Der weiße Wolf vor allen Zäunen
Goldrinn gehört zu den Wilden Göttern Azeroths und erscheint als gewaltiger weißer Wolf. Er verkörpert den Instinkt des Jägers, die Kraft eines Tieres, das Nahrung wittert oder seine Jungen bedroht sieht, und einen Willen, den selbst der Tod nicht leicht zurückhält. Nachtelfen nennen ihn Goldrinn, Tauren Lo'Gosh, den Geisterwolf. Auch andere Völker tragen eigene Fassungen seiner Legende.
Sein edles Herz stand immer im Schatten seiner Blutgier. Überlieferungen erzählen, Elunes Licht habe ihn wie ein tadelnder Blick getroffen, weil er seine Wildheit nicht zügelte. Goldrinn antwortete mit noch größerem Trotz. Damit ist er kein sanfter Beschützer in Wolfsform. Seine Kraft rettet, wenn sie sich zwischen Familie und Gefahr wirft, und verwüstet, wenn der Kampf selbst an die Stelle dessen tritt, was geschützt werden sollte.
Die Zähne im Heer der Legion
Im Krieg der Ahnen stürzte sich Goldrinn in die Reihen der Brennenden Legion. Wo andere vor der Zahl der Dämonen zurückwichen, wurde seine Wut durch jeden neuen Gegner größer. Hunderte fielen unter Klauen und Zähnen. Sein Kampf wurde in vielen Kulturen weitergetragen, weil er zeigte, dass selbst ein scheinbar endloses Heer an einem einzigen unbeugsamen Willen brechen konnte.
Die Legende bewahrte jedoch auch seine gefährliche Seite. Goldrinn kannte im Rausch kaum Maß und ließ sich nicht leicht führen. Wer nur seine Zahl getöteter Dämonen bewundert, übersieht, warum Elunes Urteil in den Geschichten neben seiner Tapferkeit steht. Ein Beschützer muss nicht weniger wild sein als der Feind. Er muss wissen, wann der Feind gefallen ist und die eigene Klaue wieder sinken darf.
Die Rudelform und der Worgenfluch
Nachtelfische Druiden versuchten später, Goldrinns Gestalt als Rudelform anzunehmen. Die Kraft war so schwer zu beherrschen, dass viele in tierischer Raserei versanken. Ralaar Fangfeuer und Belysra Sternenhauch verbanden einen Fangzahn Goldrinns mit Elunes Stab zur Sense von Elune. Das Werkzeug sollte die wilde Form zügeln, verwandelte die Druiden aber in die ersten Worgen.
Goldrinn war damit indirekte Quelle des Fluchs, nicht sein planender Urheber. Seine Gabe legte eine Kraft frei, für welche die Anwender keine innere Form gefunden hatten. Die Worgen trugen fortan denselben Widerspruch in sich: geschärfte Sinne und gewaltige Stärke neben der Gefahr, Freund und Feind im Rausch zu verwechseln. Erst Rituale, Gemeinschaft und bewusste Erinnerung ermöglichten vielen, Mensch und Tier zugleich zu bleiben.
Der Schatten am Hyjal
Während des Kataklysmus entweihten Diener des Schattenhammers Goldrinns Schrein am Hyjal. Lycanthoth erschien als verdorbene Nachahmung des Wolfsgeistes, und korrumpierte Worgen besetzten den heiligen Ort. Verteidiger reinigten den Schrein und bezwangen die dunkle Gestalt. Goldrinns Geist half anschließend, die Angreifer aus den Wäldern zu treiben.
Die Episode zeigte, dass selbst die Verkörperung ungebändigter Wildheit verdreht werden konnte. Lycanthoth war nicht Goldrinns wahres Wesen, sondern eine Form, die nur Blutdurst ohne edlen Grund übrig ließ. Die Reinigung bestand deshalb nicht darin, den Wolf zahm zu machen. Sie gab seiner Wut wieder ein Gegenüber, das tatsächlich den Wald bedrohte, und ein Ende, sobald die Bedrohung zurückgeschlagen war.
Warum der Wolf Varian wählte
Goldrinn erkannte in Varian Wrynn große Wildheit, aber auch etwas, das ihm selbst schwerfiel. Der König lernte, seinen Zorn zum Schutz seines Sohnes und Volkes zu führen, statt sich von ihm beherrschen zu lassen. Im Kampf um Eschental erschien Goldrinns Geist an Varians Seite. Der Name Lo'Gosh, den der König als Gladiator getragen hatte, wurde nun mehr als ein Beiname.
Nach Varians Tod zog Goldrinn sich trauernd zurück. Während der Legioninvasion verhinderten Druiden seine Verderbnis, und der Wolfsgeist erkannte, dass weitere Wilde Götter bedroht waren. Goldrinn lebt und kämpft weiter für Traum und Wildnis. Seine Wahl Varians bleibt dabei vielleicht seine klarste Selbsterkenntnis: Der große Wolf ehrte nicht den Menschen mit der größten Wut, sondern denjenigen, der einen Grund kannte, sie zu beenden. Darin liegt die Form von Stärke, die Goldrinn selbst über Zeitalter suchte.