Todesschwinges Vergeltung
Nachdem das Gelege im Obsidiansanktum vernichtet worden war, antwortete Todesschwinge mit einem gezielten Angriff. Er wählte das Rubinsanktum unter dem Wyrmruhtempel, die heilige Brutstätte des roten Drachenschwarms. Die Roten standen für den Schutz des Lebens und waren damit das deutlichste Gegenbild zu seiner Zucht aus Zwang und Verderbnis. Wer ihre Eier zerstörte, traf nicht nur eine Armee, sondern die Zukunft des ganzen Schwarms.
Halion erhielt den Befehl, diesen Angriff zu führen. Er war ein mächtiger Zwielichtdrache, geboren aus jener Forschung, die Sinestra, Nefarian und Todesschwinge über Jahre vorangetrieben hatten. Sein Titel Zwielichtzerstörer beschrieb nicht nur seine Stärke. Halion konnte zwischen der materiellen Welt und dem Zwielichtreich wechseln, jenem dunklen Spiegelraum, aus dem der Schwarm einen Teil seiner Macht bezog.
Der Überfall auf das Rubinsanktum
Die Angreifer kamen nicht als plündernde Horde. Schwarze Drachen, Zwielichtdrachen und ihre Diener schlugen koordiniert zu, töteten die Wächter und besetzten die Kammern. Baltharus, Saviana und General Zarithrian sicherten den Weg. Halion selbst blieb im Zentrum und sammelte Kraft. Das Ziel war, den roten Schwarm zu zerschlagen und anschließend den Wyrmruhpakt von innen anzugreifen.
Für die Verteidiger war der Zeitpunkt besonders gefährlich. Der Krieg gegen den Lichkönig hatte Nordend erschöpft. Viele der stärksten Kämpfer befanden sich in Eiskrone, und die Drachen hatten bereits im Nexuskrieg schwere Verluste getragen. Todesschwinge nutzte diese Müdigkeit. Noch bevor er selbst aus Tiefenheim hervorbrach, prüften seine Diener, wie verwundbar das Bündnis geworden war.
Ein Feind in zwei Wirklichkeiten
Im Kampf zog Halion seine Gegner zwischen zwei Ebenen. In der sichtbaren Welt fraß sein Feuer den Boden; im Zwielichtreich schnitten dunkle Energien durch den Raum. Wer nur auf eine Seite achtete, ließ die andere erstarken. Erst als die Angreifer ihre Kräfte in beiden Wirklichkeiten im Gleichgewicht hielten, konnte Halion verwundet werden.
Diese Fähigkeit machte ihn zu mehr als einem weiteren Drachen. Halion zeigte, wie weit Todesschwinges Brut bereits von den natürlichen Schwärmen entfernt war. Der schwarze Aspekt hatte Wesen hervorgebracht, die Grenzen der Wirklichkeit als Waffe nutzten. Der kommende Krieg würde daher nicht nur gegen Feuer und Schuppen geführt werden, sondern gegen Experimente, die Naturgesetze bewusst verletzten.
Das Ende des Zwielichtzerstörers
Halion fiel im Rubinsanktum, und der unmittelbare Angriff auf den Wyrmruhtempel scheiterte. Die roten Drachen konnten ihre Brutstätte zurückgewinnen. Dennoch war der Sieg unvollständig. Todesschwinge selbst blieb verborgen, und die Vernichtung eines seiner Feldherren änderte nichts an den Armeen, die er in Tiefenheim sammelte. Der Überfall hatte gezeigt, dass seine Rückkehr vorbereitet war.
Für den Wyrmruhpakt bedeutete der Angriff eine Warnung, die kaum Zeit zur Reaktion ließ. Die Drachenschwärme hatten Malygos verloren, Arthas' Krieg überstanden und mussten nun erkennen, dass ein noch älterer Bruder wieder handelte. Halions Tod schloss den Feldzug in Nordend nicht friedlich ab. Er öffnete die Tür zum Kataklysmus.
Das Bindeglied zum Kataklysmus
Halions Geschichte verbindet zwei große Krisen, die oft getrennt betrachtet werden. Während die Sterblichen den Lichkönig bezwangen, führte Todesschwinge bereits einen Schattenkrieg. Das Obsidiansanktum war seine verborgene Zuchtstätte, das Rubinsanktum seine Vergeltung. Erst danach zerriss sein Ausbruch die Oberfläche Azeroths.
Gerade deshalb ist Halion wichtig, obwohl er nicht zu den bekanntesten Drachen gehört. Er war der Beweis, dass der schwarze Schwarm aus früheren Niederlagen gelernt hatte. Seine Armee griff einen Ort an, der als sicher galt, und seine Macht zwang Gegner, gleichzeitig in zwei Wirklichkeiten zu kämpfen. Die Katastrophe begann nicht erst, als Todesschwinge über Sturmwind flog. Sie hatte unter dem Wyrmruhtempel längst begonnen.