Der Weg nach Terrasse der Magister
Auf der Insel von Quel'Danas wurde die Terrasse der Magister zur letzten Zuflucht Kael'thas Sonnenwanderers. Nach seiner Niederlage in der Festung der Stürme kehrte der Blutelfenprinz durch Delrissas Eingreifen und die Macht der Legion verändert zurück. Seine verbliebenen Anhänger hielten die Räume, während der Sonnenbrunnen nicht als Heiligtum, sondern als Tor für Kil'jaeden vorbereitet wurde. In Priesterin Delrissa erhält ein eigener Teil dieser Geschichte Gestalt.
Als Kael'thas in der Festung der Stürme zusammenbrach, schien der Verrat des Prinzen beendet. Doch Kil'jaeden hatte bereits zu viel in seinen Diener und dessen Zugang zum Sonnenbrunnen investiert. Der Dämonenfürst schickte Delrissa zum Schauplatz der Niederlage. Sie kam nicht, um zu trauern oder einen Leichnam zu bergen. Ihre Aufgabe war es, aus dem gefallenen Blutelfen wieder ein brauchbares Werkzeug zu machen.
Die Wiederkehr des Sonnenkönigs
Delrissa entriss Kael'thas dem Tod, aber sie gab ihm sein früheres Leben nicht zurück. Teufelsmagie hielt den bleichen Körper zusammen, ein grüner Kristall saß in seiner Brust, und der Prinz kehrte mit nur noch drei seiner einst vier Sphären nach Quel'Danas zurück. Die Wiederbelebung wirkte damit wie ein sichtbarer Vertrag: Jeder weitere Atemzug gehörte dem Herrn, dessen Priesterin ihn ermöglicht hatte.
Nach dem Nethersturm blieb Delrissa in Kael'thas' Nähe. Sie war Heilerin, Aufseherin und Erinnerung daran, wem sein zweites Leben diente. Während der Prinz den Sonnenbrunnen als Tor für Kil'jaeden vorbereitete, sicherte sie die Terrasse. Ihre Loyalität galt nicht der untergegangenen Dynastie der Sonnenwanderer, sondern dem Plan der Legion, für den Kael'thas nur noch die königliche Hand am richtigen Schlüssel war.
Acht Wege in denselben Krieg
Delrissa sammelte einen militanten Kreis aus sehr unterschiedlichen Gefährten: den gebrochenen Schamanen Apoko, den Blutelfen Eramas Feuerblick, die Hexenmeisterin Ellrys Düsterwahn, den Satyrjäger Garaxxas, den Schurken Kagani Nachtschlag, den Nagakriegsfürsten Salaris, den Astralenmagier Yazzai und den Gan'arg-Ingenieur Zelfan. Herkunft und Volk verbanden sie nicht. Was sie einte, war die Bereitschaft, Delrissa bis zum Tod zu verteidigen.
Nicht alle acht begleiteten die Priesterin in jede Schlacht. Je vier bildeten den Kreis, der Eindringlinge empfing. Dadurch besaß ihre Verteidigung keine einzige, verlässliche Form. Klingen konnten neben Totems stehen, Dämonen neben Fallen, Heilung neben Maschinen und arkane Kontrolle neben der Wildheit eines Satyrs. Delrissa führte keine gewöhnliche Palastwache, sondern eine kleine Kriegsgruppe, deren Verschiedenheit selbst zur Waffe wurde.
Eine Schlacht wie auf offenem Feld
Delrissa und ihre Gefährten hielten sich nicht an die ordentliche Rollenverteilung einer bewachten Halle. Sie wechselten Ziele, brachen Kontrolle ab, jagten Verwundete und schützten einander. Die Priesterin heilte, schirmte, bannte fremde Magie und trieb Gegner mit einem Schrei auseinander. Wer ihr gegenüberstand, musste nicht eine Anführerin und vier Untergebene bezwingen, sondern fünf eigenwillige Kämpfer, die wie eine erfahrene gegnerische Gruppe aufeinander reagierten.
In Delrissas Händen war Heilung keine Barmherzigkeit. Sie verlängerte den Kampf, stellte Waffen wieder auf die Beine und entzog ihren Gegnern den Augenblick, in dem ein Sieg bereits sicher schien. So wie sie Kael'thas zurückgebracht hatte, verweigerte sie auch ihren Gefährten das Ende, solange ihre Magie reichte. Ihre Gabe bewahrte Leben, aber nur damit dieses Leben weiter für Kil'jaeden kämpfen konnte.
Selbst wenn Delrissa zuerst fiel, verstummte ihre Gegenwart nicht sofort. Ihre Gefährten kämpften weiter, und ihre spöttische Stimme konnte die Schlacht noch begleiten. Erst wenn der ganze Kreis niedergestreckt war, öffnete sich der Weg zu Kael'thas. Das passte zu einer Priesterin, deren größte Tat bereits darin bestanden hatte, eine Niederlage nicht als Ende gelten zu lassen.
Die Frau hinter Kael'thas' letztem Kapitel
Delrissas Fall beseitigte die Beschützerin des zurückgekehrten Prinzen. Ohne ihre Reise in den Nethersturm hätte es die letzte Schlacht auf der Terrasse, den Raub M'urus und den Versuch, Kil'jaeden durch den Sonnenbrunnen zu rufen, in dieser Form nicht gegeben. Sie stand nicht im Mittelpunkt der großen Prophezeiungen, doch sie verband zwei scheinbar getrennte Katastrophen: Kael'thas' Niederlage in der Scherbenwelt und den Angriff auf das Heiligtum seines eigenen Volkes.