Neltharions geheime Armee
Weit nördlich der übrigen Dracheninseln richtete Neltharion ein abgeschiedenes Ausbildungsgebiet ein. Dort erschuf er die Dracthyr, indem er die Kraft der Drachen mit der Anpassungsfähigkeit sterblicher Völker verband. Sie sollten Magie verschiedener Drachenschwärme einsetzen können und als bewegliche Armee unter seinem Befehl kämpfen. Die Insel war in Kriegskinderstuben, Übungsgelände und Gewölbe gegliedert. Jede Einheit wurde auf eine bestimmte Aufgabe vorbereitet.
Neltharion verließ sich nicht allein auf ihre Loyalität. Ein titanisches Artefakt half ihm, den Willen der Dracthyr zu beherrschen. Im Kampf gegen Raszageth zerbrach diese Kontrolle. Die Inkarnation wurde zwar im Froststeingewölbe eingeschlossen, doch Neltharion sah seine Soldaten nun als Gefahr. Malygos versiegelte die Dracthyr in magischer Stasis. Die Insel wurde aufgegeben und aus der Geschichte der übrigen Welt entfernt.
Erwachen ohne Befehlshaber
Rund zwanzigtausend Jahre später griffen die Primalisten die Insel an und befreiten Raszageth. Die Dracthyr erwachten in zerfallenden Kammern. Für sie war kaum Zeit vergangen, doch Neltharion war längst zu Todesschwinge geworden und gefallen. Ihre vertraute Befehlskette existierte nicht mehr. Emberthal, Sarkareth und Scalecommander Azurathel versuchten, die Überlebenden zu sammeln, während die Insel unter Angriffen und elementaren Erschütterungen auseinanderbrach.
Die Dracthyr mussten die Verbotene Insel verlassen und suchten bei Horde und Allianz neue Verbündete. Ihre Trennung folgte nicht einfach den alten Fraktionen Azeroths. Manche sahen in sterblichen Völkern eine Möglichkeit, selbstständig zu leben. Andere wollten Neltharions Vermächtnis zurückholen. Die Frage nach ihrer Herkunft wurde damit zum politischen Streit: Waren sie freie Personen oder eine Armee, deren Sinn nur verloren gegangen war?
Sarkareth und die Zerrissene Flamme
Sarkareth führte die Zerrissene Flamme. Er glaubte, Neltharion habe den Dracthyr eine besondere Bestimmung hinterlassen, und suchte auf der Insel nach verborgenen Aufzeichnungen und Waffen. Seine Bewegung gewann Anhänger, weil die Dracthyr nach dem Erwachen kaum eigene Erinnerungen außerhalb des militärischen Dienstes besaßen. Ein Erbe, selbst ein gefährliches, schien manchen besser als ein Leben ohne eindeutigen Auftrag.
Die Rückkehr auf die Insel führte in die Zskera-Gewölbe und andere versiegelte Bereiche. Dort lagen Experimente, Vorräte und Hinweise auf Neltharions spätere Forschungen. Sarkareth fand den Weg nach Aberrus, dem geheimen Labor des Erdwächters. Die Insel wurde dadurch zum Ausgangspunkt einer Suche, die nicht zu einer ruhmreichen Vergangenheit führte, sondern zu den Orten, an denen Neltharion Lebewesen als Material für seine Pläne behandelt hatte.
Eine Heimat nach der Gefangenschaft
Nach Sarkareths Aufbruch blieb die Verbotene Insel ein Ort der Rückkehr. Dracthyr untersuchten ihre ehemaligen Quartiere, retteten zurückgelassene Artgenossen und setzten sich mit den Erinnerungen an ihre Ausbildung auseinander. Emberthal widersprach der Vorstellung, Freiheit müsse durch eine neue Befehlskette ersetzt werden. Sie suchte nach einer Gemeinschaft, die ihre Herkunft anerkennen konnte, ohne Neltharions Absichten weiterzuführen.
Die Insel ist deshalb mehr als ein Startpunkt der Dracthyr. Ihre leeren Übungsplätze und Stasiskammern zeigen, wie vollständig Neltharion ihre Welt bestimmt hatte. Als sie erwachten, besaßen sie Fähigkeiten, Namen und militärische Rollen, aber keine vorbereitete Zukunft. Ihr weiterer Weg begann mit der Entscheidung, dass die Absicht ihres Schöpfers nicht über ihr ganzes Leben verfügen durfte.