Ein Friedhof am Rand von Azj-Kahet
Arathis Ende lag dort, wo die arathischen Vorstöße in die Höhlen von Azj-Kahet übergingen. Der Name bezeichnete keinen friedlichen Grenzort. In der Erde lagen Soldaten und Lampenanzünder, die bei früheren Kämpfen gefallen waren. Ihre Gräber erinnerten daran, dass die Arathi schon vor dem großen Feldzug gegen Königin Ansurek Menschen in diesen Tunneln verloren hatten. Lampenanzünder trugen heilige Flammen hinaus zu Siedlungen und Wachtposten; im Krieg wurden sie zugleich zu Wegweisern, Sanitätern und Verteidigern. Wenn einer von ihnen fiel, verlor Heilsturz nicht nur einen Kämpfer, sondern einen Menschen, der Licht in abgelegene Orte gebracht hatte.
Nach Ansureks Niederlage kehrte deshalb nicht sofort Frieden ein. Teile ihres Heeres, Hofangehörige und Befehlshaber hielten an der alten Ordnung fest oder suchten in Xal'ataths Leerenmacht einen neuen Weg. Die Sureki konnten sich in den zahllosen Kammern neu sammeln, während die Arathi ihre Toten noch nicht einmal vollständig geborgen hatten. Arathis Ende wurde zu einem Ort, an dem Erinnerung und gegenwärtige Gefahr buchstäblich nebeneinanderlagen: Gräber am Boden, Späher in den Gängen und Feinde, die über denselben Wegen erneut nach Heilsturz vorstoßen wollten.
Die Flammenstrahlen tragen den Krieg nach Süden
Die Flammenstrahlen entstanden als entschlossener Teil des arathischen Widerstands. Faerin Lothar gehörte zu ihren prägenden Stimmen. Sie hatte an der Aegismauer erlebt, wie gefährlich es war, sich nur hinter einer neuen Linie zu verschanzen, während der Gegner Zeit gewann. Deshalb führten die Arathi ihre Angriffe tiefer nach Azj-Kahet. Arathis Ende wurde zu einem Ausgangspunkt, von dem aus sie Stellungen untersuchten, Überlebende suchten und die Bewegungen der verbliebenen Sureki beobachteten.
Der Feldzug war nicht nur militärisch. Die Arathi mussten ihre Gefallenen ehren und zugleich verhindern, dass Trauer jede weitere Entscheidung bestimmte. Manche wollten den Ort halten, weil dort Freunde und Verwandte begraben lagen. Andere sahen in jedem zusätzlichen Tag eine Gefahr für die Lebenden. Faerin versuchte, beides miteinander zu verbinden: Die Toten sollten nicht vergessen werden, doch ihre Gräber durften nicht zum Grund werden, neue Menschen in einem aussichtslosen Stellungskrieg zu opfern. Diese Haltung prägte den Vorstoß gegen die Kräfte, die sich unter Zev'kall sammelten.
Zev'kall und Mutter Aza'na
Zev'kall gehörte zu jenen Nerubern, die nach dem Zusammenbruch von Ansureks unmittelbarer Herrschaft nicht aufgaben. Er suchte Stärke in der Leere und behandelte Körper ebenso wie Erinnerungen als Material für seinen Krieg. Mutter Aza'na unterstützte die verderbte Macht, aus der neue Schrecken hervorgingen. Ihre Rituale zielten nicht bloß darauf, einen weiteren Soldaten zu erschaffen. Sie sollten den Arathi zeigen, dass selbst ihre Toten nicht sicher waren und dass die Leere aus Verlust noch eine Waffe formen konnte.
Für die Flammenstrahlen erhielt der Kampf dadurch eine besonders grausame Bedeutung. Sie standen nicht einem anonymen Heer gegenüber, sondern einem Gegner, der die Spuren früherer Niederlagen gegen sie wandte. Ryton Schwarzheim und Sir Aschenreich gehörten zu den arathischen Kämpfern, deren Schicksal mit diesem Vorstoß verbunden war. Ihre Verluste machten aus dem Feldzug keine Abfolge sauberer Siege. Jeder zurückgewonnene Abschnitt konnte einen Preis fordern, der in Heilsturz noch lange nachwirkte.
Ein Ende, das keines war
Die Angriffe der Flammenstrahlen schwächten Zev'kalls Stellung und verhinderten, dass sich die verbliebenen Sureki ungestört neu ordneten. Verbündete aus anderen Teilen Khaz Algars halfen den Arathi, Ziele zu erreichen, die ihre erschöpften Truppen allein kaum hätten angreifen können. Mutter Aza'na und die von ihr unterstützten Leerenrituale wurden zu unmittelbaren Zielen, weil ihre Macht jeden weiteren Verlust vergrößerte. Der Krieg verlagerte sich damit von der Verteidigung Heilsturz' zu gezielten Schlägen gegen jene, die aus Ansureks Niederlage eine neue Herrschaft formen wollten.
Der Name Arathis Ende klang nach einem letzten Punkt. Tatsächlich stand der Ort für das Gegenteil. Weder endete dort die Geschichte der Arathi noch verschwand mit Ansurek jede Gefahr aus Azj-Kahet. Die Gräber, der Vorstoß der Flammenstrahlen und Zev'kalls Verbrechen verbanden mehrere Phasen desselben Krieges. Für Faerin und ihre Leute wurde der Ort zu einer Warnung: Ein Sieg über eine Königin genügte nicht, wenn ihre Anhänger, ihre Methoden und die Macht hinter ihr weiterwirkten. Frieden musste mehr bedeuten als das Schweigen eines Thronsaals. Er musste auch jene erreichen, die an den Rändern gefallen waren und deren Heimat noch immer bedroht blieb.