Der Weg nach Burg Schattenfang
Burg Schattenfang war nach Arugals Ende keine leere Ruine geblieben. Geister, Worgen und alte Flüche hielten sich in ihren Mauern, bis Lord Godfrey und seine ebenfalls untoten Verbündeten dort Zuflucht suchten. Die gilnearischen Verräter hatten Genn Graumähne den Verlassenen ausliefern wollen, waren gestorben, wiedererweckt worden und hatten schließlich auch Sylvanas verraten. In der Burg verteidigten sie kein Reich mehr, sondern nur noch ihre Freiheit von jedem Herrn. In Lord Godfrey nahm ein eigener Teil dieses Angriffs Gestalt an.
Godfrey gehörte zu Genn Graumähnes einflussreichen Adeligen und führte die stehende Miliz. Schon bei der Bildung der Allianz von Lordaeron dachte er politisch: Gilneas sollte gerade genug Soldaten senden, um Ansehen und Handel zu sichern, aber nicht genug, um sich für fremde Reiche zu verausgaben. Genn schätzte seinen Verstand und misstraute seinem Ehrgeiz.
Die Mauer und das eingeschlossene Land
Godfrey unterstützte Gilneas' Absonderung hinter dem Graumähnenwall. Die Mauer versprach Kontrolle über äußere Gefahren, verschärfte aber innere Brüche. Als Bürgerkrieg, Worgenfluch und Verlasseneninvasion zusammenkamen, konnte selbst ein gut organisierter Milizführer nicht mehr so tun, als lasse sich jedes Problem durch ein geschlossenes Tor außerhalb halten.
Als Godfrey erfuhr, dass Genn und viele Gilneer Worgen geworden waren, empfand er dies als unerträgliche Entwürdigung des Reiches. Er beteiligte sich an der Gefangennahme des Königs und wollte ihn Sylvanas ausliefern. Sein Widerstand galt nicht nur einer politischen Entscheidung. Er weigerte sich grundsätzlich, die verwandelte Gestalt eines früheren Menschen als rechtmäßigen Herrn anzuerkennen.
Tod statt Anerkennung
Nach dem Scheitern der Verschwörung nahm Godfrey sich das Leben, anstatt einem Worgen die Treue zu schwören. Der Suizid sollte seine letzte selbstbestimmte Entscheidung sein. Doch in einem Krieg mit den Verlassenen blieb selbst der eigene Tod kein sicherer Besitz. Sein Körper wurde geborgen und zum Untod erhoben.
Als wiedererweckter Agent diente Godfrey den Verlassenen lange genug, eine neue Gelegenheit zu erkennen. Er erschoss Sylvanas aus nächster Nähe und floh. Die Bansheekönigin kehrte durch die Val'kyr zurück, doch Godfreys Tat blieb ein bemerkenswerter Verrat: Ein Mann, den sie als Werkzeug aus dem Tod geholt hatte, benutzte das geschenkte Nachleben, um sie selbst in den Tod zu schicken.
Mit Ashbury und Walden besetzte Godfrey Arugals alte Burg. Dort sammelte er Ghule und verteidigte sich mit zwei Pistolen. Die Waffen passten zu ihm: schnell, präzise und aus der Entfernung tödlich. Er wollte keinen Herrn mehr über sich dulden, baute seine Freiheit aber auf Körpern auf, die ihm ebenso willenlos dienen sollten wie er selbst keinem dienen wollte.
Der letzte Verrat findet kein neues Reich
Godfrey fiel in Burg Schattenfang, bevor er aus seinem Widerstand eine dauerhafte Macht machen konnte. Er hatte Genn verraten, den eigenen Tod gewählt, Sylvanas verraten und jede Gemeinschaft hinter sich gelassen. Sein Scharfsinn war real, doch er kannte fast nur die Freiheit des Neins. Am Ende blieb kein Land, das er führen wollte, nur eine Ruine, in der er jedem nachfolgenden Anspruch mit Kugeln antwortete.