Ehre und StärkeBlackmoore
Drust
Volk

Drust

Die Drust waren seefahrende Vrykul auf Kul Tiras. Gorak Tul verdrehte ihre alten Druidenwege zu Todesmagie; die Dornenhüter widersetzten sich ihm, während die Gefallenen in Thros auf Rache warteten.

Die ersten Bewohner von Kul Tiras

Nach der Großen Teilung befuhren Gruppen der Vrykul die neu entstandenen Meere. Eine von ihnen erreichte Kul Tiras und wurde dort zu jenem Volk, das später Drust genannt wurde. Ihre Siedlungen und Straßen reichten durch Drustvar und Teile des heutigen Tiragardesunds. Lange bevor Boralus seine Mauern hob oder kultiranische Schiffe die Weltmeere beherrschten, hatten die Drust ihre Zeichen in Felsen geritzt und gelernt, mit den rauen Wäldern ihrer Insel zu leben.

Ihre frühen Wege waren druidisch. Sie kannten Dornen, Tiergestalten und den Wandel zwischen Wachstum und Verfall, ohne den Tod zum alleinigen Herrn der Natur zu machen. Die späteren Schrecken der Drust waren deshalb kein unvermeidlicher Ausdruck ihres Volkes. Sie begannen mit einer Entscheidung und mit einem Herrscher, der einen alten Weg für zu schwach hielt.

Gorak Tuls verdrehte Ordnung

Etwa zweitausendsiebenhundert Jahre vor dem Ersten Krieg landeten menschliche Seefahrer aus Gilneas auf Kul Tiras. Gorak Tul, der König der Drust, beantwortete ihre Ansiedlung mit Krieg. Er wandte sich Thros zu, einem verdorbenen Bereich des Smaragdgrünen Traums an einer Berührung von Leere und Tod. Aus den alten Riten machte er eine Magie der Beherrschung. Seelen wurden gebunden, Holz und Knochen zu Konstrukten gefügt, und die Dornen dienten nicht mehr dem Gleichgewicht, sondern dem Anspruch, den eigenen Willen über Körper und Land zu legen.

Nicht alle Drust folgten ihm. Die Dornenhüter unter Sef Iwen trennten sich von Gorak Tuls Herrschaft und stellten sich an die Seite der menschlichen Siedler. Damit verlief die entscheidende Grenze nicht einfach zwischen Ureinwohnern und Ankömmlingen. Sie ging mitten durch das alte Volk. Auf der einen Seite stand ein König, der Verteidigung in Todesherrschaft verwandelte; auf der anderen Drust, die ihre überlieferte Naturmagie bewahren wollten und dafür mit jenen zusammenarbeiteten, deren Ankunft den Krieg ausgelöst hatte.

Der Sieg des Hauses Waycrest

Arom Waycrest führte die Menschen schließlich gegen Gorak Tul. Der Drustkönig fiel, und seine Krieger wurden fast vollständig vernichtet. Aus dem Sieg gingen das Haus Waycrest und der Name Drustvar hervor. Für die neuen Bewohner war es eine Gründungsgeschichte von Mut und Überleben. Für die Besiegten war es das Ende ihrer sichtbaren Herrschaft. Beides liegt in derselben Erde, und die Ruinen der Drust erinnern daran, dass ein neues Reich seine Vergangenheit nicht erst in dem Augenblick beginnt, in dem seine Sieger Chroniken schreiben.

Gorak Tuls Tod beendete den Krieg nicht. Die gefallenen Drust gelangten nicht in den gewöhnlichen Kreislauf der Schattenlande, sondern flohen nach Thros. Dort bestanden sie außerhalb des geordneten Wechsels von Leben und Tod fort. Jahrtausende gaben ihrem Zorn keine Ruhe; sie gaben ihm Zeit. Der Wald Drustvars wuchs über die Schlachtfelder, doch unter seinen Wurzeln blieb ein Weg in jenes kranke Reich offen.

Die Hexen von Drustvar

Während des Vierten Krieges fand Gorak Tul einen Zugang zur Gegenwart. Lady Meredith Waycrest bat in ihrer Verzweiflung um Rettung für ihren sterbenden Gemahl. Die Drust gaben ihm Kraft und verlangten dafür ihre Mithilfe. So entstand der Herzbannzirkel. Hexen verdarben Dörfer, banden Seelen an Weidenkonstrukte und bereiteten Gorak Tuls Rückkehr vor. Der alte Krieg trat nicht als Heer aus Ruinen hervor, sondern durch Angst, private Trauer und einen Handel, dessen Preis erst später sichtbar wurde.

Lucille Waycrest, die Dornenhüter und Verbündete der Allianz brachen den Einfluss des Zirkels. Gorak Tul wurde im Anwesen der Waycrests zurückgeschlagen, doch sein Geist entkam nach Thros. Dorthin war auch Jaina Prachtmeer verschleppt worden. Katherine Prachtmeer wagte gemeinsam mit einem Verbündeten den Weg in die Verseuchten Lande, befreite ihre Tochter und besiegte Gorak Tul in jenem Reich, in dem er sich unangreifbar geglaubt hatte. Die Mutter rettete damit nicht nur Jaina, sondern widersprach der langen Geschichte Drustvars: Schuld musste nicht wieder in Opferung enden.

Dornen zwischen Leben und Tod

Die Niederlage Gorak Tuls löschte die Drust nicht aus. Von Thros aus drangen sie während der Anima-Dürre in den Ardenwald ein. Unter Gorak Zhar wollten sie die Macht der Wiedergeburt an sich reißen, um ihrem verwünschten Dasein zu entkommen. Sie besetzten Nachtfae und verwandelten Haine in dunkle Spiegel ihrer Dornenmagie. Die Winterkönigin führte den Gegenangriff; Gorak Zhar fiel, und die Eindringlinge wurden aus dem Reich gedrängt.

Ulfar blieb während all dieser Ereignisse als letzter der ursprünglichen drustischen Druiden und Führer der Dornenhüter am Leben. Durch ihn ist der Name Drust nicht auf Gorak Tuls Rache festgelegt. Die kultiranischen Druiden bewahren Lehren eines Volkes, das ihre Vorfahren bekämpfte, und ehren gerade jene Drust, die sich der Verderbnis widersetzten. Darin liegt die tiefste Wahrheit ihrer Geschichte: Land kann Erinnerung tragen, ohne ewig nur Grab zu sein. In Drustvar sind die Dornen zugleich Waffe, Narbe und lebendige Überlieferung. Entscheidend ist, ob eine Hand sie benutzt, um fremden Willen zu fesseln, oder ob sie den alten Kreislauf schützt, den ein König einst für seinen Krieg verdrehte.