Der Schlüssel zu einer unvollkommenen Mauer
Im Krieg der Sandstürme drängten Nachtelfen und Drachenschwärme die Qiraji bis nach Ahn'Qiraj zurück. Vernichten konnten sie die zahllosen Diener C'Thuns nicht. Fandral Hirschhaupt und Anachronos errichteten deshalb die Skarabäusmauer, eine gewaltige Sperre aus Stein, Wurzeln und Magie. Sie beendete den Krieg, indem sie den Feind einschloss, nicht indem sie seine Macht brach.
Anachronos wusste, dass selbst eine scheinbar ewige Mauer eines Tages geöffnet werden müsste. Er schuf das Szepter der Sandstürme und den Skarabäusgong. Gemeinsam konnten sie das Siegel lösen, falls die Qiraji wieder einen Weg nach draußen fanden und ein Heer bereitstand, ihnen im Inneren zu begegnen. Das Szepter war somit kein Zeichen endgültiger Sicherheit. Es war die eingebaute Anerkennung, dass Aufschub und Sieg nicht dasselbe sind.
Fandrals Schlag gegen die Zukunft
Fandral hatte im Krieg seinen Sohn Valstann verloren. General Rajaxx ließ ihn vor den Augen des Vaters töten und brach damit etwas, das selbst der spätere Sieg nicht erreichte. Als Anachronos Fandral das Szepter anvertraute, hörte der Erzdruide darin keine Hoffnung. Er hörte die Möglichkeit, dass der Krieg zurückkehren und weitere Kinder fordern würde. In Zorn und Trauer schlug er das Artefakt gegen die Mauer und zerschmetterte es.
Die Bruchstücke wurden den Drachenschwärmen zur Verwahrung gegeben. Fandrals Tat machte eine zukünftige Öffnung schwer, aber nicht unmöglich. Darin lag zugleich Verzweiflung und ungewollte Vorsorge: Kein einzelner Träger konnte die Mauer nun aus Laune oder Verrat öffnen. Erst wenn viele Völker, Drachen und Streiter dieselbe Gefahr anerkannten, würden die getrennten Teile wieder zusammenfinden.
Drei Splitter, drei fortgesetzte Kriege
Als C'Thun erwachte und die Qiraji erneut durch die Mauer drängten, begann die Suche. Der rote Splitter war Vaelastrasz anvertraut worden, doch Nefarian nahm ihn dem gefangenen Drachen ab. Der Weg führte in den Pechschwingenhort und verband Ahn'Qirajs Rückkehr mit dem Krieg gegen Todesschwinges Erben. Ein Teil des Schlüssels konnte erst geborgen werden, nachdem Nefarians Labor gefallen war.
Der blaue Splitter war durch Azuregos' verschlungenen Schutz in eine Kette aus Rätseln, Erfindungen und gefährlichen Reisen geraten. Der grüne Splitter führte zu Eranikus und in den Smaragdgrünen Alptraum, wo selbst ein großer Drache von Verderbnis festgehalten wurde. Die Suche war deshalb mehr als das Einsammeln verlorener Teile. Jeder Splitter lag bei einer anderen Wunde Azeroths und verlangte Verbündete, die über den Rand des bevorstehenden Wüstenkriegs hinausblickten.
Die Macht von Kalimdor
Anachronos fügte die geborgenen Bruchstücke wieder zusammen. Gleichzeitig sammelten Horde und Allianz Vorräte und Truppen für die Macht von Kalimdor. Die Feindschaft der Fraktionen verschwand nicht, wurde aber für einen Feldzug zurückgestellt, den keine Seite allein hätte tragen können. Das erneuerte Szepter erhielt seinen Sinn erst durch dieses Heer. Ein Schlüssel ohne jene, die durch das Tor gehen, hätte nur eine neue Katastrophe geöffnet.
Am Skarabäusgong wurde das Szepter eingesetzt, die Mauer brach auf, und die wartenden Qiraji stürmten hervor. Der Träger des ersten Schlags wurde als Skarabäusfürst bekannt. Danach drangen Streiter in die Ruinen und den Tempel von Ahn'Qiraj ein und bezwangen C'Thun. Das Artefakt öffnete also nicht einfach eine Festung. Es verwandelte einen tausendjährigen Aufschub in die Möglichkeit, den Krieg an seiner Quelle zu beenden.
Das Gewicht eines wiederhergestellten Schlüssels
Das Szepter verband Drachenschwärme, Nachtelfen, Horde und Allianz, weil jeder Teil allein unbrauchbar blieb. Diese Zersplitterung war aus Trauer entstanden, wurde aber zur Form einer gemeinsamen Verantwortung. Niemand konnte die Entscheidung über Ahn'Qiraj bequem an einen alten Hüter delegieren. Erst die Anstrengung vieler bewies, dass die Welt bereit war, das von der Mauer zurückgehaltene Grauen nicht nur freizulassen, sondern zu bekämpfen.
Fandrals Zorn bleibt dennoch im Artefakt eingeschrieben. Er zerbrach es, weil ein Vater keine Zukunft ertrug, die denselben Preis noch einmal verlangen konnte. Die Wiederherstellung widerlegte seine Trauer nicht. Sie antwortete ihr mit einer anderen Möglichkeit: Kommende Generationen mussten nicht wehrlos dasselbe Opfer wiederholen, wenn sie Erinnerung in Vorbereitung verwandelten. Das Szepter der Sandstürme war am Ende mächtig, weil seine Teile zusammengefügt wurden. Der eigentliche Schlüssel zu Ahn'Qiraj war jedoch die seltene Bereitschaft verfeindeter Völker, gemeinsam durch das geöffnete Tor zu gehen.