Die Flüchtlinge der Seewolf
Als die Geißel während des Dritten Krieges durch den Silberwald zog, suchten Bewohner von Pyrewood Schutz hinter dem Graumähnenwall. Gilneas hatte sich jedoch von den Nachbarreichen abgeschottet. Die Tore blieben geschlossen, obwohl vor ihnen Menschen standen, deren Heimat von den Untoten überrannt wurde. Ein Teil der Flüchtlinge kaufte ein Schiff namens Seewolf und wollte nach Sturmwind segeln. Die Reise war kein Abenteuer, sondern der letzte Ausweg von Familien, die zwischen der Geißel und einer verschlossenen Grenze keinen sicheren Ort mehr fanden.
Ein Sturm trieb das Schiff vom Kurs ab. Wochenlang irrten die Passagiere über das Große Meer, bevor ein weiterer Sturm die Seewolf an der Westküste Val'sharahs zerschmetterte. Das Wrack ließ sich nicht reparieren. Die Überlebenden fanden fruchtbaren Boden, Wasser und Schutz zwischen den schroffen Felsen. In der Nähe ragte die Rabenwehr über die Landschaft, doch niemand von ihnen kannte die Geschichte ihrer nachtelfischen Herren. Weil keine Heimkehr möglich war, bauten sie Häuser, Höfe und Anlegestellen und nannten die neue Siedlung Bradensbrook.
Eine gilnearische Heimat fern von Gilneas
Bradensbrook blieb kulturell mit Gilneas verbunden, obwohl viele seiner Gründer ursprünglich aus Pyrewood stammten und vom Königreich abgewiesen worden waren. Die gilnearische Fahne wehte über der Siedlung. Bürgermeister Heathrow führte die Gemeinde, Bauern wie Granny Marl versorgten sie, und Fischer nutzten den Fluss sowie die Küste. Die Häuser lagen weit auseinander, weil sich das Dorf den Klippen, Wegen und Feldern anpassen musste. Seine Bewohner lernten, mit der Tierwelt Val'sharahs und den Nachtelfen der Umgebung zu leben.
Gerade diese Entstehung erklärt ihr Misstrauen gegenüber Fremden. Bradensbrook war nicht durch eine Armee oder einen König geschützt worden. Die Bewohner hatten überlebt, weil sie einander kannten und Gefahren selbst abwehrten. Als Jarod Schattensang während der dritten Invasion der Legion in das Dorf kam, begegnete ihm Bürgermeister Heathrow daher zunächst mit Ablehnung. Jarod suchte seine Schwester Maiev und untersuchte die auferstandenen Soldaten der Rabenwehr. Für die Dorfbewohner war er jedoch zuerst ein Nachtelf aus jener Festung, aus der die Toten herabkamen.
Zwischen Rabenwehr und Legion
Jarod gewann das Vertrauen Bradensbrooks, indem er bei der Verteidigung half. Die Geister der Rabenwehr waren von Gul'dans Dienern erweckt und getäuscht worden. Sie hielten die Lebenden für Dämonen und griffen das Dorf an. Jarod musste gegen frühere Kameraden kämpfen, während er zugleich nach Maiev suchte. Gemeinsam mit Bewohnern wie Callie Carrington und Granny Marl stellte er später Lord Erdris Thorn, der weitere Tote gegen Bradensbrook führen wollte.
Die Legion griff die Siedlung mehrfach an. Dämonen versuchten, die Umgebung als Brutstätte zu benutzen; Satyrn schickten Assassinen; Becher mit Dämonenblut wurden im Dorf verteilt, um Bewohner zu verderben und ihrem Willen zu berauben. Jeder Angriff zielte auf dieselbe Schwäche: Bradensbrook lag abgelegen und verfügte über keine große Garnison. Doch diese Abgeschiedenheit hatte die Menschen auch daran gewöhnt, Verantwortung nicht weiterzugeben. Sie erkannten Verräter, schützten ihre Nachbarn und kämpften an der Seite jener Fremden, denen sie anfangs misstraut hatten.
Später handelten die Bewohner mit den Nachtelfen am Tempel von Elune und tauschten Vorräte über den Seeweg aus. Aus den Schiffbrüchigen war damit eine anerkannte Gemeinschaft Val'sharahs geworden. Bradensbrook blieb gilnearisch, ohne ein gewöhnlicher Außenposten des Königreichs zu sein. Seine Geschichte begann mit einer verweigerten Zuflucht und endete vorerst mit einer Heimat, die ihre Bewohner selbst gegründet hatten.