Eine Festung für den Krieg
Tol Barad liegt vor der Küste der Östlichen Königreiche und war schon im Zweiten Krieg ein strategisch wichtiger Vorposten. Die Herrscher von Stromgarde ließen die Baradinfestung als Bollwerk gegen die Horde ausbauen. Von ihren Mauern aus ließ sich die Insel kontrollieren, und wer Tol Barad hielt, besaß einen geschützten Ankerplatz zwischen den nördlichen und südlichen Seewegen.
Der Krieg hinterließ die Festung beschädigt, aber nicht nutzlos. Weil ihre Lage abgelegen und ihre Mauern stark waren, übernahm der Kirin Tor den Ort. Aus dem militärischen Bauwerk wurde ein Gefängnis für Wesen, die man nicht in gewöhnlichen Kerkern halten konnte. Magische Siegel ergänzten Stein und Eisen. In den tiefsten Zellen saßen Dämonen und andere Kreaturen, deren bloße Anwesenheit ganze Landstriche gefährden konnte.
Der Kataklysmus bricht die Siegel
Als Todesschwinge aus Tiefenheim hervorbrach, erschütterete der Kataklysmus nicht nur Kontinente. Auch Tol Barad wurde von den Verwerfungen getroffen. Mauern rissen, Schutzzauber wurden schwächer und die Ordnung des Gefängnisses zerfiel. Die Wärter konnten die mächtigsten Insassen nicht mehr sicher voneinander oder von der Außenwelt trennen.
Damit entstand eine doppelte Krise. Auf der Insel kämpften Horde und Allianz um die strategische Stellung, während unter ihnen ein Gefängnis auseinanderfiel. Ein Sieg auf dem Schlachtfeld bedeutete deshalb noch keine Sicherheit. Wer die Festung übernahm, musste sich auch dem stellen, was in ihren Zellen über Jahre eingeschlossen worden war.
Argaloth, der erste Ausbruch
Der erste bekannte Gefangene, der die beschädigte Ordnung ausnutzte, war Argaloth. Der Grubenlord gehörte zu jener Art von Dämonen, die nicht allein durch rohe Kraft gefährlich werden. Pitlords führen Legionen, verbreiten Teufelsmagie und verwandeln ganze Schlachtfelder in verbrannte Zonen. Warum Argaloth ursprünglich nach Tol Barad gebracht worden war, ist nicht ausführlich überliefert; seine Gefangenschaft zeigt jedoch, dass der Kirin Tor ihn für zu gefährlich hielt, um ihn lediglich zu vertreiben.
Als seine Zelle nicht länger hielt, musste er im Inneren der Festung bezwungen werden. Sein Fall stellte die Sicherheit des Gefängnisses nicht wieder her. Er bewies nur, dass die alten Siegel tatsächlich versagt hatten und dass hinter weiteren Türen noch andere Gefahren warteten.
Occu'thar und Alizabal
Später brach Occu'thar aus seiner Zelle. Das riesige Augenwesen hatte sich an Mitgefangenen sattgefressen und war dadurch so angeschwollen, dass es die Festung nicht verlassen konnte. Gefangen zu sein machte es nicht weniger gefährlich: Seine zahllosen Augen und sein unstillbarer Hunger verwandelten den Kerker selbst in sein Jagdrevier.
Mit Alizabal trat schließlich eine Shivarra der Brennenden Legion hervor. Sie war keine stumme Bestie, sondern eine denkende Dienerin des Hasses, die Zwietracht ebenso wirksam einsetzen konnte wie ihre Waffen. Die drei Gefangenen gehörten nicht zu einer gemeinsamen Armee. Ihre Abfolge erzählt vielmehr, wie Schicht um Schicht die Sicherungen eines alten Gefängnisses zerbrachen.
Tol Barads offene Wunde
Die Baradinfestung wurde nie zu einem gewöhnlichen Herrschaftssitz. Während Horde und Allianz ihre Banner auf Tol Barad setzten, blieb sie ein Ort, an dem niemand genau wusste, welche Tür als Nächstes nachgeben würde. Der Kampf um die Insel war deshalb nicht nur ein Fraktionskrieg, sondern auch der Versuch, eine Katastrophe unter Kontrolle zu halten, die ältere Mächte dort eingeschlossen hatten.
Gerade darin liegt die Bedeutung der Festung während des Kataklysmus. Todesschwinge musste Tol Barad nicht persönlich angreifen. Seine Rückkehr erschütterte die Welt so tief, dass längst gebannte Gefahren wieder Einfluss gewannen. Die Baradinfestung zeigt im Kleinen, was überall auf Azeroth geschah: Alte Sicherheiten zerbrachen, und die Lebenden mussten sich mit dem befassen, was frühere Generationen hinter Mauern verborgen hatten.