Der Weg nach Thron der Gezeiten
Im Abyssischen Schlund lag Neptulons Reich wie ein Palast aus Strömung, Muschel und uralter elementarer Gewalt. Als die Naga im Auftrag dunkler Mächte einfielen, wurde der Thron der Gezeiten zum Mittelpunkt eines Krieges um das Meer selbst. Wer seine Hallen betrat, folgte keiner gewöhnlichen Belagerung, sondern einer Spur aus geraubtem Willen, verseuchtem Wasser und einem Elementarfürsten, den seine Feinde lebend brauchten. In Lady Naz'jar nahm ein eigener Teil dieses Angriffs Gestalt an.
Naz'jar gehörte zu den Naga, die aus Azsharas gefallener Zivilisation hervorgegangen waren. Das Meer war für sie keine Grenze, sondern Heimat und Weg zugleich. Als Seehexe verband sie politische Stellung mit der Fähigkeit, Wasser und Sturm gegen jene zu richten, die in der Tiefe ohne solche Macht kaum bestehen konnten.
Der Krieg gegen die Kvaldir
In Vashj'ir kämpften die Naga zunächst gegen die Kvaldir, brutale Seeräuber, die aus dunklen Gewässern über ihre Stellungen herfielen. Naz'jar spielte eine Schlüsselrolle bei der Rückeroberung verlorener Gebiete und bei der Sicherung wichtiger Relikte. Jeder Erfolg machte ihren Namen am Hof Königin Azsharas wertvoller.
Die Königin belohnte keine Treue aus Zuneigung. Wer ihre Gunst gewann, erhielt größere Aufgaben und damit größere Möglichkeiten, sich unentbehrlich zu machen oder vollständig zu scheitern. Naz'jar nahm diese Last an. Sie wurde zu einer Befehlshaberin, deren Worte Truppen durch die Strömungen bewegten und deren Entscheidungen den Krieg um Vashj'ir prägten.
Der Angriff auf Neptulon
Auf Geheiß der Alten Götter führte Naz'jar ihre Streitkräfte in den Abyssischen Schlund. Das Ziel war nicht die bloße Verwüstung eines Palastes. Neptulon, der Gezeitenjäger, war einer der mächtigsten Elementarfürsten Azeroths. Ihn zu fangen bedeutete, Einfluss über die Meere selbst und über eine uralte Macht zu gewinnen, die sich den Alten Göttern einst widersetzt hatte.
Naz'jar drängte Neptulon bis in seinen eigenen Thronsaal zurück. Als Eindringlinge ihre Stellung erreichten, rief sie Wasser herbei, schleuderte Blitze und verschwand in einem schützenden Wirbel. Währenddessen strömten ihre Diener in die Kammer. Selbst ihr Rückzug aus der sichtbaren Schlacht war kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Befehl an das Meer, für sie weiterzukämpfen.
Ein letzter Ruf an Ulthok
Sterbend rief Naz'jar nach Kommandant Ulthok. Der Name war keine Bitte an einen Freund, sondern die Weitergabe eines Auftrags. Ihr eigener Abschnitt der Invasion endete, doch hinter ihr warteten Gesichtlose und die Macht der Alten Götter. Der Plan war größer als eine einzelne Seehexe und so gebaut, dass jeder gefallene Wächter den nächsten in Bewegung setzte.
Naz'jar hatte Vashj'ir zurückgewonnen, Azsharas Anerkennung errungen und einen Elementarfürsten in die Enge getrieben. Trotzdem blieb ihr Ende in einer fremden Halle, fern von jedem Triumph. Ihre Geschichte zeigt die Härte von Azsharas Reich: Selbst eine erfolgreiche Dienerin erhielt keinen sicheren Platz, sondern nur die Ehre, tiefer in einen Krieg geschickt zu werden, dessen letzte Belohnung der Königin gehörte.