An Nozdormus Seite
Soridormi gehört zu den ältesten und mächtigsten Bronzedrachen. Als erste Gefährtin Nozdormus und zweite Anführerin des Schwarms trug sie Verantwortung für die Zeitwege, wenn der Aspekt selbst abwesend war. Ihre Aufgabe bestand nicht darin, jede Tragödie zu verhindern. Die Bronzedrachen sollten den einen wahren Verlauf bewahren, selbst wenn er Leid enthielt. Diese Pflicht verlangte eine Härte, die leicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden konnte.
Schon im Krieg der Schuppen stand Soridormi in den Konflikten der jungen Drachenwelt. Später wurde die Höhle der Zeit zum Zentrum ihrer Arbeit. Dort überwachten Bronzedrachen jene Stellen, an denen die Vergangenheit besonders leicht verändert werden konnte.
Der Krieg der Ahnen und die Drachenseele
Als die Zeitwege durch Eingriffe erschüttert wurden, bemerkte Soridormi die fremde Bewegung. Die Drachenseele verband Gegenwart und Vergangenheit auf gefährliche Weise. Soridormi half, den Weg in den Krieg der Ahnen zu sichern, und trug Broxigar in jene Epoche, in der sein Schicksal auf die Brennende Legion traf.
Jahrtausende später musste dieselbe Drachenseele erneut aus der Vergangenheit geholt werden, um Todesschwinge aufzuhalten. Für den bronzenen Schwarm war das ein Widerspruch: Die Hüter der Zeit erlaubten einen Eingriff, damit die Gegenwart überleben konnte. Soridormi stand damit an einer Grenze zwischen Bewahren und bewusstem Handeln.
Die Wächterin der Höhle der Zeit
Soridormi führte die Schuppen der Sande, die Eindringlinge in den Zeitwegen bekämpften. Am Berg Hyjal, in Stratholme und an anderen Knoten versuchte der ewige Drachenschwarm, entscheidende Ereignisse umzuschreiben. Nicht jede Absicht der Ewigen war bloß Zerstörung; manche wollten Leid verhindern. Doch eine veränderte Vergangenheit hätte unzählige Leben und Erinnerungen ausgelöscht, die aus diesem Leid hervorgegangen waren.
Diese Kämpfe machten Zeit zu einer moralischen Last. Soridormi musste Ereignisse verteidigen, die sie selbst nicht gutheißen konnte. Sie tat es, weil niemand die Folgen einer scheinbar barmherzigen Korrektur vollständig überblicken konnte.
Die Vision des eigenen Todes
Auf der Zeitlosen Insel erhielt Soridormi eine Vision ihrer Zukunft. Sie sah sich sterben, während Kairozdormu und die Zeitwege in Gefahr gerieten. Für ein gewöhnliches Wesen wäre eine solche Ahnung vielleicht Warnung oder Fluch. Für eine Bronzedrachin war sie Teil jener Zukunft, die ihr Schwarm zu bewahren geschworen hatte.
Soridormi versuchte nicht, aus Angst jeden möglichen Weg zu schließen. Sie bereitete die Zeitwanderer vor und setzte ihre Arbeit fort. Das Wissen um den eigenen Tod machte ihre Pflicht nicht leichter, aber konkreter. Nozdormu kannte seit Langem das Schicksal, eines Tages zu Murozond zu werden; Soridormi teilte nun auf andere Weise die Last einer Zukunft, die man kennt und dennoch nicht einfach vermeiden darf.
Zeit nach dem Verlust der Aspekte
Nachdem die Aspekte ihre titanische Macht geopfert hatten, blieb der bronzene Schwarm für die Zeitwege verantwortlich. Auf den Dracheninseln half Soridormi bei den Zeitrissen und unterstützte Chromie in der Suche nach Nozdormu. Die Bedrohung durch Murozond zeigte, dass der gefährlichste Feind des Schwarms aus seinem eigenen Inneren entstehen konnte.
Soridormi steht deshalb für eine Form von Mut, die selten sichtbar wird. Sie stürzt sich nicht nur in Kämpfe, sondern lebt Tag für Tag mit Wissen, das andere zerbrechen könnte. Ihre Geschichte erinnert daran, dass Zeitwächter keine Herren über die Zukunft sind. Sie sind ihre Diener, und manchmal bedeutet ihr Dienst, auf einen bekannten Schmerz zuzugehen, ohne ihm die gesamte Gegenwart zu opfern.