Der Schatten nach Y'Shaarjs Tod
Als Aman'Thul den Alten Gott Y'Shaarj aus Azeroth riss, starb dessen Einfluss nicht mit dem Körper. Die letzten Atemzüge tränkten Pandaria mit dunkler Macht. Starke Gefühle konnten diese Rückstände wecken und ihnen Form geben. So entstanden die großen Sha. Das Sha der Angst war daher kein fremdes Tier, das zufällig in die Welt gelangte. Es war Furcht, die lange genug genährt worden war, um Zähne, Klauen und einen eigenen Willen zu entwickeln.
Angst ist unter den Gefühlen besonders leicht mit Vernunft zu verwechseln. Sie warnt vor Gefahren, macht den Körper schnell und kann Leben retten. Das Sha begann dort, wo Warnung zur Herrschaft wurde. Es flüsterte, jede Unsicherheit verlange Gehorsam, jeder Fremde sei ein kommender Feind und jede mögliche Niederlage müsse durch noch härtere Kontrolle verhindert werden. Wer ihm folgte, fühlte sich nicht schwach. Er glaubte oft, endlich vorsichtig genug zu handeln.
Shaohao vor dem gefangenen Freund
Vor der Großen Teilung musste Kaiser Shaohao seine inneren Lasten überwinden, um Pandaria zu schützen. In den Schreckensöden geriet der Affenkönig in die Ranken eines Kyparibaums, während Mantiden näher kamen. Shaohao erstarrte. Seine Furcht konnte ihm Gründe liefern, weshalb ein Angriff zu gefährlich und das Warten klüger sei. Doch jeder verstrichene Augenblick ließ seinem Freund weniger Zeit.
Der Kaiser erinnerte sich an Niuzaos Lehre und handelte trotz seiner Angst. Er zerschlug den Baum, dessen Harz die Mantiden festhielt, und befreite den Affenkönig. Damit vernichtete er die Furcht nicht aus sich. Er entzog ihr das Recht, allein zu entscheiden. Das hervorgetretene Sha wurde gebannt und beim Niuzaotempel eingeschlossen. Pandarias Nebel bewahrten das Gefängnis über Jahrtausende, solange das Land seinen angespannten Frieden hielt.
Der Krieg öffnet das Gefängnis
Als Horde und Allianz nach Pandaria kamen, brachten sie eine Feindschaft mit, die in jedem unbekannten Geräusch einen Hinterhalt erwartete. Ihre Gewalt stärkte die Sha und ließ alte Siegel brechen. Das Sha der Angst entkam aus dem Niuzaotempel in die Schreckensöden. Dort fand es ein Reich, dessen Überleben seit Generationen auf ständiger Vorbereitung für Krieg beruhte: die Mantiden und ihre Großkaiserin Shek'zeer.
Die Mantiden kannten Angst, ohne sich ihr gewöhnlich zu unterwerfen. Ihre Schwärme prüften die Stärke der Mauer und opferten viele Junge in einem harten Kreislauf. Das Sha verdrehte diese Ordnung. Shek'zeer sah Verrat überall, beseitigte Ratgeber und zwang das Reich in einen verfrühten, ungeordneten Angriff. Der Schutz des Schwarms wurde zur Begründung, ihn von innen zu zerreißen. Selbst die Klaxxi wandten sich gegen ihre Kaiserin, weil ihre Treue zur langen Ordnung größer war als der Gehorsam gegenüber einer beherrschten Herrscherin.
Vom Herz der Angst zur Terrasse
Nach Shek'zeers Tod floh das Sha aus dem Herz der Angst zur Terrasse des Endlosen Frühlings. Der Ort war als Zuflucht und Erinnerung an Shaohao bewahrt worden. Nun vergiftete die Kreatur die heilenden Wasser, verdarb Beschützer und zwang selbst Tsulong und Lei Shi in seinen Einfluss. Der Gegensatz war nicht zufällig. Angst sucht bevorzugt Orte auf, an denen Sterbliche Sicherheit erwarten, weil ihr Verlust dort am tiefsten wirkt.
Helden durchbrachen die verdrehten Verteidigungen und stellten sich dem Sha. Im Kampf trennte es Gefährten voneinander und schleuderte sie in eigene Schrecken. Besiegt wurde es durch Rückkehr, Zusammenhalt und den fortgesetzten Schritt auf das Zentrum zu. Mit seinem Fall endete diese große Verkörperung der Angst. Das Gefühl selbst verschwand selbstverständlich nicht aus Pandaria, und gerade darin liegt der Unterschied zwischen einem besiegten Sha und einer überwundenen inneren Last.
Mut ist kein Leben ohne Furcht
Die Geschichte des Sha der Angst behauptet nicht, mutige Wesen hätten keine Angst. Shaohao zitterte, bevor er den Baum zerschlug. Die Klaxxi erkannten, dass Widerstand gegen die Kaiserin ihr Volk in einen Bürgerkrieg führen konnte. Die Verteidiger der Terrasse traten einem Wesen entgegen, das ihre persönlichen Schrecken kannte. Mut bestand jedes Mal darin, die Gefahr zu sehen, ohne ihr sämtliche Entscheidungen zu überlassen.
Darum bleibt das Sha auch nach seinem Tod verständlich. Ein Herrscher, der aus Sorge jede Stimme zum Schweigen bringt, ein Volk, das Fremde vorsorglich entmenschlicht, oder ein Krieger, der aus Angst vor Verlust zuerst alles zerstört, geben demselben Schatten eine kleinere Gestalt. Furcht darf warnen. Sobald sie aber bestimmt, wer sprechen, leben oder hoffen darf, baut sie ihren eigenen Tempel, lange bevor schwarze Klauen aus dem Boden steigen.