Das Gebirge zwischen Wald und Steppe
Westlich des Brachlands steigen schroffe Bergrücken aus der Ebene auf. Zwischen ihren Gipfeln liegen Wälder, Seen und geschützte Täler, die den Übergang von den trockenen Ländern des Südens nach Eschental bilden. Für die Tauren waren diese Höhen seit langer Zeit Jagdland und heiliger Boden. Nachtelfische Druiden suchten abgeschiedene Haine auf, in denen die Natur noch weitgehend ungestört blieb. Das Gebirge gehörte keinem Königreich; seine Ordnung beruhte auf Wegen, Überlieferungen und dem Respekt vor Orten, die älter waren als die jüngeren Siedlungen ringsum.
Diese Abgeschiedenheit schützte das Land jedoch nicht dauerhaft. Harpyien nisteten in den Höhen, Kobolde gruben in den Felsen, und im Verkohlten Tal war die Natur bereits durch Feuer und dämonische Spuren verletzt. Die Bewohner kannten das Gebirge daher nie als vollkommen friedliche Wildnis. Es war ein Grenzraum, in dem jede Gemeinschaft nur einzelne Täler und Pässe sichern konnte.
Holz, Erz und die Scherwindmine
Mit den Goblins der Venture Company kam eine neue Art des Zugriffs. Ihre Arbeiter fällten Wälder, sprengten Hänge und trieben die Scherwindmine in den Berg. Für das Unternehmen waren die Steinkrallen kein heiliger Ort, sondern ein Vorrat aus Holz und Erz. Maschinen ersetzten Rücksicht, und bewachte Lager machten aus wirtschaftlicher Ausbeutung eine bewaffnete Besetzung.
Tauren, Nachtelfen und andere Verteidiger widersetzten sich dem Raubbau aus unterschiedlichen Gründen. Die einen schützten ihre Heimat, die anderen versuchten, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Ihr gemeinsamer Gegner zeigte, dass die großen Konflikte Kalimdors nicht immer mit Dämonen oder Armeen begannen. Manchmal reichte eine Gesellschaft, die in einem Berg nur das sah, was sich aus ihm herausholen ließ.
Ein umkämpfter Weg nach Eschental
Nach der Gründung Orgrimmars gewann das Gebirge strategische Bedeutung. Die Horde brauchte Wege zwischen dem Brachland, Mulgore und den nördlichen Wäldern. Gleichzeitig beobachteten die Nachtelfen jede weitere Ausdehnung mit Misstrauen, weil der Holzeinschlag in Eschental bereits einen offenen Krieg ausgelöst hatte. Außenposten entstanden, Patrouillen sicherten Pässe, und aus alten Jagdwegen wurden militärische Verbindungen.
Damit gerieten auch jene Bewohner zwischen die Fronten, die keiner der beiden großen Mächte folgen wollten. Die Grimtotem-Tauren nutzten abgelegene Höhen für ihre eigenen Ziele, während Horde und Allianz das Gebirge zunehmend als Vorfeld ihrer Auseinandersetzungen behandelten. Aus einem schwer zugänglichen Grenzland wurde ein Gebiet, dessen Täler über Nachschub und Bewegung ganzer Armeen entschieden.
Thal'darah und Krom'gars Bombe
Während des erneuten Fraktionskrieges führte der orcische General Krom'gar die Horde mit wachsender Härte durch die Steinkrallen. Sein Feldzug richtete sich gegen die Allianz, traf aber schließlich den Druidenhain Thal'darah. Eine gewaltige Bombe vernichtete den Ort und tötete zahlreiche Unbeteiligte. Krom'gar erklärte den Angriff zum militärischen Erfolg; für die Überlebenden war er die Zerstörung eines Heiligtums, das nicht zum Schlachtfeld hätte werden dürfen.
Garrosh Höllschrei ließ Krom'gar hinrichten, als er von der Tat erfuhr. Die Szene offenbarte einen Widerspruch in Garroshs Herrschaft: Er verlangte einen aggressiven Krieg, wollte ihn aber an eine Vorstellung von Ehre binden, die seine eigenen Befehlshaber nicht zuverlässig teilten. Für das Gebirge kam die Verurteilung zu spät. Thal'darah blieb ein Beispiel dafür, wie schnell strategische Sprache die Vernichtung eines bewohnten Ortes verdecken konnte.
Was die Steinkrallen bewahren
Die Steinkrallengebirge tragen mehrere Geschichten zugleich. Ihre Haine erinnern an taurenische und nachtelfische Traditionen, die Minen an rücksichtslosen Rohstoffhunger und die Festungen an den langen Krieg um Nordkalimdor. Keine dieser Schichten hat die anderen vollständig verdrängt. Selbst dort, wo neue Bäume wachsen, bleiben verbrannte Täler und aufgegebene Maschinen sichtbar.
Darum ist das Gebirge mehr als eine Verbindung zwischen bekannteren Ländern. Es zeigt, wie aus einem Randgebiet ein politischer Mittelpunkt werden kann, sobald Holz, Erz und Straßen begehrt werden. Wer hier herrscht, entscheidet nicht nur über Berge, sondern darüber, ob Kalimdors alte Landschaften als Heimat, Heiligtum oder Materiallager behandelt werden.