Ein Held am Zerbrochenen Tor
Bridenbrad war ein menschlicher Paladin des Argentumkreuzzugs im Krieg gegen den Lichkönig. Über sein früheres Leben ist nichts Sicheres bekannt. Hochlord Tirion Fordring kannte ihn als tapferen und bescheidenen Kämpfer des Lichts. Am Zerbrochenen Tor, wo Truppen der Allianz, Horde und Geißel aufeinandergetroffen waren, rettete Bridenbrad im Alleingang mehr als ein Dutzend Kameraden aus dem Gemetzel.
Bei dieser Rettung infizierte er sich mit der Seuche des Untodes. Die Krankheit tötete ihre Opfer nicht einfach. Sie konnte Leichname erheben und ihren Willen der Geißel unterwerfen. Bridenbrad fürchtete deshalb weniger den Tod als die Möglichkeit, nach seinem Tod gegen jene zu kämpfen, die er gerade gerettet hatte.
Der Rückzug in die Berge
Als Bridenbrad die Infektion erkannte, verschwand er in die Berge Eiskrones. Er wollte keinen weiteren Menschen anstecken und niemanden zwingen, ihn nach seiner Verwandlung zu töten. Tirion wollte ihn für seine Tat ehren, fand jedoch nur die Nachricht, dass der Kreuzfahrer allein auf sein Ende wartete.
Der Hochlord schickte einen bewährten Helden zu ihm. Bridenbrads erste Sorge galt auch bei dieser Begegnung dem Besucher: Er warnte davor, ihm zu nahe zu kommen. Seine Absonderung war kein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, sondern die letzte Form seines Dienstes. Solange er noch selbst entscheiden konnte, sollte die Seuche durch ihn kein weiteres Opfer erhalten.
Remulos und der Smaragdgrüne Traum
Tirion gab den Kreuzfahrer nicht auf. Der erste Weg führte zu Hüter Remulos in der Mondlichtung. Remulos suchte nach Lebenskraft, die der Seuche widerstehen könnte, und ließ einen Gegenstand aus den Kräften des Smaragdgrünen Traums beschaffen. Selbst im Smaragdgrünen Alptraum wurde nach einem Mittel gesucht, das Bridenbrads schwindendes Leben erneuern sollte.
Der Segen des Remulos stärkte den Sterbenden, heilte die Infektion aber nicht. Das Ergebnis setzte eine wichtige Grenze: Naturmagie konnte Leben nähren und Zeit gewinnen, doch die besondere Seuche des Lichkönigs ließ sich nicht einfach aus dem Körper verdrängen. Für die Helfer blieb dennoch genug Zeit, eine zweite Hoffnung zu suchen.
Alexstraszas Gabe
Als Nächstes wandten sie sich an Alexstrasza, die Lebensbinderin. Die Königin des roten Drachenschwarms verkörpert die Macht des Lebens auf Azeroth und hatte selbst gegen die Seuche gekämpft. Mit Dahlien-Tränen und ihrer Gabe versuchte sie, Bridenbrads Körper zu reinigen.
Auch die Macht eines Aspekts konnte ihn nicht retten. Die wiederholten Reisen waren trotzdem nicht sinnlos. Bridenbrad sah, wie viele Wesen sich für einen einzelnen sterbenden Soldaten einsetzten. Seine Angst, die Dunkelheit werde nach seinem Tod unangefochten bleiben, wich der Erkenntnis, dass in der Welt noch große Güte existierte.
A'dal und das ewige Paradies
Die letzte Bitte ging an A'dal in Shattrath. Der Naaru versprach keine Heilung des Körpers. Stattdessen kamen Wesen des Lichts zu Bridenbrad, als sein Tod unmittelbar bevorstand. Sie nahmen seine Seele auf und sagten ihm ein ewiges Paradies zu. So konnte die Geißel seinen Leichnam nicht als Diener des Lichkönigs beanspruchen.
Bridenbrad starb, aber genau das von ihm gefürchtete Schicksal trat nicht ein. Er dankte dem Helden, dessen selbstloses Handeln ihm neue Hoffnung gegeben hatte, und bat ihn, ohne Reue weiterzugehen. Die Geschichte endet daher weder mit medizinischer Rettung noch mit einem Sieg über den Tod. Sie handelt davon, einem Menschen bis zuletzt beizustehen und ihm die Gewissheit zu geben, dass sein Opfer nicht in Dunkelheit endet.
Eine Gedenkgeschichte
Bridenbrad wurde als Gedenken an Bradford Bridenbecker geschaffen, den Bruder des Blizzard-Mitarbeiters Robert Bridenbecker. Bradford spielte World of Warcraft und starb 2007 an Krebs. Auf Bitte seines Bruders entwickelte Blizzard die Questreihe als eigenständige Geschichte über seinen Kampf und Abschied.
Dieser reale Hintergrund gehört nicht zur Biografie der Lorefigur, erklärt aber die ungewöhnliche Form der Erzählung. Die Suche nach immer neuen Heilungsmöglichkeiten, kurze Hoffnung und das endgültige Annehmen des Todes spiegeln Erfahrungen schwerer Krankheit. Im Spiel bleibt Bridenbrad ein Paladin des Argentumkreuzzuges; außerhalb der Fiktion wurde seine Geschichte zu einem persönlichen Denkmal, das viele Spieler gerade wegen seiner stillen Menschlichkeit erinnern.