhne verwüsteten Nagrand und die umliegenden Regionen, und seine Herrschaft bot den Bewohnern keine Freiheit. Dass Gruul schwarze Drachen erschlagen hatte, machte ihn nicht zum Beschützer aller Schwachen. Ein Tyrann kann einen anderen Tyrannen besiegen, ohne seine eigene Hand zu öffnen.
Gruul unterhielt Verbindungen zu Illidans Machtbereich, auch wenn der genaue Umfang unklar blieb. Für Horde und Allianz stellte er in der Scherbenwelt eine unmittelbare Gefahr dar. In seinem Unterschlupf standen Ogerfürsten zwischen den Eindringlingen und dem Gronn, dessen Kraft während des Kampfes immer weiter anwuchs. Schließlich fiel Gruul durch jene Sterblichen, die klein genug wirkten, um unter seinem Blick kaum als Gegner zu gelten.
Sein Name blieb an den Bergen haften. Gruul verkörpert die rohe Geschichte Draenors, in der Größe und Herrschaft oft wörtlich zusammenfielen. Er war Beute der Horde, Feind der schwarzen Drachen, zeitweiliger Verbündeter ihrer Gegner und Unterdrücker der Oger. Keine dieser Rollen allein erklärt ihn. Gruul war vor allem die Gewalt eines Landes, das sich weigerte, kampflos Besitz einer neuen Macht zu werden, und das nach dem Sieg dennoch niemandem gehörte außer dem stärksten Überlebenden.