Ehre und StärkeBlackmoore
Oshu'gun
Welt

Oshu'gun

Oshu'gun ist den Orcs der Berg der Geister und den Draenei das Wrack der Genedar. In seinem Inneren verband K'ures langsames Verlöschen zwei Völker, lange bevor Lügen sie trennten.

Ein Schiff wird zum Berg

Lange bevor Draenor diesen Namen trug, floh Velen mit seinen Gefährten aus Argus. Der Naaru K'ure trug sie in der Genedar durch die Große Dunkelheit. Sie suchten keine Eroberung, sondern immer neuen Abstand zu Kil'jaeden und der Brennenden Legion. Nach zahllosen Welten endete die Reise in einem Absturz auf Draenor.

Die Genedar bohrte sich in Nagrand und blieb als glatter, weißer Körper in der Landschaft liegen. Für die Draenei war das Wrack Erinnerung an Rettung und Verlust zugleich. Es hatte sie aus Argus getragen, konnte sie aber nicht mehr weiterbringen. Aus Reisenden wurden Bewohner einer Welt, auf der ihr Zufluchtsort wie ein fremder Berg über den Ebenen stand.

Der Berg der Geister

K'ure war beim Absturz geschwächt worden und blieb tief im Schiff zurück. Als sein Licht über Jahrhunderte schwand, wuchs die Leere in ihm. Diese dunkle Anziehung zog die Seelen verstorbener Orcs in die Genedar. Ihre Schamanen hörten die Ahnen dort in Träumen und Visionen und nannten den Ort Oshu'gun, den Berg der Geister.

Die Orcs kannten die technische Herkunft des Berges nicht, doch ihre Erfahrung war deshalb nicht falsch. Ihre Toten waren wirklich dort. Gesegnetes Wasser, das Schamanen zu einem Becken im Inneren brachten, half K'ure unbewusst, seinen Verfall zu verlangsamen. Ein Ritual für die Ahnen bewahrte zugleich das Leben eines Naaru. Zwei heilige Beziehungen berührten sich, ohne dass eine Seite die ganze Gestalt der anderen sah.

Frieden am Fuß des Unbekannten

Zu den Kosh'harg-Festen versammelten sich Orcklans am Fuß Oshu'guns. Auf heiligem Boden sollten Fehden schweigen. Familien gedachten ihrer Toten, Schamanen suchten Rat, und Klans, die sonst getrennte Wege zogen, sahen sich als Teile eines größeren Volkes. Der Berg gab ihnen keinen König. Er gab ihnen einen Ort, an dem Vergangenheit gemeinsamer war als Rivalität.

Die Draenei erkannten die Verehrung und hielten sich trotz ihrer eigenen Bindung an die Genedar zurück. Darin lag eine seltene Form von Rücksicht. Sie wussten mehr über das Schiff, aber Wissen verlieh ihnen nicht automatisch das Recht, den Ort allein zu beanspruchen. Oshu'gun konnte für beide Völker heilig sein, ohne dass beide dieselbe Geschichte erzählten.

Die Lüge zwischen den Stimmen

Kil'jaeden nutzte diese Verbindung, um die Orcs gegen die Draenei zu wenden. Eine falsche Erscheinung von Ner'zhuls verstorbener Gefährtin Rulkan warnte vor einer angeblichen Gefahr. Als Ner'zhul später in Oshu'gun die wahren Ahnen erreichte, erfuhr er, dass er getäuscht worden war. Die Geister wandten sich von ihm ab, und der Schamane verstand zu spät, wohin seine Befehle geführt hatten.

Gul'dan und Kil'jaeden ließen den Berg abschirmen, damit die Ahnen nicht länger widersprechen konnten. Orcs durften Oshu'gun nicht mehr betreten. Auf dem einst friedlichen Festplatz führten Hexenmeister ihre neue Macht vor und töteten draenei Gefangene. Die Zerstörung begann nicht damit, dass der heilige Ort seine Kraft verlor. Sie begann damit, dass jene, die den Krieg brauchten, jede Stimme zum Schweigen brachten, die an eine ältere Ordnung erinnerte.

Zwei Wahrheiten in einer Ruine

Nach Draenors Zerbrechen ragte Oshu'gun weiter über Nagrand. Astrale begannen, Kristall aus seiner Hülle zu schneiden, während im Inneren K'ure und die angezogenen Seelen blieben. Die sichtbare Kostbarkeit des Wracks lockte nun Händler und Räuber an, die weder den Ahnenberg noch das Flüchtlingsschiff sahen, sondern nur verwertbares Material.

Oshu'gun lässt sich nicht auf ein einziges Geheimnis reduzieren. Die Aufdeckung der Genedar macht die orcische Verehrung nicht lächerlich; die Stimmen der Ahnen nehmen den Draenei ihre Erinnerung an die Flucht nicht. K'ures langsames Verlöschen schuf unbeabsichtigt eine Brücke zwischen beiden Völkern. Später brauchte es Lügen und Verbote, um daraus eine Grenze zu machen. Der weiße Berg bewahrt deshalb nicht nur Tote. Er bewahrt den Beweis, dass Orcs und Draenei bereits miteinander verbunden waren, bevor einer von ihnen lernte, den anderen als Feind zu benennen.