Das Reich unter Khaz Algar
Tief unter den Hallenden Tiefen und Heilsturz liegt Azj-Kahet. Seine Hauptstadt, die Stadt der Fäden, hängt aus Seide, Stein und jahrhundertealter Planung über gewaltigen Abgründen. Es ist das letzte bekannte Reich lebender Neruber auf Azeroth. Während Azjol-Nerub im Krieg gegen die Geißel fiel, bewahrte dieser südliche Zweig eine unabhängige Gesellschaft.
Die Kaheti sind keine stumme Brut. Adelshäuser, Weber, Händler, Soldaten und Arbeiter verfolgen eigene Interessen. Düfte, Fäden und sorgfältige Höflichkeit tragen Nachrichten durch Straßen, in denen eine falsche Bewegung tödlich sein kann. Der Hof deutet diese Komplexität gern als vollkommene Ordnung. Unter den Palästen liegen jedoch Viertel, deren Bewohner Hunger, Abgaben und die Entscheidungen weit entfernter Herrschender unmittelbar tragen.
Neferess und die verweigerte Unterwerfung
Als N'Zoths Schwarzes Imperium seinen letzten Angriff vorbereitete, verlangte ein Gesandter die Rückkehr Azj-Kahets in den Dienst der Alten Götter. Königin Neferess tötete ihn und wies den Anspruch zurück. Sie wollte nicht, dass ihr Volk erneut den Mächten diente, aus deren aqirischen Heeren seine Vorfahren hervorgegangen waren.
Auch Anub'arak bat aus dem belagerten Azjol-Nerub um Hilfe. Neferess verweigerte sie, weil sie das eigene Reich nicht in den aussichtslosen Krieg gegen den Lichkönig ziehen wollte. Die Entscheidung bewahrte Azj-Kahet und ließ seine nördlichen Verwandten allein. Freiheit entstand hier nicht aus einer makellosen Heldentat. Sie wurde durch Grenzen geschützt, deren Preis andere Neruber bezahlten.
Hunger unter einem stolzen Hof
Mit den Jahren geriet das Reich in Not. Nahrung wurde knapp, die alte Größe verblasste, und Prinzessin Ansurek sah in der vorsichtigen Herrschaft ihrer Mutter nur Stillstand. Neferess hielt daran fest, dass Unabhängigkeit mehr wert sei als eine Macht, die das Volk wieder an alte Herren band.
Xal'atath trat an beide heran und bot Aufstieg durch das Schwarze Blut der toten Alten Götter. Neferess lehnte ab. Ansurek nahm an, stach ihre Mutter nieder und erklärte den Arathi von Heilsturz zu Schuldigen an deren angeblichem Tod. Heimlich ließ sie Neferess gefangen halten und in die erste Aufgestiegene verwandeln. Aus der Not des Reiches machte sie eine Geschichte, in der nur Verrat stark genug erschien, Zukunft zu schaffen.
Aufstieg ohne Zustimmung
Unter Ansurek entstanden mächtige aufgestiegene Neruber. Die Verwandlung versprach Flügel, Kraft und eine neue Stellung, doch bald wurden Bewohner entführt und gegen ihren Willen in die Umformungsanlagen gebracht. Xal'ataths Geschenk verbesserte nicht einfach Körper. Es schuf eine bevorzugte Kaste und band deren Entstehung an die Macht der Leere.
Im Verborgenen vereinten sich die Durchtrennten Fäden. Witwe Arak'nai, General Anub'azal und der als Höfling getarnte Vollstrecker Nizrek arbeiteten mit Fremden, obwohl eine solche Verbindung öffentlich undenkbar gewesen wäre. Sie befreiten Neferess aus Xal'ataths Zugriff und brachten sie zur Behandlung. Der Widerstand bestand aus Personen, die einander nicht vollständig vertrauten, aber er konnte gerade deshalb anders handeln als ein Hof, an dem jede Stimme Ansureks Gewissheit bestätigen musste.
Nach dem Fall Ansureks
Die Verschwörer und ihre Verbündeten stürmten den Nerub'ar-Palast. Ansurek fiel, und Xal'atath ließ sie im Tod wissen, dass sie nie mehr als ein Werkzeug gewesen war. Danach blieb Azj-Kahet ohne geklärte neue Herrschaft. Neferess lebte, war aber durch die erzwungene Verwandlung schwer gezeichnet; Anub'azal starb kurz nach seinem letzten Duell, und Nizrek legte die Maske des geheimen Wesirs ab.
Die Durchtrennten Fäden hielten ihre Verbindung zu den Oberflächenvölkern zunächst verborgen und versuchten, Ordnung zu bewahren. Ansureks Loyalisten kämpften weiter. Das Reich war von einer Königin befreit, aber nicht von Hunger, Klassenunterschieden oder der Frage, wer nun sprechen darf. Azj-Kahets Zukunft hängt daher nicht nur daran, Schwarzes Blut aus seinen Hallen zu entfernen. Es muss entscheiden, ob ein Volk, das seine Unabhängigkeit so lange durch geheime Fäden bewahrte, eine offene Ordnung schaffen kann, in der Stärke nicht wieder bedeutet, dass die Schwächsten zuerst verwandelt werden.