Ein Soldat im versunkenen Heer
Taylor trat zunächst nicht als berühmter Heerführer auf. Als eine Flotte der Allianz nach Vashj'ir entsandt wurde, gehörte er zu den Soldaten, die nach dem Angriff der Naga im Meer ums Überleben kämpften. Schiffe zerbrachen, Einheiten wurden getrennt, und jeder vertraute Plan verlor unter Wasser seinen Wert. Taylor übernahm Verantwortung, weil jemand die verstreuten Überlebenden sammeln musste. Rang und Herkunft halfen dort weniger als die Fähigkeit, trotz Panik eine Entscheidung zu treffen.
An seiner Seite stand der Schamane Erdensprecher Duarn. Gemeinsam suchten sie Vermisste, sicherten Stellungen und kämpften gegen die Naga um Lady Naz'jar. Taylor lernte in Vashj'ir, dass ein Befehlshaber nicht immer über eine geschlossene Armee verfügt. Oft musste er Menschen führen, die erschöpft waren, kaum atmen konnten und nicht wussten, ob Verstärkung kam. Diese Erfahrung prägte seinen späteren Aufstieg stärker als jede Parade in Sturmwind.
Pandaria und der Wettlauf mit Nazgrim
Nach dem Schiffbruch vor Pandaria führte Taylor die Überlebenden der Allianz durch den Jadewald. Auf der anderen Seite stand General Nazgrim, sein Gegenstück in der Horde. Beide waren Berufssoldaten, beide wollten ihre Leute retten, und beide machten ein unbekanntes Land zum Schauplatz eines Krieges, den sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatten. Taylor verbündete sich mit den Jinyu von Perlfloss, während Nazgrim die Ho-zen gewann. Aus Not entstanden Bündnisse, die Pandarias eigene Konflikte verschärften.
Taylor suchte zugleich nach Prinz Anduin Wrynn. Der junge Prinz wollte Pandaria verstehen und Frieden suchen, während die militärischen Führer vor allem verhindern wollten, dass die andere Fraktion zuerst einen Vorteil gewann. Taylor respektierte Anduin, konnte dessen Risiko aber nicht immer nachvollziehen. In diesem Gegensatz zeigte sich seine Stärke und seine Grenze: Er war bereit, jeden Auftrag bis zum Ende zu tragen, doch er dachte zunächst in Sicherung, Versorgung und Sieg, nicht in der heilenden Wirkung, die der Prinz im Land suchte.
Vom Jadewald zum Löwenlandungsplatz
Taylor wurde verwundet, kämpfte sich zurück und übernahm weitere Feldzüge im Kun-Lai-Gipfel. Schließlich führte er die Allianz am Löwenlandungsplatz, als der Fraktionskrieg Pandaria offen erfasste. Dort geriet er in die Suche nach der Göttlichen Glocke, einer Mogu-Waffe, die Garrosh Höllschrei für die Horde gewinnen wollte. Taylor sah, wie aus militärischer Konkurrenz ein Wettlauf um Kräfte wurde, die niemand vollständig verstand.
Seine Laufbahn brachte ihm den Rang eines Admirals ein. Der Titel war nicht nur Belohnung. Er bedeutete, dass der Soldat aus Vashj'ir nun ganze Expeditionen verantwortete. Taylor blieb dabei direkter und weniger politisch als viele Höflinge. Er mochte klare Aufgaben, verlässliche Kameraden und die Gewissheit, dass jemand seine Stellung hielt. Gerade diese Verlässlichkeit machte ihn später auf Draenor verwundbar: Er erwartete Verrat vom Feind, nicht aus den eigenen Reihen.
Der Tod in den Spitzen von Arak
Auf dem anderen Draenor errichtete Taylor eine Garnison in den Spitzen von Arak. Der Kommandant Ephial, dem er vertraute, hatte sich jedoch der Brennenden Legion verschrieben. Ephial ermordete die Soldaten der Garnison und zwang ihre Seelen durch dunkle Magie in den Dienst. Taylor starb nicht in einer offenen Schlacht, sondern in einem Haus, das er als sicheren Stützpunkt aufgebaut hatte. Als seine Verbündeten eintrafen, fanden sie eine ausgelöschte Gemeinschaft und Geister, die noch immer ihren Dienst verrichteten.
Taylors eigener Geist wandte sich gegen Ephial. Gemeinsam mit den Ankommenden stellte er den Verräter und half, die gefesselten Toten zu befreien. Der Sieg gab ihm das Leben nicht zurück. Er blieb als Geist an die Garnison und später an jene gebunden, die er weiter beschützen wollte. In Draenor wurde aus seiner soldatischen Treue etwas Tragisches: Selbst der Tod beendete den Auftrag nicht, den er für seine Gefährten empfand.
Ein Admiral, der nicht abtritt
Für Taylor wurde in Südport ein Denkmal errichtet. Seine Seele erreichte schließlich Oribos, wo er über sein Schicksal klagte und doch alte Kameraden wiedererkannte. Diese späte Begegnung nimmt seiner Geschichte nichts von ihrer Härte. Er hatte eine Laufbahn überlebt, die in versunkenen Schiffen begann, und wurde kurz vor dem nächsten Abschnitt seines Lebens ausgerechnet durch das Vertrauen in einen Untergebenen getötet.
Taylor steht für die vielen Menschen, deren Namen nicht am Anfang einer Chronik stehen. Er wurde bedeutend, weil er immer wieder in Lücken trat, die Katastrophen hinterließen. Vashj'ir machte ihn zum Führer, Pandaria zum Admiral und Draenor zu einem Geist, der seine Pflicht nicht loslassen konnte. Seine Rivalität mit Nazgrim zeigt zudem zwei Soldaten auf gegnerischen Seiten, die einander ähnlicher waren, als ihre Banner vermuten ließen. Beide dienten bis zu einem Ende, das sie nicht selbst gewählt hatten.