Ehre und StärkeBlackmoore
Gorak Tul
Charakter

Gorak Tul

Gorak Tul war König der Drust und führte sein Volk gegen die menschlichen Siedler von Kul Tiras. Nach seiner Niederlage überdauerte er in Thros, nährte den Hass der Herzbannhexen und machte den Streit um Drustvar zu einem Krieg zwischen Erinnerung, Rache und Heimat.

Der König der Drust

Als gilnearische Siedler vor ungefähr zweitausendsiebenhundert Jahren die Inseln erreichten, die später Kul Tiras heißen sollten, fanden sie kein unbewohntes Land. In den Bergen des heutigen Drustvar lebten die Drust, ein Vrykulvolk mit eigener Sprache, eigenen Gräbern und einer Magie, die Leben und Tod eng miteinander verband. Ihr König Gorak Tul sah in den Neuankömmlingen keine Nachbarn, mit denen man Grenzen aushandeln konnte. Für ihn waren sie Eindringlinge, die eine alte Heimat Stück für Stück in Besitz nahmen.

Aus dieser Haltung entstand ein Krieg, den beide Seiten als Überlebenskampf verstanden. Die Menschen wollten auf den Inseln bleiben und ihre Siedlungen schützen. Gorak Tul wollte verhindern, dass aus ersten Höfen ein fremdes Reich wurde. Er griff dabei auf Rituale zurück, mit denen Seelen gebunden, Körper verformt und die Kräfte des Waldes verdreht werden konnten. Seine Macht machte ihn zum Mittelpunkt des Widerstands, aber sie zwang die Drust zugleich in einen Krieg, der kaum noch Raum für einen anderen Ausgang ließ.

Sef Iwen und der Bruch im eigenen Volk

Nicht alle Drust folgten ihrem König. Sef Iwen und jene, die später als Dornenrufer bekannt wurden, lehnten Gorak Tuls Weg ab. Sie sahen in der Natur keine Waffe, die man nach Belieben mit Tod erfüllen durfte, sondern ein Gefüge, dessen Gleichgewicht bewahrt werden musste. Ihre Abkehr war für Gorak Tul mehr als politischer Widerspruch. Sie entzog ihm den Anspruch, für sein gesamtes Volk zu sprechen.

Die Dornenrufer verbündeten sich mit den menschlichen Siedlern und lehrten sie, die Magie der Drust zu verstehen. So konnte Arom Waycrest dem König entgegentreten. Der Sieg der Menschen war deshalb nicht allein das Werk überlegener Waffen. Er beruhte auf einem Bündnis zwischen Einheimischen und Ankommenden gegen einen Herrscher, dessen Rache selbst Teile seines Volkes bedrohte. Haus Waycrest wurde zum Schutzschild Drustvars, während die loyalen Drust aus der sichtbaren Welt zurückgedrängt wurden.

Thros, das verdorbene Jenseits

Gorak Tuls Niederlage beendete seine Herrschaft, nicht aber seine Existenz. Sein Geist gelangte nach Thros, die Fahlen Lande, ein düsteres Reich, das mit dem Smaragdgrünen Albtraum und den Drust verbunden ist. Dort wartete er, während sich Kul Tiras über den alten Schlachtfeldern weiterentwickelte. Für die Menschen wurde der Krieg zur Gründungsgeschichte. Für Gorak Tul blieb er eine offene Rechnung.

Aus Thros heraus konnte er Träume, Flüche und die Verzweiflung der Lebenden erreichen. Seine Rückkehr begann deshalb nicht mit einer marschierenden Armee. Sie begann in Familien, die alte Verluste nicht überwunden hatten, und in Menschen, die glaubten, eine verbotene Macht könne ihnen zurückgeben, was das Leben genommen hatte. Gorak Tul verstand, dass geduldige Verführung wirksamer sein konnte als ein offener Angriff.

Haus Waycrest und die Herzbannhexen

Jahrhunderte nach Aroms Sieg fand Gorak Tul einen Weg in das Haus seiner alten Feinde. Lady Meredith Waycrest litt unter der Krankheit ihres Mannes und suchte verzweifelt nach Heilung. Die Hexe Athair und der Herzbannzirkel boten ihr Hilfe an, doch hinter ihren Versprechen stand Gorak Tuls Einfluss. Aus Sorge wurde Abhängigkeit, aus Abhängigkeit Verrat. Haus Waycrest, einst Bollwerk gegen die Drust, wurde zum Tor ihrer Rückkehr.

Der Fluch breitete sich über Drustvar aus. Menschen wurden zu hölzernen Konstrukten gebunden, Dörfer verstummten, und die Ordnung der Natur verwandelte sich in ein Werkzeug des Schreckens. Gorak Tul wollte nicht nur Land zurückerobern. Er wollte die Erinnerung an den menschlichen Sieg zerstören, indem er gerade dessen berühmteste Familie von innen brach. Seine Rache richtete sich damit gegen Geschichte ebenso wie gegen lebende Gegner.

Jaina in den Fahlen Landen

Nachdem Gorak Tuls Verbündete entlarvt und Lady Waycrest besiegt worden waren, blieb der König in Thros gefährlich. Als Jaina Prachtmeer wegen ihrer Schuldgefühle und der politischen Wunden Kul Tiras' verurteilt wurde, geriet sie in seine Gewalt. Gorak Tul versuchte, ihre Erinnerungen gegen sie zu wenden: Theramore, den Tod ihres Vaters Daelin und all jene Entscheidungen, die sie selbst nicht vergeben konnte. Er behandelte Schuld wie eine Kette, die eine Gefangene freiwillig festhält.

Katherine Prachtmeer folgte ihrer Tochter mit Verbündeten nach Thros. Dort wurde Gorak Tul endgültig bezwungen. Sein Ende löschte den Konflikt zwischen Drust und Menschen jedoch nicht aus. Die Dornenrufer, die Geschichten der Fahlen Lande und die Spuren des alten Volkes blieben Teil Drustvars. Gorak Tul hinterließ eine Warnung darüber, was aus dem berechtigten Wunsch nach Heimat werden kann, wenn ein Herrscher nur noch Rache als Form von Erinnerung gelten lässt.