Das Kind auf dem Luftschiff
Faerin wurde im arathischen Imperium in die adelige Familie Lothar geboren. Ihre Eltern sahen für sie ein stilles Leben zwischen Büchern, Verträgen und Pflichten vor. Faerin empfand diese Zukunft als Urteil. Als eine Expedition dem Ruf Beledars folgte, schlich sie sich als Kind an Bord. Sie wollte ihrer Familie entkommen und selbst herausfinden, warum das Licht in der Ferne nach den Arathi rief.
Die Luftschiffe wurden in die Tiefe Heilsturzs gerissen. Faerin lag unter Trümmern, verlor ihr linkes Auge und den linken Arm, bewahrte aber unter Lebensgefahr die Glut der Ewigen Flamme. Generalin Stahlstreich grub sie aus und sagte ihr, wer sich auf ein Kriegsschiff schleiche, müsse fortan als Soldatin leben. Faerin nahm diese Worte ernster, als die Generalin vielleicht beabsichtigt hatte.
Von der Waise zur Fackelträgerin
Da Faerin zunächst das einzige Kind in Heilsturz war, entstand in Mereldar eine Unterkunft für sie, aus der später ein Waisenhaus wurde. Sie lernte, sich ohne Arm neu anzuziehen, zu kämpfen und ihren Alltag zu bewältigen. Ihr fehlender Arm wurde nicht durch eine perfekte Maschine ersetzt. Eine Rüstungsschmiedin fertigte ihr einen Schild, den Faerin an der Schulter trug und zu einem Teil ihres eigenen Kampfstils machte.
Faerin wollte lange der Armee beweisen, dass sie trotz ihrer Verletzungen genügen konnte. Ihre Bereitschaft, Menschen zu retten, brachte sie jedoch immer wieder in Konflikt mit militärischer Disziplin. Nach einer eigenmächtigen Rettungsaktion entließ Stahlstreich sie. Erst dadurch fand Faerin zu den Fackelträgern, die während Beledars dunkler Phasen Feuer entzündeten, Reisende schützten und den Siedlungen Hoffnung brachten.
Anduin in der Dunkelheit
Als Anduin Wrynn nach Heilsturz kam, hatte er das Vertrauen in das Licht verloren. Zovaal hatte ihn als Waffe benutzt, und Anduin fürchtete, ein Teil von ihm habe die Freiheit von Zweifel und Verantwortung genossen. Faerin antwortete nicht mit einer Predigt. Sie erzählte von ihrer Flucht, ihrer Verstümmelung und den Fehlern, die sie trotzdem nicht unwürdig machten.
Gemeinsam kämpften sie gegen den Orden der Nacht und reinigten einen verdorbenen Dämmerungsturm. Faerin bat Anduin, am Schwur der Fackelträger teilzunehmen. Das Licht antwortete auch ihm. Für Anduin war dies kein vollständiges Ende seiner Schuld, aber ein erster Beweis, dass Zweifel und Glaube nebeneinander bestehen konnten.
Heilsturz verteidigt sich selbst
Faerin stritt mit Stahlstreich darüber, ob Befehle oder Menschen zuerst gerettet werden mussten. Als der Orden der Nacht die Ewige Flamme verdarb und Beledar sich verdunkelte, wollte die Generalin den Rückzug befehlen. Faerin blieb. Sie erklärte, Beledar habe die Arathi geführt, werde sie aber nicht an ihrer Stelle retten. Soldaten und Zivilisten entzündeten gemeinsam die Flamme neu.
Diese Entscheidung veränderte Heilsturz. Die Menschen warteten nicht länger nur auf ein Zeichen von oben. Ihr Glaube wurde zu einer Verantwortung, die sie selbst trugen. Faerin führte später die Verteidigung gegen Ansureks Neruber und trauerte um Freunde wie Andari und Ryton, ohne deren Tod in eine einfache Heldengeschichte zu verwandeln.
Der Name Lothar
Anduin erkannte Faerins Familiennamen. Sein eigener Namensgeber Anduin Lothar hatte die Menschen nach Stormwinds Fall geführt. Faerin vermutete, ihre Familie und die Lothars der östlichen Königreiche seien entfernte Zweige derselben Linie. Diese Verbindung machte sie nicht zur Erbin eines fremden Heldentitels. Sie gab beiden vielmehr eine gemeinsame Vergangenheit, die jahrtausendelang getrennt gewesen war.
Faerin entschied sich schließlich, Heilsturz zeitweise zu verlassen und die Welt jenseits der Tiefe kennenzulernen. Sie nahm Abschied von den Fackelträgern und den Toten, die ihren Weg geprägt hatten. Das Kind, das einst vor einem vorherbestimmten Leben davonlief, ging nun freiwillig in eine größere Welt. Nicht weil sie keine Heimat gefunden hatte, sondern weil sie gelernt hatte, dass eine Flamme weitergetragen werden muss, wenn ihr Licht mehr als einen einzigen Ort erreichen soll.