Dort, wo Vashj'ir das Licht verliert
Westlich der Schimmernden Weiten sinkt der Meeresgrund weiter ab. Die Farben werden kühler, die Abstände größer und die Felswände steiler. Die Abyssischen Tiefen sind die dritte und letzte Region Vashj'irs; nicht einfach ein weiterer Abschnitt des Meeres, sondern die Annäherung an eine Grenze zwischen Azeroth und der Elementarebene. Alles, was zuvor als Vorbereitung erschien, läuft hier zusammen.
Die Tiefe verändert auch die Stimmung. Zwischen verlassenen Riffen, dunklen Höhlen und vereinzelten Zufluchten wirken die Truppen der Oberfläche noch kleiner als zuvor. Das Meer ist nicht leer, aber seine Bewohner scheinen älter, größer und weniger verständlich. Im Westen öffnet sich der Abyssische Durchbruch, während unter dem Boden etwas Gewaltiges mit dem Leben ringt.
Ozumat lässt auch Maschinen klein wirken
Der Übergang in die Tiefen erfolgt mit einem Unterseeboot, das den Abstand zwischen Oberfläche und Meeresgrund technisch überwinden soll. Doch Ozumat greift erneut an. Wie schon beim Schiffbruch im Kelp'tharwald zeigt der Kraken, dass die Expeditionen von Horde und Allianz auf fremdem Terrain nur Gäste sind. Stahl, Waffen und Planung reichen nicht aus, um eine Kreatur zu beherrschen, die zwischen den Truppen und ihrem Ziel auftaucht wie eine lebende Katastrophe.
Damit schließt sich ein erzählerischer Kreis. Die Reise begann mit einem von Ozumat versenkten Schiff und erreicht ihren letzten Abschnitt mit einem beschädigten Unterseeboot. Die Bewohner der Oberfläche haben inzwischen gelernt, unter Wasser zu kämpfen, doch die Machtverhältnisse bleiben gegen sie gerichtet. Was sie gewonnen haben, ist weniger Überlegenheit als Verständnis für das Ausmaß der Bedrohung.
L'ghorek wird von innen ausgezehrt
In den Tiefen lebt L'ghorek, ein uraltes Wesen, das als Gott oder Halbgott beschrieben wird und dessen Körper selbst einen Schauplatz bildet. Der Schattenhammer dringt in ihn ein, zapft seine Lebenskraft ab und nutzt die gewonnene Energie für die Erschaffung von Aszendenten. Wie bei Nespirah wird ein lebendes Wesen in Infrastruktur verwandelt, doch hier ist der Prozess weiter fortgeschritten: L'ghorek stirbt langsam an den Parasiten in seinem Inneren.
Sein Schicksal verbindet den Kult des Schattenhammers mit dem Angriff der Naga. Beide Mächte handeln im Umfeld der Alten Götter und behandeln die uralten Bewohner Vashj'irs als Rohstoff. Der Kampf um die Tiefe ist deshalb nicht nur ein Feldzug um Land oder Zugang. Er ist ein Raubbau an Leben, durch den immer größere Kräfte für den bevorstehenden Angriff auf Neptulon freigesetzt werden sollen.
Der Abyssische Durchbruch
Im westlichen Teil der Region liegt der Abyssische Durchbruch. Er ist kein gewöhnlicher Höhleneingang, sondern ein Übergang zum Abyssischen Schlund, der Domäne des Wassers innerhalb der Elementarebene. Hinter dieser Schwelle befindet sich der Thron der Gezeiten, von dem aus Neptulon sein Reich beherrscht. Damit berührt Vashj'ir an dieser Stelle eine andere Ebene der Wirklichkeit.
Die Naga bereiten hier ihren offenen Angriff vor. Was in den Schimmernden Weiten durch Erinnerungen und Truppenbewegungen sichtbar wurde, erreicht nun sein Ziel. Verteidiger versuchen, den Durchbruch zu halten, während Lady Naz'jars Streitkräfte, Gesichtlose und Ozumat auf Neptulons Sitz vordringen. Der Kampf am Riss entscheidet nicht nur über eine Unterwasserregion, sondern über den Zugang zur Macht des Meeres.
Ein Ende, das lange offen blieb
Die Handlung führt durch den Durchbruch in den Thron der Gezeiten. Dort wird Neptulon angegriffen und schließlich von Ozumat fortgetragen, nachdem der Kraken den Gezeitenjäger überwältigt hat. Spätere Ereignisse zeigen, dass Neptulon sich befreien konnte, doch die unmittelbare Geschichte Vashj'irs endet bewusst mit Unsicherheit und dem Gefühl, nur einen Teil eines viel größeren Krieges gesehen zu haben.
Die Abyssischen Tiefen geben der Reise daher keinen bequemen Abschluss. Sie enthüllen den Zusammenhang zwischen Naga, Schattenhammer, uralten Wesen und Elementarebene, lassen aber nicht jede Wunde heilen. L'ghorek kann nicht gerettet werden, der Angriff erreicht Neptulon und Ozumat entkommt. Gerade diese Unvollständigkeit macht den Ort wichtig: Unter Azeroths Meeren liegen Konflikte, die nicht enden, nur weil die Helden zur Oberfläche zurückkehren.