Nicht bloß eine Tiefe unter dem Meer
Der Abyssische Schlund wird leicht mit einem besonders tiefen Teil des Großen Meeres verwechselt. Tatsächlich gehört er jedoch zur Elementarebene, einer eigenen Taschendimension, in der die elementaren Mächte Azeroths eingeschlossen wurden. Der Zugang in Vashj'ir liegt am Abyssischen Durchbruch, doch hinter dieser Öffnung beginnt nicht einfach eine weitere Höhle. Die Reisenden überschreiten eine Grenze zwischen der stofflichen Welt und der Domäne des Wassers.
Der Schlund ist als gewaltiger Ozean beschrieben, dessen Wasser sich ständig verändert. Strömungen, Stürme und Wellen sind hier nicht nur Wetter, sondern Ausdruck des Elements selbst. Inseln und feste Strukturen wirken wie Ausnahmen in einem Reich, das Bewegung als natürlichen Zustand kennt. Wasserelementare, Kraken und andere Wesen leben in einer Umgebung, die für Sterbliche weder geschaffen noch leicht zu vermessen ist.
Ein Gefängnis, das zum Königreich wurde
Nach dem Krieg gegen die Alten Götter konnten die titanengeschmiedeten Hüter die Elementare nicht einfach vernichten. Da deren Wesen an Azeroth gebunden waren, hätten sie sich erneut manifestiert. Hochhüter Ra und Helya schufen deshalb vier miteinander verbundene Domänen: Himmelswall für die Luft, Tiefenheim für die Erde, die Feuerlande für das Feuer und den Abyssischen Schlund für das Wasser.
Was als Gefängnis gedacht war, wurde über die Zeitalter zur Heimat und zum Machtbereich der Elementarfürsten. Im Schlund herrscht Neptulon der Gezeitenjäger. Seine Autorität folgt nicht den Grenzen eines sterblichen Reiches; sie beruht auf seiner Verbindung zum Element Wasser und auf den zahllosen Wesen, die ihm dienen. Die Domäne ist daher beides zugleich: Bannort der Titanenhüter und souveränes Königreich ihres elementaren Herrschers.
Der Thron der Gezeiten
Im Herzen des erreichbaren Schlundes liegt der Thron der Gezeiten. Von hier aus wacht Neptulon über seine Domäne und über die Macht des Meeres. Die Anlage verbindet organische Formen, strömendes Wasser und monumentale Architektur. Sie wirkt weniger wie eine Festung, die gegen das Meer errichtet wurde, als wie ein Bauwerk, das aus seinem Element hervorgegangen ist.
Der Thron ist zugleich Hauptstadt, Herrschersitz und die bekannteste greifbare Stätte des Schlundes. Für Besucher aus Azeroth wird das abstrakte Reich der Wasserelementare hier konkret. Doch gerade diese Konzentration von Macht macht den Ort zum Ziel: Wer Neptulon stürzt oder seine Waffen erlangt, greift nach der Herrschaft über die Meere selbst.
Der Angriff während des Kataklysmus
Als Todesschwinges Ausbruch die Barrieren zwischen Azeroth und der Elementarebene beschädigt, wird der Schlund verwundbar. Lady Naz'jar führt Naga-Streitkräfte gegen Neptulon, unterstützt von Gesichtslosen und Ozumat. Die lange vorbereitete Offensive aus Vashj'ir erreicht den Thron der Gezeiten, und der Gezeitenjäger wird in seinem eigenen Reich bedrängt.
Die Angreifer wollen nicht nur einen Gegner beseitigen. Hinter dem Feldzug steht der Zugriff auf elementare Macht und auf die Kontrolle der See. Neptulon wird im Verlauf der Schlacht von Ozumat überwältigt und fortgetragen, kann sich später jedoch befreien. Der Angriff zeigt trotzdem, wie weit die Diener der Alten Götter in die Domänen der Elementarfürsten vordringen konnten und wie eng die Ereignisse unter Vashj'ir mit dem kosmischen Gefüge Azeroths verbunden sind.
Reich, Instanz und ein nie gebauter Flügel
Der Name Abyssischer Schlund bezeichnet in erster Linie die gesamte Wasser-Domäne. Im Spiel dient ein erreichbarer Abschnitt zugleich als Knotenpunkt für den Thron der Gezeiten. Daneben war ein weiterer Dungeon mit demselben Namen geplant, der die Geschichte Neptulons fortführen sollte, aber nie veröffentlicht wurde. Dieser verworfene Instanzflügel darf nicht mit dem kanonischen Reich selbst verwechselt werden.
Der Schlund blieb auch nach dem Kataklysmus Teil der Welt. Während der dritten Invasion der Brennenden Legion führte die Suche nach Sharas'dal erneut zum Thron, und später öffneten primalistische Kräfte Verbindungen in die Wasserdomäne. Dadurch bleibt der Ort mehr als eine Kulisse für ein einzelnes Abenteuer. Er ist das elementare Gegenstück zu Tiefenheim, Himmelswall und den Feuerlanden: ein dauerhaftes Reich, dessen Strömungen immer wieder in die Geschichte Azeroths hineinreichen.