Die grüne Insel im Nordosten
Farahlon lag vor der nordöstlichen Küste Draenors. Das Meer trennte die Insel vom Hauptkontinent, doch sie gehörte keineswegs zu den unbedeutenden Rändern der Welt. Üppige Wälder, fruchtbare Böden und eine ungewöhnlich starke Lebenskraft prägten das Land. Diese Lebenskraft hatte einen sehr alten Ursprung. In den Tagen, als die gewaltigen Sporenhügel um die Vorherrschaft auf Draenor kämpften, reichte Botaan bis in diese Gegend. Selbst nach seinem Untergang blieben mächtige Nachkommen der Primals zurück: Pflanzenwesen, Geneaurier und andere Geschöpfe, die Wachstum nicht als friedlichen Kreislauf verstanden, sondern als Anspruch, alles übrige Leben zu überwuchern.
Später gründeten die Draenei auf der Insel eine Stadt, die ebenfalls Farahlon hieß. Sie brachten Straßen, kristallene Bauten und ihre Erinnerungen an Argus mit, ohne die Wildnis vollständig zu verdrängen. Farahlon wurde dadurch zu einem Ort zweier sehr verschiedener Ordnungen. Die Draenei wollten beständige Siedlungen schaffen; die Primals kannten nur Ausbreitung, Verdrängung und neue Blüte. Solange beide Seiten Abstand hielten, blieb dieses Spannungsverhältnis beherrschbar. Doch die Insel war nie so sicher, wie ihre Abgeschiedenheit vermuten ließ.
Krieg nach dem Fall Shattraths
Als die orcische Horde gegen die Draenei zog und Shattrath fiel, weitete sich der Krieg bis Farahlon aus. Kilrogg Totauge und der Blutende-Hohl-Clan führten Truppen auf die Insel. Für die Orcs war Farahlon ein weiterer Raum, in dem Widerstand gebrochen und Land gesichert werden sollte. Für die dort lebenden Draenei war der Angriff Teil derselben Vernichtung, die bereits ihre Siedlungen auf dem Hauptkontinent getroffen hatte. Gleichzeitig mussten sich beide Seiten gegen die Primals behaupten, die den Krieg der Sterblichen nicht als Grenze anerkannten und geschwächte Gebiete sofort zurückeroberten.
Kilrogg betrachtete Gefahren anders als die meisten Heerführer. Durch ein Ritual seines Clans hatte er eine Vision seines eigenen Todes gesehen. Dieses Wissen nahm ihm nicht die Entschlossenheit, sondern die Furcht vor allem, was seiner Überzeugung nach nicht jener letzte Augenblick war. Auf Farahlon führte diese Haltung zu einem rücksichtslosen Feldzug. Die Insel wurde nicht nur zwischen Orcs und Draenei geteilt; sie geriet in einen Dreikampf, in dem auch die wilde Natur selbst als Kriegspartei auftrat. Als die Horde schließlich weiterzog, blieb Farahlon verwundet zurück.
Vom Garten zum Nethersturm
Ner'zhuls Versuch, zahlreiche Portale in andere Welten zu öffnen, zerriss Draenor. Farahlon wurde aus seiner alten Lage gerissen und in die Wirbel des Nether geschleudert. Die Meere verschwanden, der Boden zerbrach in schwebende Inseln und die vertraute Lebenskraft wurde von arkanen Stürmen überlagert. Aus Farahlon entstand der Nethersturm. Die leuchtenden Risse und instabilen Energien dieses Gebietes sind deshalb nicht seine ursprüngliche Natur, sondern die sichtbare Folge der Katastrophe, die Draenor zur Scherbenwelt machte.
Jahrzehnte später errichteten Blutelfen dort Manaschmieden und versuchten, die frei gewordenen Energien zu sammeln. Die Stadt der Draenei und die Wälder Farahlons waren zu diesem Zeitpunkt bereits verloren. Nur einzelne Formen, Namen und Erinnerungen verbanden den Nethersturm noch mit der grünen Insel. Farahlon erklärt damit einen der stärksten Gegensätze der Scherbenwelt: Wo später violette Blitze zwischen nackten Felsen zuckten, hatte einst ein fruchtbares Land gelegen, in dem Draenei lebten und uralte Gewächse um Raum rangen.